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Remagen: Einblicke in die Kreuzwege des Apollinarisbergs

Remagen : Einblicke in die Kreuzwege des Apollinarisbergs

Erhard Wacker war wieder fleißig: Der Autor hat seine Schriftenreihe „Remagener Apollinaris Bibliothek“ um den Band „Die Kreuzwege des Apollinarisberges“ erweitert. In dem Band gibt er Einblicke in Bau-, Kunst- und Kulturgeschichte der Kreuzwegstationen.

Die Nummer acht erblickt das Licht der Veröffentlichung: Erhard Wacker aus Remagen hat seine Reihe „Remagener Apollinaris Bibliothek“ um den Band „Die Kreuzwege des Apollinarisberges“ erweitert. Der promovierte Physiker und ausgebildete Buchhändler ist seit Jahren ein passionierter Faktensammler und -herausgeber zum Kulturkomplex Apollinarisberg.

Nun also widmet er sich jenen 14 Stationen, die – von der B 9 aus zu sehen und in der Fürstenbergstraße beginnend – hangaufwärts bis zur Apollinariskirche das Leiden Christi bildlich vergegenwärtigen – von der Gefangennahme im Garten Gethsemane bis zum Tod am Kreuz und zur Grablegung. Wie so oft ließ die Kunstgeschichte das Thema auch bei der Apollinariskirche links liegen. Wacker klagt: „Das Standardwerk ‚Die Kunstdenkmäler des Kreises Ahrweiler‘ von 1938 behandelt den Apollinarisberg ausführlich auf zwölf Seiten – aber kein Wort über den Kreuzweg!“

Doch nicht deshalb griff er zu. Erst die Recherche stieß ihn auf den Mangel an Vorarbeiten. Sein Vorgehen lässt sich als pragmatisch beschreiben. „Ich suche die Themen nicht, die kommen auf mich zu. Wären die Türme nicht marode gewesen, hätte ich mich wohl nicht mit ihnen beschäftigt. Ohne dass es den Diebstahl gegeben hätte, wäre ich nicht in Oberammergau gewesen.“

So aber reagierte er, schrieb Band sieben über „Die gusseisernen Turmhelme der Apollinariskirche“ und gewährt aktuell Einblicke in Bau-, Kunst- und Kulturgeschichte des Kreuzweges, nachdem 2017 die Bronzereliefs der Stationen entwendet wurden.

Früher Wunsch nach einem Kreuzweg

In einem neuen Buch ergänzt Erhard Wacker seine bisherigen Abhandlungen über den Apollinarisberg um die Kreuzwege. Foto: Hildegard Ginzler

Nach Oberammergau reiste er, um mehr über den Bildhauer Max Schauer (1903-1977) zu erfahren. Der schuf den zweiten Kreuzweg am Apollinarisberg. Insgesamt zwei – einer löste den anderen ab – existierten bis heute im Außenterrain. Hinzu kommen Kreuzwege in der Kirche und in den Klosterkapellen, sodass die Mehrzahl „Kreuzwege“ auch im Buchtitel auftaucht. Aber der Reihe nach.

Wacker nimmt an, dass schon kurz nach der Ankunft der Franziskaner im Jahr 1857 auf dem Apollinarisberg „der Wunsch nach der Errichtung eines Kreuzweges entstanden sein muss“. Dies, weil der Orden mit dem Stationsweg historisch verbunden ist. Im 14. Jahrhundert oblag ihm die Betreuung der christlichen Stätten im Heiligen Land. Er verbreitete die Tradition der Kreuzwege, die in Jerusalem entstanden waren, wo man Jesu letzten Weg abschritt und haltmachte, um sich der Einzel- Begebenheiten zu erinnern. Diesen Pilgerbrauch entwickelten die Franziskaner zu einer Art Volksandacht. In Europa baute man Nachbildungen, deren Anlage anfangs dem Orden unterstellt war. Und durch Papst Innozenz XI. erhielt er 1668 das mit der Kreuzwegsandacht verbundene Ablassrecht, welches später auf alle Kreuzwegbeter ausgeweitet wurde.

Als im Januar 1864 die Handwerker mit dem Aufbau des Kreuzwegs am Apollinarisberg begannen, erstellte der Bildhauer Jakob Michels aus Koblenz jeweils den Sandstein-Korpus der Stationen, deren neugotische Verzierungen variierten. Michels wurden bislang auch die Reliefs zugeschrieben.

Orientierung an Joseph von Führich

Doch Erhard Wacker kommt durch Bildvergleiche zu dem Schluss, dass die Remagener Darstellungen aus Terrakotta bestanden und von der Firma Scherf & Imhoff aus Kalk (heute Stadtteil von Köln) gefertigt wurden, die damals im Rheinland führend für Tonwaren war. Stilistisch orientierten sich die Szenen des Leidensweges, wie in unzähligen anderen Orten, an Joseph von Führich. Dessen 1844 bis 1846 realistisch ausgeführten Kreuzweg-Motive der Wiener Kirche Sankt Johann Nepomuk gehören zu den meistkopierten.

Nicht als Stationshäuschen, sondern als freistehendes eindrückliches Figurentrio entstand die Station XII mit dem Gekreuzigten, seiner Mutter Maria und dem Lieblingsjünger Johannes. Den verantwortlichen Künstler vermutet Wacker im Bildhauer Karl Hoffmann (1816–1872), der als Schöpfer der Figuren des Franz von Assisi und der heiligen Paula von Rom bekannt ist, die das Hauptportal der Apollinariskirche flankieren. Wiederum legen Stilmerkmale die Zuordnung nahe.

Noch heute staunt der Besucher auf dem Kirchenvorplatz über zwei grottenartige aufwendig aus Lavakrotzen und Steinen errichtete und im Innern mit Figuren ausgestattete Kapellen. Sie entsprechen den Stationen XIII (1874, Jesus wird vom Kreuz abgenommen und seiner Mutter in den Schoß gelegt) und XIV (vor 1884, Jesu Leichnam wird zu Grabe gelegt). An ihrer Stelle hatten vormals Bildstöcke in der Art des übrigen Stationsweges gestanden. 1883 wurde die ebenfalls als Grotte gestaltete Josefskapelle eingeweiht (zwischen 1982 und 1990 niedergelegt).

„Beeindruckender Komplex christlicher Stätten“

Der Kreuzweg, das Drei-Kapellen-Szenario, die Gruft der Familie von Fürstenberg, Standbilder des heiligen Antonius und des heiligen Franziskus (1886) bildeten, so Wacker „einen wirklich beeindruckenden Komplex christlicher Stätten“. Zu dieser Zeit war das Kloster durch die Kulturkampf-Gesetze aufgehoben. Die Franziskaner durften in der Öffentlichkeit keine heilige Messe feiern. Insbesondere das Aufrichten der Franziskus-Statue stellte daher „ein beachtliches Zeichen des Ungehorsams der Franziskaner gegenüber dem preußischen Staat dar“.

Im Zweiten Weltkrieg trug der Kreuzweg starke Schäden davon. Der Oberammergauer Bildhauer Max Schauer gestaltete deshalb 1964 die Stationen I bis XI neu. Beim vorangegangenen Künstlerwettbewerb gefielen den Kirchenbesuchern seine abstrahierten Darstellungen am besten. Mit der Grablegung endet gewöhnlich der Kreuzweg. Doch auf dem First der XIV. Station ragt in Remagen der auferstandene Christus empor mit segnender Geste und Siegesfahne, auf der „Alleluja“, „Lobpreiset Gott“, geschrieben steht.

„Die Kreuzwege des Apollinarisberges“, 96 Seiten, 80 Abbildungen, sind in Remagen für 8 Euro in der Apollinariskirche und in Hauffes Buchsalon erhältlich.