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Lockerungen der Corona-Beschränkungen: So reagieren Gastronomen und Einzelhändler im Kreis Ahrweiler

Lockerungen der Corona-Beschränkungen : So reagieren Gastronomen und Einzelhändler im Kreis Ahrweiler

Bund und Länder haben die Corona-Beschränkungen gelockert. Kleine Läden dürfen wieder öffnen. Der General-Anzeiger hat nachgehört, wie Einzelhändler und Gastronomen im Kreis Ahrweiler mit dieser Entscheidung umgehen.

Mit Elan und großem unternehmerischen Mut hatte Anja Laudien vor fünf Jahren an der Bad Neuenahrer Casinostraße ihre Cocktailbar „Cubanja“ eröffnet. Das Geschäft mit Salitos, Tequila, Castell Fuerte Bianco und Caipirinha lief für die 54-jährige Gastronomin bisher gut – dann kam die Corona-Krise.

Seit vier Wochen hat ihr nahe des Spielcasinos gelegenes Lokal zwangsgeschlossen. Keine Kunden, keine Einnahmen, keine Soforthilfe. Die hat sie zwar bereits unverzüglich, nämlich am 31. März, beantragt, einen Zahlungseingang hat sie im Gegensatz zu befreundeten Kneipiers im benachbarten NRW trotz ihres Anspruchs bislang jedoch nicht. So langsam aber sicher wird es trotz einiger Rücklagen eng.

Nun hat Laudien aus den Nachrichten erfahren, dass die Gastro-Branche von den angekündigten Lockerungen nicht erfasst ist. Was sie einerseits verstehen kann. Andererseits werden ihre Existenzängste von Tag zu Tag größer, obwohl sie tapfer betont, sie sehe der weiteren Entwicklung gelassen entgegen. „Irgendwann mache ich wieder auf“, ist sie überzeugt.

Die nächsten Wochen werde sie finanziell noch durchhalten können, obwohl ihre Betriebskosten wie Miete, Strom oder Wasser weiterhin zu Buche schlagen. „Ich kann die Situation ja nicht ändern“, meint die „Cubanja“-Chefin, die seit dem 18. März kein einziges Glas Bier und keinen Cocktail mehr verkauft hat. Nun hofft sie, dass wenigstens die in anderen Bundesländern längst ausgezahlte Soforthilfe des Bundes so langsam aber sicher mal auf ihrem Konto eingeht. Thomas Zimmermann von der Sinziger Buchhandlung Walterscheid ist froh, am Montag wieder öffnen zu können, auch wenn er dann noch nicht an einen Boom glaubt: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Leute dann in Scharen strömen werden, die werden eher vorsichtig sein.“ Zimmermann war während der Krise stets im Laden, da er nebenbei einen Paketshop betreibt und Pakete annehmen durfte.

Seine Frau als einzige Angestellte hat er in Kurzarbeit geschickt. Positiv war für den Sinziger, dass sein Onlineshop gut lief. „Die Menschen haben den Shop endlich mal entdeckt.“

Verbunden damit ist ein Lieferservice. „Am liebsten wäre es mir, wenn auch künftig online bestellt würde, aber die Frequenz im Geschäft ist genauso wichtig“, so Zimmermann.

Merkliche Umsatzeinbußen

Auch Augenoptiker Klaus Klute aus Remagen hat merkliche Umsatzeinbrüche zu verzeichnen. „Das ist schon reichlich, was da fehlt“, so sein grober Überblick über die leere Kasse. Trotz Corona-Schließung war Klute jeden Tag zu den gewohnten Öffnungszeiten in seinem Geschäft an der Marktstraße präsent. Es hätte ja ein Notfall kommen können und den hätte er bedienen dürfen. Den einzigen Angestellten schickte er dagegen in Kurzarbeit.

„Die Zeit ging schon rum, vor allem in der Werkstatt war genug zu tun“, so der Optiker. Welche Auflagen er bei der Öffnung kommende Woche erfüllen muss, weiß er noch nicht. Aber das Ladenlokal ist nicht groß. „Ich vermute, dass ein, höchstens zwei Kunden gleichzeitig reindürfen.“ Das könne mittels Schildern geregelt werden.

„Der Super-Gau unseres Lebens“

Für Gisela Dieringer und ihre Schwester vom Bad Neuenahrer Schuhhaus Rollmann war die Schließung nach eigenen Worten „der Super-Gau unseres Lebens“, und dies im 145. Jahr des Bestehens des Schuhhauses. Die Wiedereröffnung können beide kaum erwarten und haben vorgesorgt: „Wir haben Spuckschutz, Mundschutz und Desinfektionsmittel bereit.“

Auf den 150 Quadratmetern Verkaufsfläche an der Kölner Straße/ Ecke Hauptstraße kann sie Kunden so bedienen, dass die nötigen Abstände gewahrt bleiben. Geöffnet wird neben dem Bad Neuenahrer Geschäft auch die „Niederlassung“ in der Ahrweiler Ahrhutstraße.

Während der Schließung war für die acht Angestellten Kurzarbeit angesagt, jetzt vermutet die Inhaberin, dass es erst einmal ruhig bleiben wird und kein Ansturm erwartet werden kann. „Wir müssen sehr diszipliniert sein, damit das Ganze nicht in zwei Wochen wieder losgeht“, so Dieringer.