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Tourismus in der Krise: Tristesse auf den Campingplätzen an Rhein und Ahr

Tourismus in der Krise : Tristesse auf den Campingplätzen an Rhein und Ahr

Übernachten ist nicht erlaubt: In Rheinland-Pfalz dürfen Dauermieter ihre Stellplätze auf Campinganlagen zurzeit tagsüber nur kurz betreten. Das stellt die Platzbetreiber an Rhein und Ahr vor große Probleme.

Der Ahrkreis grenzt im Norden an den Rhein-Sieg-Kreis und den Kreis Euskirchen und damit auch an ein anderes Bundesland: Nordrhein-Westfalen. Und dort herrschen andere Regeln, gerade betreffend der Corona-Krise. Insbesondere die Betreiber von Campingplätzen an Rhein und Ahr schauen in diesen Tagen daher nicht nur sorgenvoll auf ihre eigenen Anlagen, sondern auch mit Kopfschütteln über die Landesgrenze.

Der Grund: In Rheinland-Pfalz dürfen Dauermieter ihre zumeist autarken Stellplätze auf den Campinganlagen derzeit maximal tagsüber kurz betreten, übernachten geht hier aber nicht. Wenige Kilometer nördlich der Ahrtaler Plätze ist das anders, in NRW ist Dauercampern erlaubt, sich dauerhaft in ihren Wohnwagen und Zelten aufzuhalten. Dort kommen die Dauer-Campingeinrichtungen einem Zweitwohnsitz gleich.

Betreiber der Campingplätze zeigen kein Verständnis

Vergangene Woche schlossen sich die Betreiber der mehr als einem halben Dutzend Campingplätze im Ahrtal zusammen, um sich über ihre Situation auszutauschen. Da gab es noch vage Hoffnungen, die Situation würde sich kurzfristig ändern, die Landesregierung in Mainz die Beschränkungen auf den Campingplätzen lockern oder zumindest denen in NRW oder Mecklenburg-Vorpommern anpassen. Daraus wurde nichts.

„Verstehen kann man das nicht“, so Guido Kurzbach. Zusammen mit Helga Dettmann kümmert er sich um den Campingplatz „Zur Burgwiese“ in Mayschoß. Verglichen mit den anderen Plätzen im Ahrtal einer der kleineren Plätze mit rund 12.000 Quadratmetern Fläche. Die Zahl der Dauercamper ist hier besonders groß, rund 100 Stellplätze sind das ganze Jahr über fest vermietet, für etwa drei Dutzend reisende Urlauberfamilien stehen Tages-Campingplätze bereit.

Normalerweise geht der Betrieb im Mai so richtig los, jetzt aber herrscht gähnende Leere auf dem Areal. Das Wasser im Schwimmbad ist abgepumpt, die kleine Kneipe auf dem Platz hat seit Wochen geschlossen. Am 18. März gab es für Dettmann und Kurzbach die entscheidende Information aus dem Kreishaus: Der Campingplatz ist sofort zu schließen. Erst einen Tag zuvor hatte die Pächterin den meisten ihrer Dauercamper die Jahresrechnung zukommen lassen.

„Es gab schon Rückmeldungen, warum wir Rechnungen schreiben und nicht gleichzeitig informieren, dass der Platz gesperrt ist“, so die Platzbetreiberin. Dass die Sperrung einen Tag nach Rechnungsversand kam, ist für sie besonders unglücklich. Immerhin: Viele der Dauercamper haben ihr Standgeld bereits überwiesen. Dennoch rechnet sie damit, dass dies nicht alle tun und dass es spätestens dann, wenn die Dauercamper wieder nach Mayschoß kommen, auch zu Rückforderungen kommen wird.

Die Situation hängt wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der Pächter. Wenn die Dauercamper ihr Geld zurückfordern, könnten die Betreiber in Existenznot geraten. Noch sind Dettmann und Kurzbach in der Lage, das Gelände nicht nur in Schuss zu halten, sondern sich Tag für Tag auf eine mögliche Wiedereröffnung vorzubereiten. „Wir haben mit Sondergenehmigung Baumschnitt vornehmen dürfen, wir rüsten alle öffentlichen Stellen mit Desinfektionsgeräten aus, bringen Spuckschutz an, wo es notwendig ist. All das verursacht Kosten“, so Helga Dettmann.

Campingplatz „Zur Burgwiese“: Helga Dettmann und Guido Kurzbach hoffen, zum wichtigen Pfingstgeschäft wieder öffnen zu können. Foto: Martin Gausmann

Immerhin hat das Land die Soforthilfe gewährt und ausbezahlt, auch wenn das nicht viel mehr ist als ein Tropfen auf den heißen Stein, denn die Fixkosten laufen weiter, insbesondere die Pacht. Stundungen will die Betreiberin derzeit nicht beantragen, auch wenn die Umsatzausfälle nicht mehr aufzuholen sind. „Neben uns leiden auch Bäcker, Metzger und Winzer hier im Ort an den fehlenden Gästen vom Campingplatz“, so Guido Kurzbach. Immerhin 12.000 Übernachtungen kommen hier Jahr für Jahr zusammen.

Noch gravierender ist die Situation in Remagen. Auf dem dortigen Campingplatz können mit knapp 600 Stellplätzen rund viermal so viele Urlauber aufgenommen werden wie in Mayschoß. Und die kaufen alle im fußläufig schnell zu erreichenden Nahversorgungszentrum ein. „Die fehlen jetzt schon“, stellt man im Edeka-Markt Rudolphi fest. Trotz des gestiegenen Umsatzes seit Beginn der Corona-Krise mache es sich deutlich bemerkbar, dass der Campingplatz derzeit keine Menschen beherberge.