Amok-Einsatz in Bornheim: Polizei Bonn übt am Alexander-von-Humboldt-Gymnasium

Alexander-von-Humboldt-Gymnasium : So lief die Amok-Übung der Polizei in Bornheim

Dutzende Polizisten sind am Dienstagmorgen zum Alexander-von-Humboldt-Gymnasium nach Bornheim ausgerückt. An der Schule hat die Bonner Polizei gemeinsam mit Spezialkräften einen Amokeinsatz simuliert.

Der laute Knall ist noch mehrere Straßen entfernt zu hören. Sekunden später steigt Rauch über dem Alexander-von-Humboldt-Gymnasium auf. Es ist Dienstag, kurz nach 10 Uhr. In Bornheim ist irgendetwas passiert. Etwas Schlimmes. Bald steht fest, dass die Schule von mehreren Personen gestürmt wurde. Mehr und mehr Polizeikräfte treffen an der Adenauer-allee ein: Streifenbeamte und schwer bewaffnete Spezialisten. Schüsse sind zu hören. Was geht in dem Schulgebäude vor? Gibt es Verletzte? Handelt es sich um einen Amoklauf? Die Lage ist unübersichtlich, angespannt – aber glücklicherweise nicht wirklich bedrohlich.

Denn das Ganze ist nur eine Übung. Allerdings eine ziemlich realistische. „Wir fahren eine sehr praxisnah angelegte Großübung“, erläutert der Bonner Polizeisprecher Robert Scholten. Organisiert worden sei sie vom Ständigen Stab in Köln (siehe Info-Kasten), sagt er weiter.

Einsatzkräfte der Polizei Bonn kannten Szenario vorab nicht

Für die Bonner Polizei sei das Besondere an der Übung die zeitlich realistische Zusammenarbeit mit den Spezialkräften, so Scholten. Die Einsatzkräfte hätten vorab lediglich gewusst, dass eine Übung stattfindet, das genaue Szenario hätten sie aber nicht gekannt. Polizeisprecher Frank Piontek erläutert ergänzend, dass es dabei um die Einübung von Abläufen, Kommunikation und Koordination gehe. „Die große Herausforderung ist heute ohne jeden Zweifel die Stresssituation, die wir aufbauen werden“, so wiederum Scholten.

Dazu sind das Schulgebäude sowie Teile der Adenauerallee mit rot-weißem Flatterband abgesperrt. Anwohner, darunter die im angrenzenden Wohnstift Beethoven, wurden vorab darüber informiert, dass keine wirkliche Gefahr besteht. Vor Ort passen Polizisten und Mitarbeiter des Bornheimer Ordnungsamts auf, dass sich keine Unbeteiligten in die Übung verirren. Nach und nach bleiben Männer, Frauen und Kinder stehen, um das Schauspiel zu beobachten. Ebenso haben sich Rettungskräfte und Feuerwehrleute in Stellung gebracht. „Auch wir sind Teil der Übungslage“, sagt Christian Diepenseifen, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes im Rhein-Sieg-Kreis.

Bei Übung in Bornheim kommt eine Drohne zum Einsatz

Vonseiten der Polizei sind gut 50 Männer und Frauen im Einsatz. Dazu kommen viele Statisten. Polizisten in Ausbildung spielen Schüler und Lehrer. Einige von ihnen werden im Verlauf der Übung „verletzt“ – natürlich nur simuliert, aber realistisch geschminkt – aus dem Gebäude gebracht. Allerdings kommen sie nicht direkt in Krankenwagen, sondern werden von den Spezialkräften mit Einsatzfahrzeugen zu den Rettern gebracht. Auch das gehört zum Szenario. „Teils werden die Verletzten evakuiert, während mindestens noch ein Täter aktiv ist“, erläutert Scholten.

Das Bornheimer Gymnasium wurde für die Übung ausgewählt, weil es in den Herbstferien verfügbar, aber auch groß und entsprechend unübersichtlich ist. Das steigert die Herausforderung zusätzlich. So kommt auch eine Drohne zum Einsatz. Die kleine Flugmaschine, mit einer Kamera ausgestattet, schwebt über dem Schulgebäude, um den Einsatzkräften bessere Einblicke in den Komplex zu verschaffen. Das hilft natürlich. Am Ende werden „Verletzte“ und Unverletzte aus dem Schulgebäude geholt und die Täter überwältigt.

Fazit zur Amok-Übung in Bornheim fällt positiv aus

Es ist kurz nach 12 Uhr. Die Beteiligten kommen zu einer Blitzbesprechung des Einsatzes, zusammen. Laut Scholten wird die Übung, die aufgrund der Bombendrohung in Köln verspätet gestartet werden musste, noch umfassend nachbereitet. Sein erstes Fazit fällt positiv aus. Der Probeeinsatz sei erfolgreich verlaufen, meint Scholten, ergänzt aber, dass bei den Abläufen auch noch Verbesserungen nötig seien.

Von den Beteiligten fällt die Spannung ab. Dieses Mal war es nur eine Übung – für einen Ernstfall, der hoffentlich niemals eintritt.

Mehr von GA BONN