Terrorszenario am Airport Köln/Bonn: Übung am Flughafen simuliert Anschlag mit Toten

Terrorszenario am Airport Köln/Bonn : Übung am Flughafen simuliert Anschlag mit Toten

Schwer bewaffnete Terroristen stürmen das Terminal 1 des Flughafens Köln/Bonn, schießen um sich. Blut fließt, Menschen sterben. Die Großübung von Polizei und Zoll beinhaltete ein brachiales Gewaltszenario.

Das Szenario anlässlich der bislang größten Anti-Terrorübung auf einem deutschen Flughafen mit über 1000 Teilnehmern hatte es in der Nacht auf Mittwoch in sich: Mehrere schwer bewaffnete Terroristen stürmen gegen 23 Uhr in den mit Komparsen bevölkerten Ankunftsbereich im Terminal 1 des Flughafens Köln/Bonn. Der Terminal war für die Übung komplett für Passagiere und Publikumsverkehr gesperrt worden. Mit automatischen Waffen schossen die Angreifer unter den Augen von Presse und Beobachtern mit Platzpatronen wild um sich. Dabei kannte das Duo keine Gnade: Einige Passanten wurden von den Terroristen förmlich hingerichtet.

Dass es bei der groß angelegtem Übung der Bundespolizei, an der auch zahlreiche Beamte der Kölner Polizei und des Zolls beteiligt waren, Tote gab und viel Blut floss, war gewollt. Die gezielte Tötungsabsicht der Terroristen war sogar integraler Bestandteil der Übung, wie Wolfgang Wurm, Präsident der Bundespolizeidirektion Sankt Augustin erklärte.

Schließlich mangelt es in der jüngeren Vergangenheit nicht an Beispielen für blutige Terroranschläge, die sich gegen wehrlose Menschen gerichtet hatten. Wurm verwies in dem Zusammenhang insbesondere auf den islamistisch motivierten Terroranschlag am 7. Januar 2015 auf die Redaktion der Satirezeitschrift Charlie Hebdo in Paris: Zwei maskierte Täter waren damals mit Sturmgewehren in die Redaktionsräume der Zeitschrift eingedrungen und hatten elf Menschen getötet. Genau dieses brachiale Gewaltszenario, bei dem Angreifer Salven in Menschen schießen, sollte nun Polizei- und Zollbeamte am Kölner Flughafen mit einer extremen Belastungssituation konfrontieren: „Denn es ist etwas anderes, über einen Toten zu sprechen, als einen zu sehen“, so Bundespolizist Wurm.

Ihm kam es in den folgenden Minuten vor allem darauf an, dass eben jene Kräfte das Zusammenspiel bei der Abwehr des Terrorangriffs übten, die ohnehin am Flughafen Dienst tun. Darum war zum ersten Mal auch der Zoll beteiligt, der laut Wurm „integraler Bestandteil der Sicherheitsarchitektur“ vor Ort sei. Nach Aussage von Jens Ahland, Sprecher des Kölner Hauptzollamtes, sind im Bereich Kontrollen am Flughafen rund 130 seiner Kollegen Waffenträger.

Terrorübung am Flughafen Köln/Bonn

Was Wurm freute: Das Zusammenspiel zwischen den drei beteiligten Organisationen klappte bei der ambitionierten Übung. Den Sicherheitskräften war es nach knapp einer Viertelstunde in der wuseligen und unübersichtlichen Situation gelungen, die beide Täter auszuschalten, und dabei auch mit der notwendigen Umsicht vorzugehen. Dazu gehörte, dass sich die Beamten trotz flehender Hilferufe zahlreicher Verletzter erst um die Bereinigung der Lage und die Gewährleistung der Sicherheit kümmerten: „Es hätte ja noch ein zweiter Anschlag folgen können“, gab Fachmann Wurm zu bedenken.

Die Versorgung der zahlreichen Verletzen auf einem abgesperrten Parkplatz von Terminal 1 war unmittelbar anschließend Bestandteil einer zweiten Übung, die unter der Regie des Flughafens stattfand. Beteiligt waren etwa 150 Einsatzkräfte der Flughafen-Feuerwehr, der Kölner Feuerwehr, des THW und der Feuerwehr der Bundeswehr.

Insgesamt probten die rund 1000 Einsatzkräfte vier verschiedene Szenarien. Laut Polizei wurden ähnliche Übungen bereits an sieben Bahnhöfen in ganz Deutschland durchgeführt. Initiator dieser Übungsreihe ist die Bundespolizeiakademie mit Sitz in Lübeck. Ein Novum war die Durchführung einer solchen Übung an einem deutschen Verkehrsflughafen. Hierbei wurde Köln/Bonn aus logistischen Gründen und der direkten Nähe zum Großstandort der Bundespolizei in Sankt Augustin ausgewählt.