Arbeiten am Jugendzentrum in Sankt Augustin gehen in die nächste Runde

Bauprojekt mit Überraschungen : Arbeiten am Jugendzentrum in Sankt Augustin gehen in die nächste Runde

Der Wind bläst durch die noch glaslosen Fenster, die Wände erinnern an manchen Stellen an einen Flickenteppich aus altem Mauerwerk und neuen Steinen. So sieht es auf der Baustellen zum neuen Jugendzentrum aus.

Außer den Grundmauern ist vom Altbau an der Bonner Straße in Mülldorf nicht viel geblieben, seit Ende 2016 der symbolische Startschuss für den Um- und Neubau des Jugendzentrums fiel. Das Gebäude aus dem späten 19. Jahrhundert ist komplett entkernt worden - mit einigen Überraschungen, wie der Erste Beigeordnete der Stadt Sankt Augustin, Rainer Gleß, am Montag bei einem Baustellenbesuch erzählte. "Davor ist man bei der Sanierung eines Altbaus nicht sicher", so Gleß.

Überraschungen gab es bei den Decken. Sie wiesen nicht die Tragfähigkeit auf, die sie haben sollten, und mussten von Grund auf verstärkt werden. Auch das Mauerwerk sei nicht an allen Stellen vernünftig aufgebaut gewesen, sagte der Erste Beigeordnete. "Das hat viel kleinteilige und mühselige Arbeit erfordert." Inzwischen seien diese Arbeiten aber soweit abgeschlossen, nun stehe der Trockenbau an. Wie berichtet, wird der marode Gebäudekomplex in ein multifunktionales Jugendzentrum plus umgewandelt. Ziel ist ein Zentrum für Kinder, Jugendliche, Familien und Kultur mit einem Angebot für Jung und Alt. Dafür wird der Altbau saniert, der Anbau aus den 1960er Jahren wurde abgerissen.

Historische Gebäude sollen erhalten bleiben

An seine Stelle rückt ein dreigeschossiger Neubau. Rund 7,3 Millionen Euro liegen bereit, mit 4,4 Millionen Euro bezuschusst das Land das Projekt auf Grundlage des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts. Es ist ein ausschlaggebender Punkt für die Umsetzung. Denn zuvor scheiterte sie lange an der Finanzierung.Bei den knapp 7,3 Millionen Euro wird es laut Gleß aufgrund der vielen Überraschungen jedoch nicht bleiben. "Es wird zu Mehrbelastungen kommen. Die Größenordnung ist aber noch nicht bezifferbar." Es sei aber tragbar für die Stadt. Dabei stehe die Verwaltung weiter zu der Entscheidung, den Altbau zu sanieren und ihn nicht ebenfalls abzureißen. "Wir haben sehr wenig historische Substanz, deshalb ist es uns wichtig, die historischen Gebäude zu bewahren."

In dem Altbau sei früher das Bürgermeisteramt Menden untergebracht gewesen, ergänzte Gleß. Vom Anbau aus den 1960er Jahren ist hingegen nichts übrig geblieben. 2018 wurde er abgerissen, vergangene Woche sind die Hochbauarbeiten für den Neubau gestartet. Gebaut wird eine Kombination aus Massiv- und Holzbauweise. "Die Teile sind vorgefertigt, kommen mit einem großen Sattelschlepper und werden dann hier aufgestellt", erklärte Projektleiter Jérome Etscheid. Die Energieversorgung ist über eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung vorgesehen.

Neue Zentrum wird mit Freude erwartet

Geplant ist laut Gleß auch,wieder eine Photovoltaikanlage aufs Dach zu setzen. Beim Neubau gab es für die Stadt ebenfalls Überraschungen. So sei auf die Ausschreibung nur ein wertbares Angebot abgegeben worden, sagte Gleß. Dieses sei aber in Ordnung gewesen. Im kommenden Jahr sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Im vergangenen Jahr war noch von einer Fertigstellung 2019 die Rede. Das Jugendzentrum des Vereins zur Förderung der städtischen Jugendeinrichtungen soll im dritten Quartal 2020 aus dem Interimsquartier zurück an die Bonner Straße ziehen, die Kita Casa Lu des Deutschen Kinderschutzbundes im Sommer in den neuen Räumen eröffnen. Auch die Volkshochschule wird Seminarräume beziehen.

Marion Kusserow, Fachdienstleiterin Jugendarbeit, freut sich auf das neue Jugendzentrum. "In den alten Gebäuden konnten aufgrund des fehlenden Brandschutzes viele Dinge nicht mehr stattfinden, wie die Disko oder die Malschule", sagte sie. Mit den neuen Räumen sei das wieder möglich.

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