Deutschlandweite Umfrage: Radfahrer in Sankt Augustin sind unzufrieden

Deutschlandweite Umfrage : Radfahrer in Sankt Augustin sind unzufrieden

Beim ADFC-Fahrradklimatest 2018 liegt die Stadt Sankt Augustin im Mittelfeld. Trotz des Radverkehrskonzept empfinden die Fahrradfahrer damit bisher kaum Verbesserungen.

Kein Fahrradleihsystem, keine geregelte Mitnahme von Fahrrädern im öffentlichen Nahverkehr und kein guter Zustand der Radwege: Die Stadt Sankt Augustin hat in Sachen Fahrradfahren Nachholbedarf. Das hat die Auswertung des Fahrradklimatests 2018 ergeben. Sankt Augustin liegt mit einer Durschnittsnote von 4,1 deutschlandweit im Mittelfeld und schneidet etwas schlechter ab als vergleichbare Städte im Rhein-Sieg-Kreis. Der Fahrradklimatest wird vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) alle zwei Jahre als bundesweite, nicht repräsentative Online-Befragung durchgeführt, die nach der Zufriedenheit der Radfahrer in Deutschland fragt.

Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz der Stadtverwaltung und des ADFC wurden die Ergebnisse am Mittwoch vorgestellt. „Ich hätte gedacht, dass es besser ausfallen würde. Wir haben viel Geld und Ethos in den Radverkehr investiert. Das Thema ist längst in den Fokus unseres Verwaltungshandelns gerückt“, sagte Rainer Gleß, Erster Beigeordneter der Stadt Sankt Augustin.

Denn das Ergebnis fiel enttäuschend aus: Bemängelt hatten die Teilnehmer vor allem, dass ein Radleihsystem fehlt. „Das wird hier in Sankt Augustin offenbar vermisst“, sagte Peter Lorscheid vom ADFC. Laut Gleß führt man gemeinsam mit anderen Kommunen und dem Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) bereits Gespräche über die Einführung von Leihrädern.

Wurzeln und Verschleiß machen Radwege unbefahrbar

Die mangelhafte Kontrolle von Falschparkern auf Radwegen wurde ebenso bemängelt wie ungenügende Ampelschaltungen für Radfahrer und der schlechte Zustand der Radwege. „Die unter anderem durch Wurzelwuchs und Verschleiß fast nicht mehr befahrbaren Radwege an der Siegstraße, der Bonner Straße und der Hennefer Straße verleiden jedem gewillten Radler die Nutzung des Fahrrads“, sagte Ulrich Kalle, Sprecher der Sankt Augustiner ADFC-Ortsgruppe. Es fehle zudem an attraktiven Strecken, die Radfahrer im Alltag sicher und zügig nach Bonn und Siegburg kommen ließen.

Positiv abgeschnitten haben dagegen die gute Erreichbarkeit des Stadtzentrums und die Wegweisung für Radfahrer. Durchschnittlich fiel die Bewertung in der Kategorie Familienfreundlichkeit aus. Besonders auf Gehwegen führen Kinder unsicher, so geht es aus dem Umfrageergebnis hervor.

2017 hatte die Stadt Sankt Augustin ein Radverkehrskonzept verabschiedet. „Natürlich sind die mittel- und langfristigen Maßnahmen noch in Arbeit. Trotzdem finde ich, dass wir große Fortschritte gemacht haben“, sagte Gleß. Beispielhaft nannte er den Bau der Mobilstation am Haltepunkt Zentrum, bei der derzeit 60 von 85 Plätzen vermietet seien. Weitere Stationen in Menden und Hangelar seien in Planung. „Wir haben Hindernisse beseitigt oder Absperrungen verändert, um den Radfahrern ein zügiges Vorankommen zu ermöglichen“, sagte Gleß.

211 Radler haben an der Online-Befragung im vergangenen Herbst teilgenommen. Doppelt so viele wie vor zwei Jahren, bei fast gleicher Bewertung. Während der bundesweite Trend rückläufig ist, bleibt Sankt Augustin stabil. Gleß vermutete hinter der verdoppelten Teilnehmerzahl eine gesteigerte Zahl an Radfahrern. Aus Sicht von ADFC-Sprecher Lorscheid könnte das ein Signal dafür sein, dass der Schuh drückt: Das Radverkehrskonzept komme bei den Betroffenen noch nicht konkret an. Das sei ein Grund dafür, warum sich die Bewertungen nicht zum Besseren verändern. „Wir sehen das als Bestätigung dessen, was wir uns vorgenommen haben“, sagte Gleß.

Mehr von GA BONN