Martin Armknecht aus der Lindenstraße: "Chaos auf Schloss Haversham"

Aus WDR-Serie „Lindenstraße“ : Martin Armknecht auf der Bühne des Rhein-Sieg-Gymnasiums

Am Samstag steht der aus der "Lindenstraße" bekannte Martin Armknecht mit dem Stück "Chaos auf Schloss Haversham" auf der Bühne des Rhein-Sieg-Gymnasiums in Sankt Augustin. Im Interview verrät der Schauspieler, warum die Serie "Lindenstraße" für ihn besonders war.

Improvisation ist gefragt, Humor wird versprochen. Am Samstag, 28. September, 20 Uhr, steht der aus der WDR-Serie "Lindenstraße" und dem Kinofilm "Manta, Manta" bekannte Martin Armknecht mit sechs Schauspieler-Kollegen und dem Stück "Chaos auf Schloss Haversham" auf der Bühne des Rhein-Sieg-Gymnasiums. Im Gespräch mit Susanne Haase-Mühlbauer verriet der Schauspieler, was das Theaterstück für ihn ausmacht, warum die Serie "Lindenstraße" für ihn besonders war und wie er mit dem Shitstorm nach dem schwulen Kuss mit Schauspieler-Kollege Georg Ücker dreißig Jahre danach umgeht.

Sie sind am Samstag mit einem Stück in Sankt Augustin, bei dem es laut Ankündigung um Slapstick und Situationskomik geht und weniger um die Handlung. Wie darf man sich das vorstellen?

Martin Armknecht: Es handelt ja von einem Kriminalstück, das eine Laien-Theatertruppe aufführen will. Und dabei läuft einfach alles schief, was schieflaufen kann. Das macht die Komik aus.

Was darf einem Schauspieler denn nie passieren?

Armknecht: Das fängt bei Texthängern an und geht über das Bühnenbild, das nicht stabil ist, und alle möglichen Pannen, die man nie erleben will.

Die Darsteller sind also auch improvisatorisch gefordert?

Armknecht: Absolut. Gerade in den Anfangsmonologen ist Improvisation gefragt. Aber es hat damit auch viel Lebensrealität, und das macht das Stück so spannend.

Sie sind unter anderem durch die WDR-Serie "Lindenstraße" und den Kinofilm "Manta Manta" einer größeren Öffentlichkeit bekannt geworden und haben über 100 Film- und Serienrollen in den vergangenen 30 Jahren gespielt. Wo sehen Sie selber Ihre Mitte? Auf der Theater- oder auf der Fernsehbühne?

Armknecht: In der Mischung. Gerade dieses Jahr ist es wieder so, dass ich Gastrollen in Fernsehserien spiele, daneben zwei Theaterrollen habe und immer wieder neu und anders gefordert bin. Am schönsten ist es, wenn es verschieden ist. Mal gehe ich ans Meer, mal aufs Matterhorn.

Und bei Ihren Rollen erfüllen Sie ja diese riesige Bandbreite: der Schwule, der Fiesling, der Held. Welche Rolle stellt die größte Herausforderung dar?

Armknecht: Immer die nächste. Die Rolle, die man gerade spielen soll, ist die größte Herausforderung. Jede ist mir wichtig.

Ihr Buch "Ich war das Schwein der Lindenstraße" ist ja in diesem Jahr erschienen. Ist es nach 30 Jahren ein Schlussstrich unter den Shitstorm, den der schwule Kuss mit Georg Ücker alias Carsten Flöter 1990 nach sich zog?

Armknecht: Nein, so wollte ich es nicht verstanden wissen. Ich bin der "Lindenstraße" und Regisseur Hans W. Geißendörfer dankbar, dass ich dabei sein durfte, auch wenn ich damals aufs Übelste beschimpft und angefeindet wurde für diesen Fernseh-Kuss. Das Buch entstand aus dem Gefühl heraus, dass man mit Ende 50 ruhig schon mal beruflich zurückschauen darf. Ich erzähle ganz viel vom Schauspieler-Dasein und mache eine Zeitreise, schaue auf die Anfänge und tue dies auch durchaus mit Humor und Dankbarkeit.

Die "Lindenstraße" geht aber nun leider zu Ende.

Armknecht: Es ist sehr schade, dass die Serie, die mit ihrem Blick in die bundesdeutsche Gesellschaft in den 1980ern und 1990ern regelmäßig acht bis zwölf Millionen Zuschauer vor den Fernseher gezogen hat, den Schritt in die neue Zeit nicht geschafft hat. Meiner Ansicht nach ist sie mit ihrem Blick in die Gesellschaft museal-würdig. Damals war sie einzigartig, heute geht sie in der Fülle von beliebigen Soaps leider unter. Ich habe der "Lindenstraße" viel zu verdanken. Ohne sie wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin.

Was hat denn die schwule Kuss-Szene, die zu einer der meist diskutierten Szenen der "Lindenstraße" wurde, bewirkt?

Armknecht: Für mich als Hetero war es eine Szene, die ich wie jede andere Kuss-Szene spielte. Aber es war ein Tabubruch. Von Schwulen habe ich später gehört, dass sie mir dankbar waren, dass ich den schwulen Mann nicht, wie damals üblich, als Tunte oder Karikatur eines Mannes dargestellt habe. Das hat im positiven Sinne mehr Akzeptanz und Respekt gegenüber Homosexuellen bewirkt. Dass ich auch angefeindet wurde dafür, war für mich ein Kompliment. Es ist doch schön, wenn ein Schauspieler eine Rolle so spielt, dass er glaubwürdig ist.

Am Samstag müssen Sie dann ja in der Rolle eines Laien-Schauspielers glaubwürdig rüberkommen. Darf man dabei auch eine tiefere Botschaft erwarten?

Armknecht: Na ja, die tiefere Botschaft liegt in der Komik. Ich bin überzeugt: Man sollte nicht alles so ernst nehmen. Das Theaterpublikum, das eine seriöse Aufführung mit Genügsamkeit erwartet und in der Pause seinen Sekt trinkt, langweilt sich nicht selten, weil die Aufführung zu perfekt und zu geschliffen war. Mir gefällt dieses Stück gerade deshalb gut, weil es diese Genügsamkeit direkt zu Beginn aufbricht. Das Publikum darf sich von Anfang an unterhalten fühlen.

Sie sind seit vergangener Woche auf Deutschland-Tournee mit dem Stück. Am Samstag kommen Sie nach Sankt Augustin. Waren Sie dort schon einmal?

Armknecht: Ich komme ja aus Köln und bin dort schon auf Tournee gewesen. Oft gehe ich in der Gegend auch mit meinem Hund spazieren. Und vor dem Auftritt gehe ich dort bestimmt mit meiner Freundin noch etwas essen.

Martin Armknecht ist mit dem Stück "Chaos auf Schloss Haversham" am Samstag, 28. September, ab 20 Uhr im Rhein-Sieg-Gymnasium, Hubert-Minz-Straße 20 in Sankt Augustin, zu erleben. Karten zum Preis von 21,80 Euro, 19,60 Euro, 16,30 Euro gibt es in allen Bonnticket-Vorverkaufsstellen, an der Abendkasse oder unter ga-bonn.de/tickets. Infos unter www.sankt-augustin.de oder nach E-Mail an kulturamt@sankt-augustin.de

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