Zwei Liebesgeschichten: Alex Capus liest und erzählt in Sankt Augustin

Zwei Liebesgeschichten : Alex Capus liest und erzählt in Sankt Augustin

Der in Frankreich geborene und in der Schweiz lebende Autor stellt in der Sankt Augustiner Bücherstube seinen Roman „Königskinder“ vor.

Während der Verkaufsraum der Bücherstube Sankt Augustin bereits gut gefüllt ist und immer mehr Leute reinströmen, entschließt sich Autor Alex Capus zu einem entspannten Interview an der frischen Luft. Es ist noch relativ warm, die Abenddämmerung setzt ein. Am Himmel steht ein gelber Heißluftballon. Der Vorreiter zu diesem Luftfahrzeug wird später in Alex Capus Roman noch eine wichtige Rolle spielen. Vor allem für die Protagonistin.

Jakob und Marie sind die Hauptfiguren in der Novelle „Königskinder“. Doch was macht die beiden eigentlich aus? „Die Hauptdarsteller sind für viele Jahre getrennt, aber vergessen sich nicht“, erklärt der Autor. „Das ist nicht selbstverständlich, vor allem in der heutigen Zeit.“ Seine Geschichte spielt auch in den unruhigen Zeiten des späten 18. Jahrhunderts. Alex Capus sieht aber große Parallelen zum heutigen Zeitgeschehen. „Das war eine Epoche des Zeitenwandels. Die Französische Revolution und die Zeit der Aufklärung waren in vollem Gange. Wir leben heute auch in einer Epoche des Zeitenwandels. Viele ahnen bereits, dass sich etwas ändern wird.“

"Es wäre komisch, wenn ich nur vorlesen würde"

Wenige Minuten vor Beginn der Lesung sind alle Plätze im Zuschauerraum besetzt. Zu Beginn erklärt der Autor direkt seine Vorgehensweise an diesem Abend: „Das Buch erzählt eine Geschichte über jemanden, der jemandem eine Geschichte erzählt. Es wäre komisch, wenn ich nur vorlesen würde. Daher mache ich das hauptsächlich frei.“ Trotzdem beginnt er mit der Geschichte von Max und Tina, die in der heutigen Zeit spielt. Die beiden sind schon ewig zusammen, haben mehrere Kinder. Das jüngste Kind ist in die Lehre gegangen, und die beiden fahren mit dem Auto eine Passstraße in der Schweiz entlang. Dass sie gesperrt ist, kümmert die beiden kaum. Doch es kommt, wie es kommen muss. Es beginnt zu schneien. Irgendwann geht es nicht mehr weiter. Und die beiden sitzen im Auto fest. Ohne Handyempfang. Was soll man da bloß tun? Max beschließt, Tina eine Geschichte zu erzählen, die auf einem alten Volkslied basiert. Dem Lied über „Pauvre Jacques“ – das Lied des armen Jakob.

Natürlich kann er es seiner lieben Frau nicht einfach in einem Fluss durcherzählen. Das gestaltet sich bei Tina relativ schwierig, denn sie will immer alles ganz genau wissen. Zum Beispiel, was Marie genau getan hat, als sie und Jakob ihren ersten intensiven Blick ausgetauscht haben? Oder wie genau der Hund aussieht, der sie seit Jahren treu begleitet? Max kennt das schon und liefert seiner Frau die passenden Details.

Der Leser erlebt hier zwei Liebesgeschichten. Eine moderne und eine aus längst vergangener Zeit. Alex Capus unterhält das Publikum dabei nicht nur mit seiner Geschichte, sondern auch mit interessanten Anekdoten aus seinem Leben.