Diskussion über Neubauten: Hangelarer wollen Orts-Charakter erhalten

Diskussion über Neubauten : Hangelarer wollen Orts-Charakter erhalten

Bei einem CDU-Bürgerdialog zur baulichen Weiterentwicklung des Hangelarer Ortskerns wird eines deutlich: Die Bewohner wollen den Charakter des Ortskerns durch einen Bebauungsplan vor unpassender, wuchtiger oder mediokrer Architektur geschützt wissen.

Nach den Diskussionen um verschiedene Neubauprojekte in Hangelar will die CDU die Aufstellung eines Bebauungsplanes für den Ortskern auf den Weg bringen. Zwischen den beiden „Schein-Kreisverkehren“ an der Josef-Menne- und der Richthofen-Straße, der Straßenbahnlinie 66 und der Bundesstraße 56 soll ein Bebauungsplan, der ausdrücklich im Dialog mit Bürgern entstehen soll, als Leitlinie für zukünftige Bauvorhaben gelten. Das kündigte CDU-Ratsmann Georg Schell am Donnerstagabend bei einem Bürgerdialog im Haus der Nachbarschaft an.

Auslöser jüngster Diskussionen ist der geplante Abriss des Sterzenbach-Fachwerkhauses an der Kölnstraße sowie der geplante Neubau eines deutlich größeren Wohn- und Geschäftshauses an gleicher Stelle. Pläne, die nun umgesetzt werden, teilte Uwe Trübenbach, Fachbereichsleiter Stadtplanung und Bauordnung, seitens der Verwaltung den 50 Zuhörern mit: „Es wurde eine genaue Untersuchung des Fachwerkhauses gemacht, es kann kein Denkmal werden.“ Die ersten Entwürfe des Investors seien bei Höhe und Fassadengestaltung „entschärft“ worden, anschließend sei der Entwurf zweimal im zuständigen Ausschuss beraten und auch durch die Presse vorgestellt worden, erinnerte Trübenbach: „Es gibt jetzt eine Bauvoranfrage, die positiv beschieden wurde, und der Bauantrag liegt vor. Auch der Bauantrag wird genehmigt werden.“

Rettungsvorschlag für das Sterzenbach-Haus

Die Reaktionen im Raum reichten von Empörung bis Zustimmung. Ein Teil der Anwesenden sieht das Fachwerkhaus als unbedingt erhaltenswert an – eine Aussage, die auch der Denkmalpflegeplan der Stadt teilt. Hildegard Schell aus Niederpleis hat daher Unterschriften gesammelt: „Überall heißt es im Denkmalpflegeplan, dass das historisch Gewachsene und Ortsbildprägende erhalten werden soll.“

Auch André Klein, Eigentümer eines Fachwerkhauses an der Kölnstraße, schloss sich an: „Der Plan an sich ist toll, aber er ist rechtlich nicht das Papier wert und ich verstehe nicht, warum die darin enthaltenen Empfehlungen einfach ignoriert werden.“ Für das Sterzenbach-Haus habe er einen Rettungsvorschlag: „Das Haus, das dort steht, ist eine Zweitverwertung – es hat schon einmal an anderer Stelle gestanden. Das war früher durchaus üblich, weil Baustoffe rar waren. Es gibt jemanden hier aus Hangelar, der das Haus erhalten, fachmännisch abbauen und an anderer Stelle neu aufbauen will.“

Bei zunehmendem Verkehr wird es eng

Ein Vorschlag, der nahezu einstimmig mit Applaus begrüßt wurde. Denn: Auch die Befürworter des Neubauprojekts, die eine Weiterentwicklung des Ortskerns und neuen Wohnraum begrüßen, finden das alte Häuschen grundsätzlich schön. „Das Haus ist optisch fantastisch“, kommentierte auch Dieter Bendowski, „aber an der Stelle ist es zu eng und es passt auch nicht mehr auf die heutige Kölnstraße.“

Insbesondere die Enge bei zunehmendem Straßenverkehr sei ein Problem, meinten auch andere Bürger im Raum. Zustimmung ernteten auch jene, die den Charakter des Ortskerns durch einen Bebauungsplan vor unpassender, wuchtiger oder mediokrer Architektur geschützt wissen wollten. Hier meldete sich Klaus Hudel, früherer technischer Beigeordneter der Stadt, zu Wort: In den 80er Jahren habe man – auch als Reaktion auf das sogenannte Halm-Haus mit der Udetpassage – einen städtebaulichen Entwurf für das Ortszentrum von Hangelar beschlossen.

Dieser Plan sei nun nicht berücksichtigt und auch die Politik nicht über die alten Pläne informiert worden, betonte Hudel und monierte, es gebe durchaus Möglichkeiten, Bauvorhaben unpassender Größe zu verhindern: „Man hätte den Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan fassen und eine Veränderungssperre schaffen können, um dieses Vorhaben zu verhindern.“

Umso wichtiger sei es nun, entsprechende Vorgaben zu formulieren, so der Tenor im Raum. Der Bebauungsplan soll kommen, aber, wie der einladende CDU-Ratsmann ergänzte, „das wird ein langer Prozess.“

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