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Kinderstadt: Eine Reise zurück ins Mittelalter in Sankt Augustin

Kinderstadt : Eine Reise zurück ins Mittelalter in Sankt Augustin

Bereits zum sechsten Mal findet das Ferienprojekt „Klein Augustin“ statt. Dabei vergnügen sich in diesen Sommerferien bis zu 120 Kinder im Alter von sieben bis 13 Jahren im Feriendorf .

Laute Kinderstimmen dringen durch die Tore des Abenteuerspielplatzes Anker. Wer die Tore durchschreitet, begibt sich auf eine Zeitreise: Ziel ist das Mittelalter. Seit Montag vergnügen sich 120 Kinder im Alter von sieben bis 13 Jahren beim Mittelalter-Ferienprojekt „Klein Augustin“ des Vereins zur Förderung der städtischen Jugendeinrichtungen in Sankt Augustin.

Wie beliebt das Projekt ist, zeigt die hohe Nachfrage. „Bereits nach zwei Tagen waren die Plätze restlos ausgebucht“, erzählt Mitarbeiterin Sarah Roßbach. Fünf Tage lang können die Kinder jeweils von 9.30 bis 16.30 Uhr die spannende Welt des Mittelalters kennenlernen, zum Ritter geschlagen oder gar zum König oder zur Königin ernannt werden.

Nach der morgendlichen Vollversammlung, auf der das Tagesprogramm vorgestellt wird, können die Kinder in einem der vielen verschiedenen Gewerke wie der Bäckerei, der Schmiede, beim Drechsler oder beim Friseur arbeiten und sich Taler verdienen. Der Stundenlohn in „Klein Augustin“ beträgt drei Taler.

Davon können sich die jungen Handwerker Dinge wie frisch über dem Feuer gebackene Pfannkuchen kaufen, oder aber sie bringen die Taler zur Bank. „Mein Geld gebe ich nicht auf die Bank“, sagt die neunjährige Alina bestimmend und zeigt auf ihr prall gefülltes Säckchen mit Talern, welches sie am einem selbst gemachten Gürtel mit sich trägt. Angesichts der Tatsache, dass erst kürzlich die Bank überfallen wurde, scheint ihr das Säckchen ein besserer Aufbewahrungsort zu sein. Die Räuber konnten allerdings bereits kurz nach der Tat gefasst und von König Joachim bestraft werden.

Der zwölfjährige König hat am ersten Tag des Ferienprojekts beim Würfeln die höchste Zahl gewürfelt und wurde zusammen mit seiner Königin Clara gekrönt. Beide teilen sich die Burg mit den königlichen Beratern. In den vornehmen Räumlichkeiten nimmt seine Hoheit Beschwerden an, erlässt Gesetze und bestimmt das Strafmaß für Vergehen und Delikte. Auch die Bankräuber wurden dort zur Rechenschaft gezogen und mit einer „Taler-Strafe“ belegt.

Bewacht wird das Königspaar von zahlreichen Rittern. Mit Morgenstern, Schwertern und Schildern kontrollieren diese Ein- und Ausgang der Burg. Ihre Waffen haben die Beschützer alle selbst gemacht und individuell gestaltet. Wer in der Werkstatt in „Klein Augustin“ ein Schwert herstellen will, muss indes erst einmal im Besitz eines gültigen Waffenscheins sein. Und dieser muss rechtmäßig im Kampf erworben werden. Zu der Ritterausrüstung gehört auch die passende Kleidung, die in der Schneiderei direkt neben der Waffenwerkstatt angefertigt werden kann.

Trotz sorgfältiger Organisation und Planung: Mit einer Attraktion haben weder die Betreuer noch die Kinder gerechnet. Eine in „Klein Augustin“ lebende Henne hat unerwartet sechs dunkle, flauschige Küken ausgebrütet. Der achtjährige Max hat eins der Küken umgehend auf den Namen „Max“ getauft und lässt seinen Namensvetter kaum aus den Augen, während er an seinem Lieblingsgewerk Pfannkuchen backt oder Kartoffelsuppe über dem offenen Feuer kocht.

Viele Kinder kommen jedes Jahr in das Feriendorf, so wie die 13-jährige Elli, die schon beim allerersten Kinderdorf dabei war. Dieses Jahr wird vorerst ihr letztes Jahr in „Klein Augustin“ sein, mit 14 Jahren ist sie im nächsten Sommer zu alt, um an dem Projekt teilzunehmen. Aber sie hofft darauf, dass sie mit 16 Jahren als Aushilfe an einem der Gewerke anfangen darf und so ein Teil der „Klein-Augustin-Familie“ bleiben kann.