GA-Serie Augustiner Köpfe: Junger Konzertmeister aus Sankt Augustin

GA-Serie Augustiner Köpfe : Junger Konzertmeister aus Sankt Augustin

Alexander Muthmann aus Sankt Augustin ist seit drei Jahren Konzertmeister beim Kammerorchester Stringendo. Geige spielt er seit er vier Jahre alt ist.

„Der große Traum ist und bleibt natürlich das Musikstudium.“ Mit vier Jahren begann die Liebe zur Geige, die Alexander Muthmann noch heute eine Auszeit vom Alltag verschafft. Gerade wenn er sich mit seinem Orchester auf ein Konzert vorbereitet, müsse er anschließend erst einmal wieder in die Realität zurückkehren. „Das ist ein komplettes Abschalten.“ Sein Orchester, wie er es liebevoll bezeichnet, ist das Kammerorchester Stringendo Sankt Augustin. „Das ist meine zweite Familie“. Und das nun schon zehn Jahre.

Angefangen hat die Geschichte des Orchesters für den Großteil der heute 17 Jugendlichen bei den Streicherzwergen. Diese Gruppe hatte Orchesterleiterin Christiane Kraus damals in der städtischen Musikschule als Fachbereichsleiterin und Musiklehrerin eingerichtet. Nach den Streicherzwergen folgte das Kinder- und Jugendorchester, später dann das eigene Nachwuchsorchester. Auch wenn Christiane Kraus bereits in Rente ist, leitet sie weiterhin Stringendo und coacht ihre früheren Schüler. Von daher selbstverständlich, dass die Musiker sich heute „blind verstehen“, sagt Alexander Muthmann. „Wenn man sich so gut kennt, weiß man, was der andere macht.“ Gerade er als Konzertmeister ist auf das Miteinander angewiesen, um während des Spielens die Jugendlichen vom ersten Pult aus anzuleiten.

Neben Konzerten und Auftritten in Sankt Augustin reiste das Orchester auch nach England zum „WOW-Festival“. Aktuell bereiten sie sich auf den Landesorchesterwettbewerb 2019 vor, und 2020 steht der Bundeswettbewerb in Bonn an. Dazu gibt es neben den regelmäßigen Proben auch ganze Proben-Wochenenden, die die Jugendlichen in einer Jugendherberge in der Umgebung verbringen. Sechs Stunden wird dann täglich geprobt. „Da freuen sich alle unbändig darauf, weil wir uns viel zu wenig sehen.“ Früher gab es sogar meistens eine Nachtwanderung – heute genießen sie eher das Zusammensein. Da die meisten Mitglieder im Alter zwischen 13 und 24 Jahren sind, kämpfen sie zurzeit mit Abitur, Ausbildung oder Studium.

Geige hat ihn immer begleitet

Alexander Muthmann steckt momentan in der Prüfung zum Pharmazeutisch-Technischen Assistenten (PTA), denn „etwas Sinnvolles“ beruflich zu lernen war ihm wichtig. Gerade seine Eltern legten viel Wert darauf, dass er nicht alles auf die Musik ausrichtet. „Meine Eltern sind beide Musiker. Von daher hatte ich keine andere Wahl“, scherzt der Sohn. Doch muss er zugeben: „Sie haben mich eher davon abgehalten, aber es kam wie ein Bumerang zurück.“ Denn: Das Musikstudium nach der abgeschlossenen Ausbildung bleibt weiterhin Thema und versuchen will er die Aufnahmeprüfung an der Hochschule für Alte Musik in Bremen unbedingt. Nebenbei ist der 21-Jährige auch noch Bremen-Fan und fühlt sich dort sehr wohl. In den kommenden Jahren hat er also einige Ziele, aber auch persönlich möchte er dann auch einiges erreicht haben.

„Ich bin Transgender, medizinisch habe ich einiges vor mir.“ Letztes Jahr hat er sich geoutet – sehr zur Erleichterung von Familie und Freunde, die die Auseinandersetzung mit seiner Person mitbekamen. Demnach sei die Kindheit nicht immer einfach gewesen. „Ich hatte eine unschöne Schulzeit aufgrund der körperlichen Veränderungen.“ In Sankt Augustin aufgewachsen, besuchte er erst die Grundschule Sankt Martin in Mülldorf und anschließend das Albert-Einstein-Gymnasium.

Dabei begleitete ihn immer seine Geige. „Das ist ein sehr zeitintensives Hobby“, sagt Muthmann. Ein Hobby, welches allerdings auch bei seinen Eltern sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Seine Mutter spielt Oboe, Blockflöte und unterrichtet musikalische Früherziehung. Sein Vater, bekannt als ehemaliger Kantor der Evangelischen Kirchengemeinde Mülldorf und Niederpleis, spielt Geige und Orgel. Neben seiner Tätigkeit als Musiklehrer in Köln-Zündorf „tourt er singend durch die Lande“. Familiärer Höhepunkt war im Frühjahr ein Konzert in Solingen, aber „zeitlich kommen wir leider nicht so oft übereinander“, weiß Alexander Muthmann. Trotzdem genießt er den familiären Austausch – nicht nur in musikalischer Hinsicht.

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