Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft: Hochschulen stoppen Kooperation mit Schweinehochhaus

Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft : Hochschulen stoppen Kooperation mit Schweinehochhaus

Die Uni Bonn und die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg setzen ihre Zusammenarbeit mit einem Zuchtbetrieb aus, der Schweine auf sechs Etagen hält. Tierschützer haben mit versteckter Kamera dokumentiert, wie dort Tiere gequält werden.

Michiel Taken ist seit kurzem Preisträger. Ob er sich über die Auszeichnung freut, ist allerdings fraglich: Der Verein Deutsches Tierschutzbüro zeichnete den niederländischen Schweinezüchter als größten Tierquäler 2018 aus. Den „Preis der Herzlosigkeit“ habe er sich mit seinem „Schweinehochhaus“ verdient. So nennt das Büro einen mehrstöckigen Plattenbau in Maasdorf bei Halle an der Saale aus DDR-Zeiten, in dem die von Taken geleitete HET GmbH heute Schweine züchtet.

Hinweise der Tierschutzorganisation hätten die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau zu Ermittlungen gegen die HET GmbH bewegt, heißt es in einer Mittlung des Büros. Der Grund: Verstöße gegen das Tierschutzgesetz. „Seit Jahren herrschen in der Anlage tierquälerische Zustände, und Michiel Taken hat offenbar bis heute keine Anstalten gemacht, etwas daran im Wohle der Tiere zu ändern“, schreibt das Büro.

Dass Ermittlungen gegen das von Taken geführte Unternehmen laufen, bestätigt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft auf GA-Anfrage. Zum Inhalt könne er sich nicht äußern. Wegen der Ermittlungen lassen die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (H-BRS) und die Universität Bonn ihre Kooperation mit HET beim Projekt „Roiporq – Alternative Schweine“ ruhen.

Fleisch neuer Züchtung sollte ganz anders sein

Die Projektleitung liegt bei der Hochschule. Neben HET ist daran auch die von Taken geleitete Genesus Deutschland GmbH beteiligt, die sich ebenfalls mit Schweinezucht befasst. „Ich kann bestätigen, dass die Zusammenarbeit mit den Unternehmen HET und Genesus ruht“, sagt die Pressesprecherin der H-BRS, Eva Tritschler, auf Nachfrage. „Roiporq“ sei das einzige betroffene Projekt.

Ziel ist es, eine spezielle Schweinekreuzung auf ihre Markteignung zu testen, die sich sowohl für konventionelle als auch ökologische Mast eignet. Bei der Aufzucht soll kein Antibiotikum zum Einsatz kommen; auch soll auf Eingriffe wie Kastration und Zähneschleifen verzichtet werden.

Das Fleisch dieser Kreuzung soll sich beim Verzehr deutlich von normalem Schweinefleisch unterscheiden. Die übergeordnete Frage lautet daher, ob Verbraucher eine veränderte Fleischqualität akzeptieren würden. „Roiporq“ startete im Januar 2017 und sollte noch bis Dezember 2019 laufen. Zu den Geldgebern gehören die Europäische Kommission und der Europäische Landwirtschaftsfonds unter Beteiligung des Landes NRW.

Aufnahmen zeigen Misshandlung von Schweinen

In die Auswahl der Kooperationspartner waren laut Tritschler „viele Akteure“ eingebunden. Für die Gutachter sei „vor allem auch das Projektziel für die Auswahl entscheidend“. Als das Projekt entwickelt wurde, seien HET und Genesus zudem die einzigen Unternehmen in Europa gewesen, die über die nötige „Genetik“ verfügt hätten. Im März 2018 hat das Tierschutzbüro Strafanzeige gegen den Betreiber der Zuchtanlage in Maasdorf gestellt.

Die Grundlage dafür waren versteckte Aufnahmen der Tierschützer im Gebäude, in dem Schweine auf sechs Etagen gehalten werden. Diese Bauweise sei in Deutschland einzigartig, schreibt das Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt in einem Bericht. Auf mehr als 500 Stunden Videomaterial dokumentierte das Tierschutzbüro, wie Sauen mit Gewalt zum Aufstehen gezwungen und verletzt werden, wie Ferkel während und nach der Geburt allein gelassen und wie sie auf den Boden geschmettert werden.

In einem Interview mit der Mitteldeutschen Zeitung, versicherte Taken 2014, dass im „Schweinehochhaus“ alle Vorschriften eingehalten würden. Im April dieses Jahres ließ HET über eine Potsdamer Anwaltskanzlei mitteilen, dass der Betrieb modernisiert würde und weniger Schweine beherbergen solle. „Sollte ein Weg gefunden werden, der sich auch wirtschaftlich darstellen lässt, wird so bald wie möglich mit der Rekonstruktion begonnen“, heißt es in der Erklärung. Eine Anfrage des GA beantwortete Taken nicht.

Die ersten Aufnahmen des Tierschutzbüros aus der Anlage zeigten Sauen in Käfigen, in denen sie sich nicht umdrehen oder ausstrecken konnten. Der Vereinsvorsitzende Jan Peifer machte sie 2013 und veröffentlichte sie 2015. Tritschler sagte: „Die vom Tierschutzbüro angezeigten Verstöße gegen das Tierschutzgesetz waren uns vorher nicht bekannt.“ Trotzdem zeige der Fall, dass die Auswahl zukünftiger Projektpartner seitens der Hochschule gegebenenfalls einer kritischeren Überprüfung unterzogen werden müsse.

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