Gotteshaus in Ahrweiler: Fernsehübertragung lockt zahlreiche Gläubige in Kirche

Gotteshaus in Ahrweiler : Fernsehübertragung lockt zahlreiche Gläubige in Kirche

Die Predigt kommt live ins Wohnzimmer: Ein Fernsehgottesdienst lockt zahlreiche Gläubige in die Ahrweiler Pfarrkirche Sankt Laurentius. Das ZDF übertrug den Kirchenbesuch der etwas anderen Art live.

Über zu wenig Gottesdienstteilnehmer konnten sich Dechant Jörg Meyrer und sein Pastoralteam am Sonntag in der Ahrweiler Sankt-Laurentius-Kirche nicht beschweren. Nicht nur das Hauptschiff saß voll mit Gläubigen, über das ZDF nahmen zusätzlich Tausende Fernsehzuschauer am Hochamt teil.

Dementsprechend wurde aus der ältesten Hallenkirche links des Rheins ein Fernsehstudio mit professioneller Ausleuchtung und mehreren Kameras. Bereits drei Tage vorher hatten die Fernsehleute die Kirche in eine große Baustelle verwandelt. Vor dem Gottesdienst gab Lukas Hebig von der Katholischen Fernseharbeit einige Regieanweisungen: Man wolle "den rheinischen Katholizismus in das Wohnzimmer bringen". Um die Sendezeit von 44 Minuten und 30 Sekunden genau einhalten zu können, würde die Kommunion abgebrochen, aber nach der Messe nachgeholt. Auch wenn der Ton in der Kirche eventuell leiser wäre als sonst, sollten alle "freundlich mitfeiern".

Diese Einladung nahmen die Gläubigen gerne an und sangen und beteten lautstark mit. Meyrer verriet in seiner Begrüßung, dass die Generalprobe "etwas zu lang" geraten sei. Nach Einsingen und kurzem Gebet nahmen dann Messdiener, Priester und Laien Aufstellung im hinteren Teil der Kirche - nach dem Glockensignal ging es los.

Der Gottesdienst verlief wie am Schnürchen. Als Moderatorin erklärte Theresa Appel Ahrweiler Besonderheiten wie die Kinderkirche im angrenzenden Emmaus-Saal oder die Einladung an die Gläubigen, zum Hochgebet in den Altarraum zu treten. "Wir freuen uns, dass Sie mit uns feiern", lächelte Meyrer in Kameras und Kirchenraum. Der Besuch des Fernsehens zum 750. Jubiläum "macht uns hier in Ahrweiler sehr stolz."

Predigt über die Zachäus-Perikope

In seiner Predigt über die Zachäus-Perikope aus dem Lukasevangelium machte der Dechant Abgrenzungen auf drei Ebenen aus. Jesus begegne im Evangelium der Abgrenzung, die der Zöllner Zachäus erfährt, mit einer Selbsteinladung. An den Krisenherden der Welt würden Gewalt, Krieg und Heimatlosigkeit herrschen. Mit Blick auf die Kirche stellte er die Frage in den Raum, wie diese mit Menschen umgehe, die nicht in das eigene Schema von Normalität passen. "Es lässt mir keine Ruhe, wenn sich zwischen sie und Jesus die Kirche dazwischen stellt."

"Ich entdecke bei Jesus nichts von Abgrenzung", fuhr der Geistliche fort. "Gott, der Freund des Lebens will Gemeinschaft." Die Predigt schloss mit einem Gebet um Kraft zur eigenen Veränderung. Für die Fernsehzuschauer gab Gemeindereferentin Beate Timpe eine zuvor aufgezeichnete kurze Kommunionmediation am neugotischen Kreuzalter im linken Seitenschiff. Währenddessen war Meyrer schon zum Segen an den Altar zurückgekehrt. Der Gottesdienst schloss mit Jubiläumshymne und Kindersegnung. Nach der nachgeholten Kommunion hieß es schnell die Kirche verlassen, da Sankt-Laurentius zum Abbau wieder zur Baustelle wurde. Ein ebenso erleichtertes wie stolzes Pastoralteam lud anschließend zum Empfang in die Zehntscheuer ein.

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