SWB in Bonn: Stadtwerke hören sich Kummer ihrer Fahrgäste an

Tuchfühlung mit den Kunden : Stadtwerke-Chefs stellen sich ihren Fahrgästen in Bonn

Wer in Bonn mit Bus und Bahn fährt, ist Kummer gewohnt. Die Stadtwerke haben sich dem Kummer ihrer Fahrgäste nun gestellt - und sich die Beschwerden an wichtigen Knotenpunkten vor Ort angehört.

Die Stadtwerke (SWB)  gehen auf Tuchfühlung mit den Fahrgästen: Am Montag haben die Geschäftsführerin von SWB Bus und Bahn,  Anja Wenmakers, ihr Kollege Hansjörg Spielhoff und Mitglieder des Aufsichtsrats, flankiert von weiteren Mitarbeitern der SWB, an wichtigen Nahverkehrsdrehkreuzen wie Bertha-von-Suttner-Platz, Hauptbahnhof, Beueler Bahnhof und Konrad-Adenauer-Platz Informationsstände aufgebaut, um mit Pendlern ins Gespräch zu kommen. Einen Handwärmer gab es obendrein für die kalte Jahreszeit.

Mit der Offensive am frühen Morgen, die sich am Nachmittag zur Hauptverkehrszeit wiederholte und am Donnerstag fortgesetzt werden soll, verfolgen die Stadtwerke das Ziel, in „einen Dialog auf Augenhöhe“ einzutreten und sich über die „Probleme und Ärgernisse unserer Kunden zu informieren“, wie Wenmakers erklärte. Zu früher Stunde, wenn die Pendler zur Arbeit eilen, war es zumindest am Bertha-von-Suttner-Platz nicht einfach, längere Gespräche zu führen. Und doch blieb der ein oder andere stehen und plauderte über die eigenen Erfahrungen. Eine Kundin beklagte zwar Unzuverlässigkeiten auf der Stadtbahnlinie 66, auch durch defekte Türen. „Doch oft können Sie natürlich auch nichts dafür, wenn die Staus auf der Straße zu Verspätungen der Bahn führen“, sagte sie zu Wenmakers.

Der Sankt Augustiner Ulrich Kalle, der als Mobilitätsmanager tätig ist, sieht den Zustand des Nahverkehrs in Bonn und Rhein-Sieg-Kreis kritisch: Auf den Linien 16 und 66 gebe es große Probleme. Auch die Sauberkeit und die Barrierefreiheit ließen in den renovierten Stadtbahnen, die auf altem Chassis fahren, zu wünschen übrig. „In der Summe ist das für viele Fahrgäste nicht mehr akzeptabel“, kritisierte Kalle.

Ein anderer Pendler muss zwei Busausfälle auf Linien in Richtung  Venusberg hinnehmen und versucht nun seinen Weg mit der Bahn fortzusetzen, um einen Arzttermin wahrnehmen zu können. SWB-Marketingleiter Jürgen Winterwerp ruft ihm zu, er könne die Mobilitätsgarantie der Stadtwerke in Anspruch nehmen. Das bedeutet: Bei mehr als 20 Minuten Verspätung greift sie, die Pendler können mit dem Taxi fahren und sich die Kosten erstatten lassen.

Wenmakers nutzt die Aktion auch, um den Fahrgästen die aktuelle Situation bei Bus und Bahn zu erklären. Dabei ging sie auch auf die Hintergründe für den Personalmangel ein, der sukzessive bis Anfang des Jahres so behoben sein soll, dass die Fahrleistung wieder stimmt – wenn keine Krankheitswelle wieder für Ausfälle sorgt. „Die zusätzlichen Fahrer, die seit Anfang Dezember auf der Strecke sind, haben schon für Entlastung gesorgt.“

In den vergangenen zwei Jahren seien 200 Fahrerinnen und Fahrer eingestellt worden, 80 verließen das Unternehmen, die meisten gingen in den Ruhestand. Derzeit nähere sich die Fahrleistung den 98 Prozent, zwei Prozent der Fahrten von Bus und Bahn fallen also aus oder haben so hohe Verspätungen, dass sie als ausfallend gelten.

Im August nach dem Fahrplanwechsel habe die erbrachte Fahrleistung bei 94 Prozent gelegen. Die in Zweiterstellung produzierten Stadtbahnen bekämen neue Türschließsysteme, 128 Türen seien bereits umgerüstet. Und sie betont, die Politik sei gefragt, den Nahverkehr mit Blick auf Baustellen, Staus und Falschparker auf wichtigen Strecken zu bevorrechtigen.

Die SWB-Aufsichtsräte aus der Kommunalpolitik, Ludwig Burgsmüller (CDU), Gabi Mayer (SPD) und Rolf Beu (Grüne) haben sich an der Aktion ebenfalls beteiligt. Mayer und Beu sagten anschließend, sie befürworteten das Zugehen auf die Fahrgäste. Es bleibe Aufgabe des Verkehrsbetriebs und der Politik,  die Leistung des öffentlichen Nahverkehrs zu verbessern.