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Große Immobilie in Bonn: Gut Melb in Ippendorf verfällt seit vier Jahren

Große Immobilie in Bonn : Gut Melb in Ippendorf verfällt seit vier Jahren

Seit 2016 stehen weite Teile der Hofanlage auf Gut Melb leer. Aktuelle Pläne seitens der Stadt gibt es derzeit nicht. Unterdessen sucht die Universität für ihre Imkerei einen neuen Standort.

„Ja, es ist eine traurige Geschichte“, sagt Imkermeister Dete Papendieck. Aus seiner Sicht sei es ein viel zu voreiliger Entschluss der Bonner Universität gewesen, den idyllisch im Melbtal gelegenen Gutshof zu verlassen. Seit 2016 steht das Anwesen leer. Aktuelle Pläne seitens der Stadt gibt es derzeit nicht.

„Auf Anhieb kommen jedem Besucher Ideen“, war bereits nach einem Jahr Leerstand im GA zu lesen, was man aus dem Landsitz machen könnte. Die Vorschläge reichen vom romantischen Hotel über einen naturnahen Pferdehof bis zur Schaffung von dringend benötigtem Wohnraum. Platz gibt es auf etwa 5000 Quadratmetern in der 17 Häuser umfassenden Hofanlage. Doch schon vor drei Jahren schüttelte Rolf Paulus, zuständig für das Objektmanagement der Hochschulen beim landeseigenen Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB), den Kopf. Das sei schwierig bis unmöglich hieß es schon damals. Auflagen aus dem Landschafts-, Natur- und Denkmalschutz würden den Entwicklungsmöglichkeiten des Guts mit seinen 311.000 Quadratmetern Fläche inklusive Park, Wald, Wiesen und Bach enge Grenzen setzen.

Auf eine Anfrage des GA beim Bonner Presseamt lässt Isabel Klotz wissen, dass die Stadt zurzeit keine Pläne für die Nutzung, den Verkauf oder eine Sanierung von Gut Melb habe. „Grundsätzlich ist die Stadt aber sehr daran interessiert, dass das Denkmal – derzeit in Zuständigkeit bei der Bezirksregierung – wieder einer Nutzung zugeführt wird.“

Es habe einen Interessenten gegeben, der dort eine Einrichtung zur Förderung der biologischen Vielfalt (Biodiversität) unterbringen wollte. Die Untere Denkmalbehörde (UDB) befürworte eine erneute Kontaktaufnahme, sagt Klotz. „Aus denkmalfachlicher Sicht ist ein Großnutzer notwendig, um möglichst eine Ausparzellierung von Flächen zu vermeiden.“ Der UDB läge auch eine etwa ein Jahr alte Privatanfrage vor. Doch Konkreteres gebe es derzeit nicht zu benennen, so die offizielle Auskunft der Stadt.

Insgesamt 17 Häuser gibt es, die zusammen auf etwa 5000 Quadratmetern Platz für eine Nutzung bieten. Hohe Auflagen, beispielsweise beim Denkmalschutz, schränken die Möglichkeit zu Gestaltung aber ein. Foto: Stefan Hermes

Mehr als fünf Jahre hatte sich Botanik-Professor Maximilian Weigend während seiner Zeit als Vorsitzender des Bonner Biodiversitätsnetzwerks (Bion) um das Gut Melb als Standort des Vereins bemüht. „Eine offizielle Absage hat es nie gegeben“, sagt er heute. „Bion hat keine Mittel und kann daher aktuell kein Sekretariat finanzieren oder Miete bezahlen“, sagt sein Kollege und Bion-Nachfolger Wolfgang Wägele vom Museum Koenig. Das könne sich jedoch ändern, wenn die Mitgliederversammlung des Vereins beschließt, Mitgliedsbeiträge zu zahlen. Durch die Corona-Krise seien jedoch derzeit Versammlungen und Diskussionsveranstaltungen nicht möglich, weshalb die Bion-Pläne vorerst ruhten. „Gut Melb wäre in der Tat ein guter Standort, wir behalten es im Blick.“

Aktuell nutze sein Netzwerk die Fläche für Biodiversitätsforschung, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt werde. „Der Mietvertrag mit der Universität läuft unbefristet und ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht gekündigt“, lautet die Auskunft des vermietenden BLB dazu.

Die Erklärung, warum die Bonner Universität immer noch Mieter von Gut Melb ist, liefert Sprecher Andreas Archut übrigens mit der Tatsache, dass sich Gut Melb derzeit noch in Teilnutzung durch die Universität befinde. Man sei derzeit bemüht, eine alternative Unterbringung für die Lehr- und Versuchsimkerei zu finden, die kaum 150 Meter entfernt von der Gutshofanlage in einem dafür in den 1950er Jahren errichteten Gebäude am Melbweg untergebracht ist.

„Solange dies nicht geschehen ist, kann die Gesamtanlage nicht abgemietet werden.“ Wann das soweit sein werde, sei noch unklar, so Archut. „Vor zwei Jahren hieß es mal, das ich hier sofort raus müsste. Da ist aber nichts draus geworden“, sagt Papendieck dazu. Er wohnt und arbeitet in dem Haus, das einem Verkauf der über 31 Hektar großen Liegenschaft im Wege steht. In dem Anwesen ist neben der Dienstwohnung des Imkermeisters auch der Vortragsraum für Lehrveranstaltungen untergebracht. In einem Nebengebäude finden Bienenaufzucht, -forschung und Honigverarbeitung statt.

Zu der universitären Imkerei gehören rund 100 Bienenvölker, von denen etwa die Hälfte im Bereich von Gut Melb aufgestellt sind. Deren Umzug dürfte nicht ganz unproblematisch sein. „Es ist nur eine Frage der Zeit“, sagt der Imker, „wenn man mit Bienenvölkern in die Nähe von Wohngebieten kommt, dass die Bewohner von heut‘ auf morgen wegen Bienengiftallergien klagen.“

Seit er vor etwa einem Jahr auf eine Anfrage der Universität hin den Bedarf für einen Umzug der Lehrimkerei aufgelistet hatte, habe er zum Thema einer Umsiedlung nichts mehr gehört. „Mein Vorschlag war schon immer, unsere Parzelle aus dem Verkauf von Gut Melb rauszunehmen, aber der BLB will ja alles am liebsten an einem Stück verkaufen“, sagt Papendieck. „Dabei haben wir hier den idealen Platz.“ Schon seit längerem zögere er zudem anzumerken, dass ein Elektriker kommen müsste oder Reparaturarbeiten fällig wären. „Man weiß eben einfach nicht, was hier passieren soll.“

Auf unserem Storytelling-Blog kann man in alten Fabriken auf Spurensuche gehen.