Zusatztermin: Kabarettistische Rheinfahrt: Eine ziemlich diffizile Geschichte

Zusatztermin: Kabarettistische Rheinfahrt : Eine ziemlich diffizile Geschichte

Das Verhältnis zwischen Preußen und Rheinländern kann und muss als diffizil betrachtet werden. Weil die Herrschaften aus dem Rechtsrheinischen dem Protestantismus anhängen; weil sie hierzulande ganz und gar unrheinische Tugenden wie Pünktlichkeit, Sparsamkeit (auch mit Worten) und Ordnungssinn zu etablieren versuchten und dergleichen Gründe mehr.

Das birgt Diskussionsstoff. Genug, um für gut drei Stunden mit Fritz Litzmann alias Rainer Pause - seines Zeichens Alterspräsident des Heimatvereins Rhenania - und dem Kölner Journalisten, Fremdenführer, Kabarettisten und Rheinland-Historiker Martin Stankowski in See zu stechen.

Die Route führt von der Anlegestelle Bundeshaus bis kurz vor die Kennedy-Brücke und dann stramm aufwärts bis nach Unkel. Stets eine Handbreit Wasser unterm Kiel. Bei hochsommerlichem Niedrigwasser ist da der eine oder andere Schlenker mit inbegriffen. Rheinischer könnte die Fahrt also kaum sein.

Nichtsdestotrotz mag Litzmann an Bord der MS Anja vom Mosern und Stänkern gegen die Borussen nicht lassen; anfangs noch etwas zurückhaltend, um in Teil zwei und drei schließlich die von ihm zu Land gewohnte Fahrt aufzunehmen und seinem "Kontrahenten" aus dem Sauerland die Bälle zuzuspielen. Das Ganze erinnert mitunter ein wenig an die Volksfront von Judäa in Monty Pythons "Leben des Brian": Abgesehen von Eisenbahn und Düngemittel, Feuerversicherung oder Schulpflicht - was haben die Preußen je für uns getan?

Etwas mehr als dem eloquenten Lokalpatrioten lieb sein dürfte, wie Stankowski ihm beweist. Denn das mit dem rheinischen Widerstand gegen die preußische Besatzung war alles in allem nicht so berühmt, und der Karneval geht auf die Erfindung eines preußischen Offiziers zurück.

Doch eines muss zu guter Letzt selbst Litzmann konstatieren: Ohne die anfangs französischen und später preußischen Uniformen gingen die Funken doch Session um Session einher wie der Kaiser in seinen neuen Kleidern. Also: Was haben die Preußen je für uns getan?

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