Bonner Sammlung steht zur Versteigerung: Impressionen von Rhein, Sieg und Eifel

Bonner Sammlung steht zur Versteigerung : Impressionen von Rhein, Sieg und Eifel

Wie einst Johann Wilhelm Schirmer, Gründer der Landschaftsklasse an der Düsseldorfer Kunstakademie, hatte auch der junge Fritz von Wille (1860 - 1941) in der herben Landschaft der Eifel Motivsuche betrieben.

Er wurde - weit mehr noch als sein Stil prägendes Vorbild - derart fündig, dass er bald zu dem "Eifelmaler" schlechthin heranreifte und nun seinerseits nachfolgende Malergenerationen inspirierte. Einer seiner Kollegen, der sich selbst als Schüler von Willes verstand, war Carl Nonn (1876-1949).

Er wiederum entwickelte sich mit seinen zahlreichen Bonner Ansichten und Rheinbildern zum "Haus- und Hofmaler" in unserer Stadt. Neben etlichen anderen bilden nun vor allem diese beiden Maler den Schwerpunkt der für den 4. und 5. September im Auktionshaus Plückbaum angesetzten Versteigerung. Insgesamt kommt die stattliche Anzahl von rund 200 Ölgemälden mit Eifel- und Rheinmotiven aus einer zielstrebig und geradezu leidenschaftlich zusammengetragenen Bonner Kollektion zum Aufruf, und dies zu moderaten Mindestpreisen zwischen 100 und 2000 Euro.

Offenbar hegte Fritz von Wille eine Vorliebe für den gelben Ginster, den er immer wieder vor unterschiedlichen Landschaftskulissen leuchten ließ. Gewiss wird es dem Kaufinteressenten nicht leicht fallen, sich zwischen der eher kargen Landschaft des "Blühenden Ginsters in der Eifel" und dem heiteren "Blick auf das Weinfelder Maar" zu entscheiden. Hier besticht das Blau des Maars, das in Nuancen an das unverwechselbare "Schirmer-Blau" erinnert.

Maximilian Klein von Diepold (1873-1949) setzte in seiner harmonisch komponierten, in die Tiefe gestaffelten Landschaft "Nürburg in der Eifel" den Farbkontrast des Ginsters ganz in den Vordergrund. Die Malerkollegen Wilhelm Dagode (1862-1931) und Peter Paul Müller-Werlau (1867-1949) haben sich für die hochsommerlichen Motive der "Mohnblüte in der Eifel (bei Rockeskyll?)" und eines "Mohnfeldes vor Eifeldorf" entschieden. Beide haben die roten Blütenfelder nach der Art des Impressionismus auf die Leinwände getupft.

Wie sehr sich Jahreszeiten auf das Kolorit der Gemälde auswirken, kann man an Müller-Werlaus "Blick auf Drachenfels und Rolandsbogen" und Carl Nonns "Der Rhein bei Rolandseck" nachprüfen. Lebt das eine Bild von den zarten Blau-Grün-Tönen des Frühjahrs, so wird das andere von der Glut des Herbstlaubs dominiert - und nicht nur dies: Müller-Werlau verleiht dem Drachenfels, Nonn dagegen dem Rolandsbogen das größere Gewicht - je nach links- oder rechtsrheinischem Standort der Staffelei.

Im Gemälde "An der Sieg" beschwört Carl Nonn den Hochsommer. Ein sanfter Dunst liegt über den silbrigen Pappeln, die das Ufer des trägen Flusses säumen. Drei kleine Knaben, die Söhne des Malers, baden darin. Sonst jedoch führt Carl Nonn sein Publikum nach Bonn und damit abermals in eine andere Jahreszeit.

Sein Gemälde "Winterabend, der alte Endenicher Bach" lässt unter trübem Himmel und vor laublosen Kopfweiden die Kälte erahnen. Nach dem Bekunden eines Sohnes hat er auch im Winter vor dem Motiv gemalt. "Wenn ich Schnee male, reicht meine Palette nicht aus; so viele Mischungen von Weiß sind nötig ...", hat er notiert. Gelungen sind ihm die "Farbunterschiede des Schnees" sehr wohl. Von stadtgeschichtlicher Bedeutung erweist sich Nonns Gemälde "Die alte Bonner Rheinbrücke". Als die Brücke 1889 erbaut wurde, erreichte sie die größte Spannweite in ganz Europa. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs wurde das Meisterwerk der Ingenieurskunst zerstört.

Auktionshaus Plückbaum, Bonn, Hohe Straße 75. Die Auktion findet am 4. und 5. September statt. Vorbesichtigung: Freitag, 28. August, bis Mittwoch, 2. September, 10-18 Uhr (auch Sonntag geöffnet); Donnerstag, 3. September, 10-14 Uhr. Der Katalog steht ab 21. August online unter www.plueckbaum.de

Mehr von GA BONN