Neuauflage von Roger Waters' "Amused To Death": Die Zukunft ist kein Ponyhof

Neuauflage von Roger Waters' "Amused To Death" : Die Zukunft ist kein Ponyhof

Roger Waters blickte in die Zukunft und, wir schreiben das Jahr 1992, kam zu der deprimierenden Erkenntnis: "This species has amused itself to death / Amused itself to death / Amused itself to death."

Im Titelsong seines 1992 erstmals erschienenen Albums "Amused To Death" nahm Waters, ehemals Mitglied der Band Pink Floyd, Erkenntnisse des amerikanischen Medienwissenschaftlers Neil Postman (1931-2003) auf.

Dessen Buch "Amusing Ourselves To Death" (deutscher Titel: "Wir amüsieren uns zu Tode. Urteilsbildung im Zeitalter der Unterhaltungsindustrie") aus dem Jahr 1985 zeichnete ein skeptisches Bild des Fernsehzeitalters.

Seine Ideen verpackte Postman in einprägsamen Sätzen. "Unser Fernsehapparat sichert uns eine ständige Verbindung zur Welt, er tut dies allerdings mit einem durch nichts zu erschütternden Lächeln auf dem Gesicht. Problematisch am Fernsehen ist nicht, dass es uns unterhaltsame Themen präsentiert, problematisch ist, dass es jedes Thema als Unterhaltung präsentiert", schrieb er. Und, ganz plakativ: "Fernsehen wurde nicht für Idioten erschaffen - es erzeugt sie."

In den 30 Jahre danach hat sich die Medienwelt weiterentwickelt, ausdifferenziert, zuletzt, Steve Jobs sei Dank, revolutioniert. Postmans wissenschaftliche und Waters' musikalische Anmerkungen haben nichts von ihrer Relevanz verloren, im Gegenteil. "Die Kritik, die ich vor mehr als 20 Jahren mit meinem Album äußerte, hat heute leider immer noch Gültigkeit", hat Roger Waters festgestellt. "Wahrscheinlich ist es 2015 sogar noch wichtiger, sich die Probleme zu vergegenwärtigen als damals im Jahr 1992." Wer sich die Probleme, die auf Waters' Album thematisiert werden, auf höchstem Klangniveau vergegenwärtigen will, dem sei die 2015er Edition des Albums empfohlen: Es ist wie neu geboren, remastered von James Guthrie, erhältlich als CD, Blu-ray Audio, Doppel-LP und digitaler Download.

Waters ging mit ungeheurem Ehrgeiz zu Werke, schuf bezaubernd zarte sowie bombastische, den Hörer überwältigende Soundstrukturen, montierte Monolog- und Dialogfetzen in seine Songs. Großartige Musiker und Sänger brachten sich ein: Jeff Beck, Andy Fairweather Low, Graham Broad, Luis Conte und Pat Leonard, Don Henley (zu hören auf "It's A Miracle"), Rita Coolidge (Amused To Death"), P.P. Arnold ("Perfect Sense Part I" und "Perfect Sense Part II") sowie Michael Kamen, der für Orchester-Arrangements zuständig war.

Der hypnotischen Wirkung der Musik kann sich der Hörer nicht entziehen. Die harmonische Perfektion kontrastiert häufig mit der abgründigen Poesie der Liedtexte. Das trifft insbesondere auf "Late Home Tonight, Part I" und "Late Home Tonight, Part II" zu. Ein Bomberpilot empfindet die Schönheit der Fliegerei und des Militärdienstes ("No questions only orders"). Kornett und die Streicher des National Philharmonic Orchestra Limited steigern das Wohlempfinden des Piloten zur Apotheose des Krieges, den das Fernsehpublikum zu Hause genießen kann. Der US-Pilot, muss man wissen, ist auf dem Weg nach Libyen, um Bomben abzuwerfen. Mögen Kinder sterben - "it'll look great on TV". So weit, stellt Waters mit spürbarer Traurigkeit fest, ist die Menschheit gekommen.

Roger Waters: Amused To Death. CD, Blu-ray Audio, Doppel-LP und digitaler Download. Columbia/Legacy/Sony Music.

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