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Kommentar zu Arbeitsbedingungen: Vielleicht eine Zeitenwende

Kommentar zu Arbeitsbedingungen : Vielleicht eine Zeitenwende

Die Corona-Krise bringt eine Liste von gesellschaftlichen Fehlentwicklungen an den Tag. Die Ausbeutung von Arbeitskräften sollte nicht hingenommen werden, kommentiert unser Autor.

Die aktuelle Krise bringt eine lange Liste von gesellschaftlichen Fehlentwicklungen an den Tag. Sie beginnt bei unterbezahlten Pflegekräften und wirtschaftlich bedrohten Existenzen, führt über Abhängigkeiten von der Produktion notwendiger Arzneien zu Fragen der Gerechtigkeit und Moral. Eine Folge davon ist eine hohe Sensibilität für Missstände. Das ist gut so, vielleicht auch eine Zeitenwende. Denn daraus erwächst eine Chance, die Welt etwas besser zu machen.

Lange Zeit haben Verbraucher die bekannten Zustände in den Fleischfabriken hingenommen. Die Kritik daran befasste sich vornehmlich mit der Aufzucht der Schlachttiere. Seit dem Skandal bei Tönnies rückt die Frage in den Mittelpunkt, wie viel Ausbeutung wir für niedrige Fleischpreise hinnehmen wollen. Der öffentliche Druck auf eine Veränderung der Branche scheint zu wirken. Die Bundesregierung will der Ausbeutung einen Riegel vorschieben.

Doch sollte es dabei nicht bleiben. Auch die Ausbeutung von Arbeitskräften in anderen Ländern sollte nicht tatenlos hingenommen werden. Wenn Kinder auf Plantagen schuften müssen oder Reis-Bauern und Ananas-Pflückerinnen trotz Arbeit hungern müssen, hat das auch etwas mit dem Preiskampf der hiesigen Supermarktketten zu tun. Der Handel könnte auf die Zustände in den Erzeugerländern einwirken. Der Discounter Lidl ist ein gutes Beispiel dafür, Edeka ein schlechtes. Auch hier sollte notfalls gesetzlich dafür gesorgt werden, dass der Handel sich der Verantwortung für menschliche Arbeitsbedingungen stellt.