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Supermarktcheck 2020: Hilfsorganisation Oxfam analysiert Supermärkte

„Längst nicht gut genug“ : So kümmern sich Supermärkte um Mitarbeiter und Produzenten

Die Hilfsorganisation Oxfam analysiert, wie gut sich große Lebensmittelketten um Mitarbeiter, ihre Produzenten und Lieferanten kümmern: Lidl bessert sich, Edeka nicht.

Menschen werden ausgebeutet, es geht vor allem ums Geld. Das zeigt sich beim Schlachtriesen Tönnies in der Corona-Krise deutlich. Nur: Auch die deutschen Supermärkte sind zu wenig für die Leute da, die für gefüllte Regale sorgen. Jene, die Bananen, Erdbeeren, Tee ernten, alles verarbeiten, liefern. Das ist das Ergebnis des Supermarktchecks 2020, den die internationale Hilfsorganisation Oxfam an diesem Donnerstag veröffentlicht. Dieser Zeitung lag er vorab vor.

„Die Supermärkte kümmern sich etwas mehr um ihre Leute, aber längst nicht gut genug“, kritisiert Oxfam-Expertin Franziska Humbert. Alle voran drücke Edeka sich vor seiner Verantwortung. Sie fordert die Bundesregierung auf, per Gesetz „endlich gegenzusteuern“.

Humbert und ihre Leute haben die Geschäftspolitik von 16 der größten Supermärkte in Deutschland, in den USA, Großbritannien und in den Niederlanden analysiert – wie in den vergangenen drei Jahren auch schon. Sie haben die Webseiten der Unternehmen durchforstet, öffentlich zugängliche Quellen ausgewertet.

Entscheidende Fragen: Suchen die Manager in Deutschland ihre Bananenlieferanten in Süd- und Zentralamerika nur danach aus, wie niedrig ihr Preis ist? Oder schließen sie solche aus, die ihren Pflückern einen Hungerlohn zahlen, sie ohne Schutz mit Spritzmitteln hantieren lassen, ihnen keine vernünftigen Arbeitsbedingungen garantieren? Fördern sie kleine bäuerliche Betriebe und schützen sie Frauen vor Diskriminierungen, auch in Deutschland?

Ergebnis: Lidl hat einen Sprung nach vorne gemacht – und statt wie im vergangenen nur neun jetzt 32 Prozent der Gesamtpunktzahl geholt. Aldi Süd und Rewe haben einiges verbessert und 25 Prozent erreicht. Aldi Nord kommt auf 18 Prozent. Edeka landet mit mageren drei Prozent auf dem letzten Platz, auch international.

Edeka erklärte dieser Zeitung, dass es sich beim Supermarktcheck „nicht um eine objektive Studie handele“, weil nur die Außendarstellung und nicht das „wirkliche Engagement“ bewertet werde. Sie nähmen die Einhaltung der Menschenrechte „sehr ernst“. So importiere Edeka beispielsweise die Hälfte der in Deutschland verkauften Fair-Trade-Rosen, arbeite auch mit dem Umweltverband WWF zusammen.

Bei der Zusammenarbeit mit dem WWF gehe es „in erster Linie um Umweltaspekte“, meint Humbert. Die seien „zweifelsohne wichtig. Die menschenrechtliche Verantwortung ist jedoch ebenso zentral“. Und weiter verteidigt sie die Analyse: „Edeka hat anders als seine Konkurrenten im Januar diesen Jahres eine Vereinbarung, in den globalen Lieferketten für existenzsichernde Löhne zu sorgen, nicht unterschrieben. Einen Menschenrechtsbeauftragten hat Edeka auch nicht.“

Das Problem: „Im deutschen Lebensmitteleinzelhandel“, so steht in dem Supermarktcheck, „halten die Schwarzgruppe (Lidl und Kaufland), Aldi, Rewe und Edeka 85 Prozent der Marktanteile.“ Die Konzerne hätten so die „Macht, ihren Lieferanten Preise und Konditionen zum eigenen Vorteil zu diktieren.“

Für die deutschen Lebensmittelketten zählt das Image günstig zu sein in jedem Fall viel. Das zeigen allein verschiedene Werbekampagnen in den vergangenen Monaten. Kaum warb Edeka in einem Film: „Ihr Süßen, jetzt streichen wir mal wieder die Preise“, legten Aldi Nord und Süd nach. Sie dichteten den Hit „Ice Ice Baby“ in „Preis Preis Baby“ um, ließen im Video dazu zwei Gangs antreten, eins von Aldi Nord, eins von Aldi Süd, die sich am Ende einigen, dass beide billig seien: „Yo, beide cheap. Let’s check it!“

Nur, sagt Franziska Humbert: „Für diesen knallharten Preiswettbewerb zahlen andere, die Produzenten und Lieferanten.“