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Veranstaltungen abgesagt: So geht es den Geschäften in Hangelar in der Corona-Krise

Veranstaltungen abgesagt : So geht es den Geschäften in Hangelar in der Corona-Krise

Der Werbekreis hat das Hangelarer Spektakel und andere Veranstaltungen abgesagt. Wochenlang blieben die meisten Läden zu. Wie sich die Geschäfte an der Hangelarer „Kö“ in der Corona-Pandemie behaupten.

Keine Lichternacht, kein Hangelarer Spektakel, weitere Events noch unklar: Die Corona-Pandemie hat auch den Werbekreis Hangelar hart getroffen. Vor dem Hintergrund der Planungsunsicherheit und des Verbots von Großveranstaltungen hatte der Verein als Zusammenschluss und Sprachrohr der Hangelarer Geschäftswelt bereits Ende April das Spektakel abgesagt, sagt der Vorsitzende Peter Schell.

„Es war allen Mitgliedern klar, dass niemand sicher sagen kann, was uns die nächsten Monate bringen werden. Insofern ist die Absage unkompliziert und unaufgeregt erfolgt.“

Lieferdienste von Restaurants und Geschäften

Ideen für alternative Veranstaltungen oder Kampagnen wolle der Verein im Juli besprechen, so Schell: „Im Moment sind ohnehin alle Unternehmen dabei, an der Bewältigung der Corona-Krise zu arbeiten.“

Die zeige in Hangelar ganz unterschiedliche Auswirkungen, so Natascha Brecht-Kalus. Einige Betriebe durften geöffnet bleiben und boten, wie die meisten Restaurants, einen Lieferdienst an. Der Ortsvorsteher und Bürgervereinsvorsitzende Wilfried Schwab pflegte eine aktuelle Liste der Angebote, die im Internet und in den Schaufenstern der Geschäfte zu sehen war.

Hefte wurden auch fürs Homeschooling gebraucht

Brecht-Kalus, die in Hangelar ein Lotto- und Zeitschriftengeschäft betreibt, durfte als Grundversorger im Lockdown öffnen. „Seit den Lockerungen ist die Stimmung im Ort allerdings zweigeteilt: Bei den einen laufen die Geschäfte super an, bei den anderen dafür umso schlechter“, ist ihre Erfahrung.

Christine Picko, Eigentümerin eines Schreibwarengeschäfts, berichtet: „Schulsachen gingen genau so gut wie in den Vormonaten, weil auch im Homeschooling Hefte und Bücher benötigt wurden.“

Knapp sechs Wochen geschlossen war dagegen die Modeboutique Hautnah von Brigitte Morgen­schweis. In der ersten Woche nach Wiedereröffnung sei der Andrang der Kunden groß gewesen, danach sei es wieder etwas ruhiger geworden.

Morgenschweis hatte ihre langjährigen Kunden über einen Lieferdienst mit Kleidung versorgt, „aber es ist doch klar, dass kein Geschäft das aufarbeiten kann, was in der Zeit verloren gegangen ist. Und jetzt kommt auch noch die Urlaubszeit“, zieht sie Bilanz. „Ich will aber nicht zu laut klagen, weil es viele gibt, denen es deutlich schlechter ergeht.“ Denn die Geschäfte an der Kölnstraße, der „Hangelarer Kö“, durften vor den großen Einkaufszentren öffnen.

Auch Juristen haben weniger zu tun

Doch selbst Angehörige vermeintlich krisensicherer Berufe wie Juristen haben die Krise voll zu spüren bekommen, sagt die Rechtsanwältin und Wochenmarkt-Organisatorin Birgit Carl.

„Mein erster Gerichtstermin im Februar war in Heinsberg und wurde nach dem Corona-Ausbruch sofort abgesagt. Dann folgten binnen einer Woche die Absagen der Termine für März und April, weil die Gerichte in den Notbetrieb gegangen sind.“

Ein Umsatzeinbruch von rund 75 Prozent sei die Folge gewesen – auch, „weil die Leute zu Hause geblieben, nicht zu schnell Auto gefahren sind, es kaum Einbrüche und weniger Streit gab. Die Menschen verhalten sich in der Krise vorsichtiger und sind mit sich selbst beschäftigt. Da legt man sich nicht so schnell mit dem Chef oder jemand anderem an.“