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Wachtberg-Niederbachem: Einwohner schreibt Buch über den Jakobsweg

Pilgern für die Seele : Niederbachemer schreibt Pilger-Buch über den Jakobsweg

Die spirituellen Seiten des Pilgerns bring Walter Töpner künftigen Jakobsweg-Pilgern näher. Dabei lenkt er den Blick auf Dinge, die die Sprache des Geheimnisvollen sprechen.

„Der Weg nach Santiago wird nicht nur mit den Füßen, sondern vor allem mit der Seele bewältigt.“ Das schreibt Walter Töpner in seinem neuesten Buch über den Jakobsweg, den er zwischen 1988 und 1996 in Etappen beschritten hat. „Magische Momente am Jakobsweg“ ist daher auch kein Pilgerführer. Denn davon, so der Vorsitzende des Heimatvereins Niederbachem, gebe es schon etliche.

„Ich wollte mich bewusst abheben“, betont der 73-Jährige, der in seinem Buch eher die spirituellen denn die touristischen Seiten der Strecke von den Pyrenäen nach Santiago de Compostela in den Vordergrund stellt. Darüber hinaus vergleicht er immer wieder die heutige Pilgersituation mit der etwa in mittelalterlichen Zeiten, damit der Leser einen Blick und ein Gefühl dafür bekommt, was links und rechts des eigentlichen, landschaftlich meist eintönigen Pilgerweges zu finden ist. Denn eins, so Töpner, drohe heute immer weiter in den Hintergrund zu geraten: „Der Jakobsweg ist vor allem ein Pilgerweg und keine kulturelle oder politische Attraktion.“

Walter Töpner beleuchtet auch die Rolle der Templer

Seine Eindrücke hat er in seinem Tagebuch festgehalten, das er akribisch Tag für Tag aktualisiert hat. Dadurch, dass er die Strecke in vielen Einzeletappen gegangen ist, hatte er Zeit, vom Weg abzuweichen, Wegmarken zu finden, die „die Sprache des Geheimnisvollen“ sprechen. Er geht auf heilige Orte ein, auf Kapellen und Kirchen, auf die Grabstätten von Mönchen wie Santo Domingo, der das Pilgern auf diesem Weg erleichtert hat, indem er Brücken über unwegsame Abschnitte bauen ließ.

Töpner beleuchtet die Rolle der Templer, die Niederlassungen entlang des Weges hatten und diesen überwachten, erwähnt aber auch die Schlachtfelder, auf denen Mauren und Christen Blut vergossen haben. Er lässt andere Pilger zu Wort kommen – Atheisten, Krebskranke, arbeitslose Manager, einen Belgier, der sich seinen vielen Phobien stellen wollte –, denn das Miteinander in den Herbergen war ihm ebenso wichtig wie der Weg.

In der Einleitung schreibt er einen „Brief an einen unbekannten Pilger“, in dem er ankündigt: „In der Monotonie der Ebenen, immer den endlosen Horizont vor Augen, erlebst du eine Weitung deines inneren Sehens und Verstehens.“ Man mache eine Wandlung durch, die er selbst erlebt habe. „Ich bin als Wanderer aufgebrochen und als Pilger angekommen.“ Er sei nicht aus religiösen Motiven, sondern aus Neugier gestartet, wollte in die Welt der Pilger schnuppern. Und kam zu der Erkenntnis: „Das ist mehr als ein Weg, man muss sich damit beschäftigen und auseinandersetzen.“ Und sich Fragen stellen: Was treibt mich an, wie prägt der Weg den Pilger, bin ich der physischen Herausforderung gewachsen?

Der Autor hat beim Pilgern viel über sich gelernt

Das alles behandelt der ehemalige Ministerialdirigent im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in seinem insgesamt vierten Buch über den Jakobsweg. Das erste behandelte die deutschen, Nummer zwei und drei die französischen Strecken. Das Werk über den spanischen Abschnitt, der sich landschaftlich, aber auch logistisch mit einem gut ausgebauten Herbergssystem von den anderen unterscheidet, rundet das nun ab.

Was hat Töpner selbst aus der Pilgerei mitgenommen? „Ich habe viel über mich gelernt“, sagt der Autor. „Geduld zu üben, Ausdauer zu haben.“ Und dass er mit ganz wenig auskommen kann, wenn viel Unnötiges den Rucksack schwer macht. „Die Einfachheit, die einen der Weg lehrt, ist eine ganz wichtige Botschaft in der heutigen Zeit des Überflusses.“

„Magische Momente am Jakobsweg. Von Landschaften und Menschen am Camino de Santiago“ ist im Paulinus Verlag erschienen, ISBN: 978-3-7902-1968-5.