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Meckenheimer Praxis bleibt bestehen: Hausärztin findet geeigneten Nachfolger nach langer Suche

Meckenheimer Praxis bleibt bestehen : Hausärztin findet geeigneten Nachfolger nach langer Suche

Die Meckenheimer Ärztin Gudrun Mieth geht in den Ruhestand und übergibt ihre Praxis an Erik Czypionka.

Besonders in Zeiten von Corona wird deutlich, wie wichtig ärztliche Versorgung werden kann. Die Nachwuchsprobleme unter den Medizinern in ländlichen Gebieten sind weithin bekannt. Im Februar bahnte sich mangels Nachfolger auch in Meckenheim die Schließung einer Hausarztpraxis an. Die ist nun abgewendet, weil Gudrun Mieth mit Erik Czypionka einen Nachfolger gefunden hat. „Wir hatten die Datenübergabe an die Patienten und die Archivierung schon eingeleitet und begonnen“, berichtete die Medizinerin.

„Ich habe durch Zufall von Kollegen von der letzten Ausschreibung erfahren“, berichtet Czypionka. Der 42-Jährige orientierte sich beruflich nach der Familienzeit neu, fasste die Gelegenheit am Schopfe und bewarb sich. Schnell stellte sich heraus, dass Arbeitsweise und Praxis perfekt zu ihm passten. „Ich habe 2008 meine Approbation erhalten und anschließend eine Facharztausbildung zum Allgemeinmediziner absolviert.“ Erfahrung als praktizierender Arzt sammelte Czypionka durch Praxisvertretungen und bei Tätigkeiten in Gemeinschaftspraxen.

Liegt bei Mieth neben der Schulmedizin ein Schwerpunkt auf Naturheilverfahren, legt Czypionka auch Wert auf die Phytotherapie, die Wirkstoffe in Pflanzen nutzt. „In den Praxisvertretungen habe ich viele Arbeitsweisen kennengelernt und eigene Schwerpunkte gebildet“, sagte der Mediziner.

Die Praxis endlich in jüngere Hände übergeben

„Er war der erste, der hier ankam und tatsächlich wusste, was er wollte“, sagt Mieth. Ihren avisierten Ruhestand und den Wunsch, die Praxis in jüngere Hände zu legen, hatte die 68-jährige Hausärztin erstmals vor knapp sechs Jahren auf entsprechenden Börsen und in verschiedenen Inseraten bekanntgegeben. Immer wieder habe sie auf verschiedenen Wegen um den Nachwuchs geworben. Zwar habe es viele Bewerber gegeben, die auch gerne „Praxisluft schnuppern kamen“, letztlich habe aber niemand die Verantwortung für Personal übernehmen und den Schritt in die Selbstständigkeit wagen wollen.

Dies sei bei der Nachfolgesuche durchaus ein Problem, bestätigt Christine Nord, Fachanwältin für Medizinrecht. Naturgemäß interessierten sich eher junge Menschen für Praxisübernahmen. In dieser Zeit stünden jungen Menschen häufig nicht nur vor der Aufgabe, den Sprung in die Selbstständigkeit zu bewältigen, sondern wollten auch eine Familie gründen. Beides zusammen sei manchen zu viel. Zudem hielten viele das Prozedere in einer Praxis, in der auch Kassenpatienten behandelt werden dürfen, für zu kompliziert.

Eine Praxis für die Behandlung von privat Versicherten könne laut Nord jeder gründen, der eine Approbation als Arzt besitze. Will man aber auch gesetzlich versicherte Patienten behandeln, benötige man eine „vertragsärztliche Zulassung“ für ein bestimmtes Gebiet. Diese Zulassung stelle aber hohe Anforderungen an klare Abrechnungsstrukturen.

Gleichwohl sei das vertragsärztliche System eine große Stütze und garantiere regelmäßige Zahlungen für die erbrachte Leistung. Nord würde sich bei der nachrückenden Generation mehr Mut wünschen, den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen. Notwendig wäre das allemal. „Wir stehen mit den vorhandenen Kapazitäten und dem Bedarf auf der Kippe zur Unterversorgung.“