Gespräch am Wochenende: Johannes Goell züchtet den schwersten Kürbis in NRW

Gespräch am Wochenende : Johannes Goell züchtet den schwersten Kürbis in NRW

Der 83-jährige Johannes Goell züchtet XXL-Gemüse. Sein 534-Kilo-Kürbis ist der schwerste in NRW. Damit hat er bei der Deutschen Riesengemüse-Meisterschaft im Krewelshof in Lohmar allerdings „nur“ den zweiten Platz belegt.

Den schwersten Kürbis von Nordrhein-Westfalen hat mit 534 Kilogramm Johannes Goell gezüchtet. Er ist der ganze Stolz des 83-Jährigen, der mit seinem "Gemüsekoloss" bei der achten Deutschen Riesengemüse-Meisterschaft im Krewelshof in Lohmar den zweiten Platz belegte - der Sieg der Kürbis-Wiegemeisterschaft ging an einen Belgier, dessen Exemplar mit 615 Kilo einiges an Gewicht mehr auf die Waage gebracht hat. Für den Senior aus Gielsdorf war es aber nicht die einzige hervorragende Platzierung. Gleich sechs erste Plätze erzielten seine Tomate (1,35 Kilo), Kohlrabi (15,28 Kilo), Kohlkopf (10,16 Kilo), Wassermelone (22,3 Kilo), Möhre (ein Kilo) und Sonnenblume (4,38 Meter hoch). Über sein Faible für XXL-Gemüse sprach der begeisterte Hobbygärtner mit Susanne Träupmann.

2010 haben Sie Ihre Leidenschaft für große Kürbisse entdeckt. Was gefällt Ihnen daran?

Johannes Goell: Man kann beim Wachsen regelrecht zuschauen. Mein Preiskürbis - ein "Atlantic Giant" - zum Beispiel erlangte sein Gewicht nach 80 Tagen. Bis zu 15 Kilo hat er in der Hochphase in nur einer Nacht zugelegt. Ich konnte beobachten, wie er sichtbar breiter wurde und das Gewicht rapide zunahm. Das finde ich immer wieder spannend und aufregend. Das gilt auch, in abgeschwächter Form, für XXL-Gemüse wie Kohl, Kohlrabi, Paprika, Chili oder Marrow (Riesen-Zucchini).

Wieso entwickeln sich einzelne Gemüsesorten zu Riesengrößen?

Goell: Das liegt am Saatgut. Man wählt gezielt Samen aus, die das Riesengemüse produziert. Darüber hinaus ist entsprechendes Wetter nötig. So brauchen Kürbisse eine durchschnittliche Temperatur zwischen 22 und 28 Grad. Ist es kühler oder wärmer, produzieren die Blätter zu wenig Energie und der Kürbis wächst dadurch langsamer und der Erfolg der Blütenbefruchtung, die im Juni und Juli erfolgt, verringert sich rapide. Natürlich spielt Dünger eine erhebliche Rolle. Ich nehme dafür regelmäßig Kompost. Wenn der nicht ausreicht, nehme ich noch Naturkalk, der den fehlenden PH-Wert im Boden ausgleicht. Und natürlich brauchen die Pflanzen ausreichend Wasser. Im vergangenen und in diesem Jahr war es besonders trocken. Da habe ich jeweils 380 Kubikmeter an Wasser verbraucht.

Was mögen Kürbisse gar nicht?

Goell: Durch starke Temperaturschwankungen, zu schnelles Wachstum und ungleichmäßige Bewässerung oder durch Starkregen nach Trockenphasen kann es passieren, dass der Kürbis aufplatzt oder von innen her verfault. Dann kommt er auf meinen "Kürbisfriedhof" am Rande des Gartens. Das ist mir in diesem Jahr bei einem "Atlantic Giant" passiert, der schon rund 350 Kilo schwer war. Das ist schade, kommt aber immer wieder vor.

Sie nehmen seit 2012 an den Meisterschaften im Krewelshof teil, weshalb?

Goell: Ein Züchterfreund brachte mich auf die Idee, als ich 2010 meinen ersten 245-Kilo-Kürbis gezogen habe. Der General-Anzeiger veröffentlichte einen entsprechenden Artikel und so kam ich in Kontakt mit anderen Züchtern. Beim Wettbewerb 2013 wurde ich mit einem Prachtkerl von 435 Kilo direkt NRW-Landessieger. Seitdem nehme ich regelmäßig teil. Beim Wettbewerb hat man außerdem die Chance zum Wiegen, um das Gewicht feststellen zu lassen. Und jedes Jahr hofft man natürlich auf einen der vorderen Plätzen in den 22 Kategorien.

Kann man Riesengemüse überhaupt essen?

Goell: Der "Trombolina d'Albenga" oder der "Blue Hubbard" sind ausgesprochen schmackhafte Kürbisse, während der "Atlantic Giant" ein wenig fad im Geschmack ist und daher eigentlich nur als Suppe und dann mit vielen Gewürzen in der Küche verwendet werden kann. Besonders lecker sind dagegen die Riesentomaten, deren Saatgut aus der Sorte "Ochsenherzen" entwickelt wurde. Damit sie fleischig und besonders groß werden, lässt man an einer Pflanze maximal zwei hängen. Die sind besonders lecker. Bei unseren Salatgurken haben wir im vergangenen Jahr aus den Pflanzen in zwei Kübeln rund 100 Stück geerntet. Die gab es als Salat oder als warme Beilage. Wir haben so viel an verschiedenem Gemüse, dass wir zu 90 Prozent Selbstversorger sind.

Woher erhalten Sie Ihr Saatgut?

Goell: Das Saatgut tauschen die Züchter untereinander oder erhalten als Mitglied der European Giant Vegetable Growers Association (EGVGA) ein Saatgutpaket, das zusammengestellt wird aus den Saatgutspenden der Mitglieder. Die prämierten Kürbisse werden auf dem Krewelshof präsentiert, bis dort Ende Oktober/Anfang November ein sogenanntes Schlachtfest stattfindet. Die Riesenkürbisse werden geöffnet und jeder Züchter entnimmt aus seinem Kürbis die Kerne, die dann zu Hause gewaschen und getrocknet werden. In Tütchen verpackt, die mit Gewicht, Name des Züchters und Jahreszahl der Ernte beschriftet sind, bekommt die EGVGA die Kerne zur Verteilung an ihre etwa 300 Mitglieder.

Im Oktober findet die europäische Meisterschaft in Ludwigsburg statt. Werden Sie ausstellen?

Goell: Nein. Ich werde hinfahren und die anderen Züchter treffen, um Erfahrungen auszutauschen. Außerdem möchte ich an der parallel stattfindenden Jahreshauptversammlung der European Giant Vegetable Growers Association teilnehmen.

Werden Sie auch im nächsten Jahr in Lohmar wieder antreten?

Goell: Ich denke schon. Mit der Aussaat der Möhren im Februar starte ich ins kommende Erntejahr.

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