Mutmaßliche Kontakte zur AfD: Diskussion um künftigen Heimbetreiber in Alfter

Mutmaßliche Kontakte zur AfD : Diskussion um künftigen Heimbetreiber in Alfter

Der zukünftige Betreiber Lindhorst des geplanten Seniorenheims in Alfter-Ort steht in der Kritik. Der frühere Geschäftsführer des Unternehmens soll Kontakte zur AfD gehabt haben.

Um den künftigen Betreiber des geplanten Seniorenheims in Alfter-Ort ist eine Diskussion entbrannt. Wie Alfters Bürgermeister Rolf Schumacher am Donnerstag mitteilte, seien an ihn Vorwürfe gegen die Lindhorst-Gruppe herangetragen worden. Dabei gehe es, so Schumacher, um Verbindungen des früheren Chefs des Unternehmens aus dem niedersächsischen Winsen (Aller) zu AfD-Politiker Björn Höcke, um möglicherweise fragwürdige Geschäftspraktiken des Unternehmens bei Kauf, Verkauf und Nutzung landwirtschaftlicher Flächen sowie um ein vom Unternehmen betriebenes Pflegeheim. Das Unternehmen soll laut Schumacher dazu Stellung beziehen.

Wie berichtet, hatte die Gemeinde in der vergangenen Woche bekannt gegeben, dass ein Betreiber für das neue Seniorenwohn- und Pflegeheim gefunden worden sei. Zwischen Bahnhofstraße, Kronenstraße und dem Görresbach plant die Lindhorst-Gruppe eine stationäre Altenpflegeeinrichtung mit circa 80 Betten sowie die Schaffung von etwa zwölf Plätzen für betreutes Wohnen. Ebenso sollen auf dem Gelände rund 50 Wohneinheiten, vom Appartement bis zur Vier-Zimmer-Wohnung, entstehen. Zuständig hierfür ist die Firma Lanzerath aus der Grafschaft, der laut Schumacher das gesamte Areal gehört und die mit der Lindhorst-Gruppe einen separaten Vertrag geschlossen hat. Das gesamte Vorhaben läuft unter dem Titel "Integratives Wohnen am Görresbach".

Lindhorst soll Kontakt zu AfD-Politikern gehabt haben

Im Fokus der Kritik steht der frühere Chef des Familienunternehmens - mittlerweile steht die nächste Generation in der ersten Reihe - und aktuelle Aufsichtsratschef Jürgen Lindhorst. So hatte das Göttinger Tageblatt im Mai über einen großen Findling an der Einfahrt zum Grundstück des Unternehmers berichtet, auf dem eine sogenannte Wolfsangel zu sehen ist. Dieses Symbol wird auch von Rechtsextremen und Neonazis verwendet. Es ist in politischen Kontexten verboten, nicht aber etwa als Grenzmarkierung für Forstreviere. Lindhorst hatte sich damals gegenüber der Zeitung vom Rechtsextremismus distanziert und erklärt, dass bereits sein Urgroßvater weit vor dem Zweiten Weltkrieg einen solchen Hofstein besessen habe. Im vergangenen Jahr war Lindhorst in die Kritik geraten, als er Björn Höcke eingeladen hatte. Höcke gehört zum äußersten rechten Rand der AfD.

Lindhorst hatte damals gegenüber der Celleschen Zeitung erklärt, Höcke als Privatperson eingeladen zu haben. Ebenso distanzierte er sich der Zeitung zufolge von verschiedenen Aussagen Höckes wie etwa dessen Erklärung, wonach das Holocaust-Mahnmal ein "Denkmal der Schande" sei. Nach Angaben des Göttinger Tageblatts hatte Lindhorst im vergangenen Jahr zunächst geplant, mit dem AfD-Landesverband - Höcke ist einer der Sprecher - eine Gesellschaft für Druckerzeugnisse zu gründen. Dazu kam es aber nicht.

Mit Blick auf die Vorwürfe in Sachen Pflegeheim erläuterte Schumacher, dass das Unternehmen vor einigen Jahren eine Einrichtung wegen Pflegemängeln habe schließen müssen. Er habe indes mit Bürgermeistern von Kommunen telefoniert, in denen die Gruppe Senioreneinrichtungen betreibe, und nur Positives gehört. Nach einem Telefonat mit der Lindhorst-Gruppe habe man ihm wiederum zugesichert, dass Unternehmensvertreter zu den Vorwürfen Stellung nähmen, wenn das Alfterer Projekt öffentlich vorgestellt werde, so Schumacher weiter.

Dieses ist für die kommende Sitzung des Ausschusses für Gemeindeentwicklung (Donnerstag, 26. September, 17 Uhr, Rathaus Oedekoven) vorgesehen.

Auf eine telefonische Anfrage des General-Anzeigers bei der Lindhorst-Gruppe teilte eine Mitarbeiterin mit, dass das Unternehmen dazu erst in der kommenden Woche eine Stellungnahme abgeben könne. Das Unternehmen baut aktuell ebenso eine Senioreneinrichtung an der Kölner Straße in Swisttal-Heimerzheim. Bereits betrieben werden Einrichtungen etwa in Niederkassel-Lülsdorf, Niederkassel-Mondorf und Sankt Augustin.

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