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Pläne in Sankt Augustin: Klimasiedlungen sollen in Umsetzungsphase gehen

Pläne in Sankt Augustin : Klimasiedlungen sollen in Umsetzungsphase gehen

Vor vier Jahren ist das Projekt Klimasiedlung in Sankt Augustin vorgestellt worden. Nun hat die Stadt zu einem Arbeitstreffen geladen. Die Auftaktveranstaltung zeigte, wo die Interessen der Bewohner liegen.

Es war Interesse gepaart mit Skepsis und Engagement für Verbesserungen im Viertel, das mehr als 50 Besucher aus dem Spichelsfeld und dem Blumenviertel in Sankt Augustin ins Technische Rathaus führte. Dort hatte die Stadt zu einem Arbeitstreffen zum Projekt Klimasiedlung plus geladen – zum ersten Mal seit der Vorstellung der Konzepte vier Jahre zuvor. Von der teils sehr deutlichen Kritik, die damals noch vorherrschte, war am Donnerstagabend nichts mehr zu spüren. Es gab viele Anregungen für die Experten vor Ort, Fragen und Bedenken wurden gesammelt und auch die Wünsche der Bewohner wurden notiert.

Unterstützt wird das Klimaschutzprojekt, das sowohl im Spichelsfeld als auch an der Berliner Straße umgesetzt werden soll, von dem Kölner Büro „Jung Stadtkonzepte“. Rüdiger Wagner moderierte für das Büro die zweistündige Veranstaltung. Warum es fast auf den Tag genau vier Jahre gedauert hat, bis zum ersten Arbeitstreffen mit den betroffenen Bewohnern, erläuterte der Erste Beigeordnete der Stadt Rainer Gleß. „Wir mussten zunächst Geld, Personal und Partner finden“, so Gleß, der auch darauf verwies, dass schon vor Greta Thunberg das Thema Klimaschutz existierte.

Warum die Wahl neben der Berliner Siedlung, mit den Genossenschaftswohnungen der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft (GWG) als einem Ansprechpartner, auch auf das Wohngebiet Spichelsfeld gefallen sei, begründete Gleß mit dem besonderen Baustil in der Siedlung zwischen Südstraße, Rathausallee, Bahnlinie und Mendener Straße. Der Beigeordnete, der selbst in dieser Siedlung wohnt, bezeichnete die Bauweise als größtenteils industriell gefertigten klassischen Plattenbau. Er wisse, dass die Menschen dort gerne wohnten, dass es gute Nachbarschaften gebe und genau deshalb wolle man Anreize geben, die auch diese Häuser aus den 1980er Jahren klimafreundlicher machen könnten. Er betonte: „Wir werden nicht an Sie appellieren, etwas zu tun, sondern wir wollen mit Ihnen gemeinsam etwas tun.“

Die Projektleitung hat seit 2019 „Jung Stadtkonzepte“ übernommen. „Wir haben zunächst unterschiedliche Projekte des Konzepts sortiert und möchten nun wissen, welche für sie interessant sind“, sagte Wagner. Übergeordnete Themen seien die Energieversorgung und hier die energetische Sanierung ebenso wie Einsparmöglichkeiten. Weitere Aspekte seien die Mobilität, die Gestaltung im öffentlichen Raum und die nachbarschaftliche Vernetzung. Man habe die Idee, Netzwerke in der Nachbarschaft zu stärken durch Beratungsabende zu bestimmten Themen ebenso wie mit Stadtteilspaziergängen, um vor Ort zu sehen, was verändert werden könnte.„Wir wollen das Leben und die Wohnqualität im Quartier insgesamt steigern“, das gehe über das Klima hinaus und genau dafür stehe auch das „plus“ bei der Klimasiedlung plus. Alles solle zudem nicht über Verbote, sondern über Angebote etabliert werden. Ein wichtiges Stichwort dazu sei das Crowdfunding. „Im Viertel könnte das eine nachbarschaftliche Schwarmfinanzierung für gemeinsame Projekte sein“, so Wagner.

Die gesamte Siedlung auf Papier mit den unterschiedlichen Haustypen. Foto: Privat/Martina Welt

An den wie bei einer Mini-Messe angeordneten Ständen informierten sich die Bürger bei den Experten. Vor Ort waren die Energieagentur Rhein-Sieg, die BürgerEnergie Rhein-Sieg, die Stadtwerke Sankt Augustin, Cambio Carsharing, ein Smart-Home-Stand der Technischen Hochschule Köln, Spar Haus und ein Thermografie-Stand. Letzterer war ein besonderer Besuchermagnet, denn Christian Kleinschmidt von „Jung Stadtkonzepte“ hatte einige Häuser aus dem Quartier als Wärmebild mitgebracht. Darunter auch das Haus von Dirk Hoffmann, der dieses in Eigenarbeit komplett energetisch saniert hat – und das mit Erfolg, wie er jetzt sehen konnte. Lediglich unter der Haustür gab es einen kleinen Spalt, durch den noch Wärme entweichen konnte, die Hauswände waren alle gleichmäßig kalt und sorgten für einen stolzen Hauseigentümer. „Das Thema interessiert mich“ sagte er und so wie ihm ging es vielen der Besucher.

Groß war das Interesse am Thema Solarenergie zur Stromversorgung, zum Laden von E-Autos oder einfach nur, um eine Klimaanlage zu betreiben. „Insbesondere zur neuen Förderung gibt es viel Aufklärungsbedarf“, sagte Thorsten Schmitt von der Energieagentur. Auch Vorschläge zu Quartiersgärten, der Spielplatzsanierung oder Verbesserungen an der Bahnunterführung wurden gemacht.