Integrationslotsin für das Forum Ehrenamt: Roya Talesche: "Es ist Zeit für Menschlichkeit"

Integrationslotsin für das Forum Ehrenamt : Roya Talesche: "Es ist Zeit für Menschlichkeit"

Roya Talesche trägt das Herz auf der Zunge und ihre Geschichte in der Brust. Das mag ihr einen Vorteil bringen, wenn sie als Integrationslotsin in Königswinter unterwegs ist, um Zuwanderern zu helfen.

Menschen, deren Hintergrund, warum es sie nach Deutschland verschlagen hat, von ganz unterschiedlicher Natur ist, aber mit denen Talesche zweierlei teilt: die Herkunft aus einem fremden Land und die Erfahrung, zurechtkommen zu müssen mit einer völlig unbekannten Sprache.

Die 54-Jährige ist vor 30 Jahren als politisch Verfolgte aus dem Iran mit ihrer damals drei Jahre alten Tochter geflohen. Über die DDR kam sie in den Westen, biss sich mit ein paar Englisch- und Italienischkenntnissen durch, hatte mit den bürokratischen Mühlen im Deutschland der 80er Jahre zu kämpfen. "Ich war selbst Asylbewerber. Ich weiß, wie das ist", sagt sie. Zwei Kinder hat die Königswinterin in Deutschland großgezogen.

Sie hat sich damals schon geschworen: "Entweder ich kehre zurück in meine Heimat, oder ich kämpfe, um für die Menschen da zu sein." Diese Geschichte muss man kennen, will man verstehen, warum sich Talesche seit Jahren beim Forum Ehrenamt energisch für Zuwanderer einsetzt. Sie geht mit ihnen zum Arzt, aber vorher muss das Sozialamt einen Krankenschein ausstellen. Wenn der Hausarzt meint, dass ein Facharzt sich den Patienten anschauen sollte, muss wieder ein Krankenschein vom Sozialamt her. Oder die Schule: Roya Talesche meldet ein Mädchen und einen Jungen bei einer Schule in Sankt Augustin an, weil es nur dort einen Deutschanfängerkursus gibt, sagt sie. Die Stadt zahlt aber nicht die Fahrkarte, weil die Einrichtung nicht im Siebengebirge liegt.

Die meisten aus Bürgerkriegsgebieten geflüchteten Kinder haben keinen gültigen Impfpass. Vor der Einschulung muss das im Zwei-Wochen-Akkord in die Wege geleitet werden. Und bei Familien mit Kleinkindern achtet die Integrationslotsin penibel darauf, dass der Kühlschrank sinnvoll gefüllt ist. Roya Talesche versucht eine Schneise zu schlagen in das Problemdickicht ihrer Klienten. Das Wichtigste ihrer Arbeit beschreibt sie aber mit zwei Worten: "Hoffnung geben." Hinter jedem Schicksal stecke eine menschliche Geschichte, sagt sie. Wenn sie das Asylbewerberheim in Königswinter betrete, kämen die Kinder auf sie zugerannt.

Am Anfang glaubten sie, Talesche käme nicht wieder. Aber sie kam wieder. Vertrauen schaffen, verlässlich sein: Das sei ganz wichtig bei ihrer Arbeit. Und Distanz schaffen. Das musste sie lernen. In den Ausbildungskursen des Forums Ehrenamt (siehe Kasten links) hat sie beigebracht bekommen, wie sie zu große emotionale Nähe verhindert. "Dieses Werkzeug brauchen wir für unsere Arbeit." Zeit, Geduld, genaues Hinhören helfen.

Mitleid in Form überflüssiger Geschenke helfen nicht. So sieht es die 54-Jährige. "Sie sind Menschen, keine Bettler." Etwas mehr Empathie, egal ob in der Verwaltung oder bei Begegnungen auf der Straße, würde sie sich wünschen. Es ist, sagt die Deutsche, "Zeit für Menschlichkeit".

Brücken bauen als Lotse

Das Forum Ehrenamt bildet zurzeit neun ehrenamtliche Integrationslotsen aus, zwei weitere haben Interesse bekundet.

Gesucht werden engagierte Helfer unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlichen Alters, die Zuwanderer bei der Integration unterstützen. Sie werden in Qualifizierungsseminaren auf ihre Aufgaben vorbereitet und erhalten weitere Schulungen. Das Lotsenprojekt führen die Stadt Königswinter und das Forum Ehrenamt gemeinsam durch. Nach Auskunft von Jochen Beuckers (Forum Ehrenamt, Sitz im Haus Heisterbach) leben in Königswinter derzeit fast 4000 Menschen, die keine deutsche Staatsangehörigkeit haben.

Weitere Auskünfte erteilen der Integrationsbeauftragte der Stadt, Alfred Kurschilgen (Tel.: 02244/889318, E-Mail: alfred.kurschilgen@koenigswinter.de), und Jochen Beuckers vom Forum (Rufnummer 02223/92360, E-Mail: info@forum-ehrenamt.de).

Integration in Bad Honnef

In Bad Honnef hat sich ein "Runder Tisch" etabliert, der Hilfen für Flüchtlinge koordiniert. Kontakt: Caritas Bad Honnef, Bergstraße 1; E-Mail-Adresse: caritasstjb@honneftal.de. Auch die Freiwilligenagentur im Rhein-Sieg-Kreis, eine Einrichtung des Diakonischen Werkes, vermittelt. Kontakt: 02224/184231, E-Mail: freiwilligenagentur@bad-honnef.de, oder unter der Rufnummer 02224/6175, E-Mail: hs@henningspohr.de. Sprechzeit: donnerstags von 10.30 bis 12 Uhr im Rathaus.

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