Kreis Ahrweiler: Viele Senioren leben in Altersarmut

Altersarmut in der Region : Viele Senioren im Kreis Ahrweiler brauchen staatliche Stütze

Die Rente reicht oft vorne und hinten nicht: 1167 Senioren erhalten im Kreis Ahrweiler "Alters-Hartz-IV". Vor zehn Jahren waren es nur 790 Bezieher.

Über Jahrzehnte niedrige Einkommen, Erwerbebiografien mit Brüchen und Lücken. Die Rente reicht daraufhin oftmals vorne und hinten nicht. Die Folge: Immer mehr Menschen im Kreis Ahrweiler sind neben ihren Altersbezügen auf staatliche Stütze angewiesen. Die Zahl der Empfänger von "Alters-Hartz-IV" stieg innerhalb von zehn Jahren um 48 Prozent. Gab es im Kreis Ahrweiler 2008 noch 790 Bezieher von Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung, so waren es im vergangenen Jahr bereits 1167. Das teilte die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit, die sich auf Angaben des Statistischen Landesamtes beruft.

Danach erhielten in ganz Rheinland-Pfalz zuletzt rund 46.000 Rentner Grundsicherung - 35 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor. Volker Daiss, Geschäftsführer der NGG-Region Mittelrhein, sieht den Trend mit Sorge und fordert eine "rentenpolitische Kurskorrektur". Insbesondere die von der Bundesregierung angekündigte Grundrente müsse rasch angepackt werden, um ein Ausufern der Altersarmut im Landkreis zu verhindern."Die amtlichen Zahlen zeigen nur die Spitze des Eisbergs.

Denn sehr viele Menschen, die wegen Mini-Renten eigentlich einen Anspruch auf die Grundsicherung haben, schrecken aus Scham vor einem Antrag zurück", sagte Daiss. So sind nach einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) bundesweit aktuell bereits 16,8 Prozent der Rentner von Armut bedroht. Ohne die Einführung einer Grundrente könnte das Armutsrisiko laut DIW bis zum Jahr 2039 auf 21,6 Prozent steigen - selbst bei einer weiterhin positiven Konjunkturentwicklung. "Eine entscheidende Ursache für dürftige Renten sind niedrige Einkommen.

Teilzeit, Minijobs und kein Tarifvertrag begünstigen Altersarmut

Auch wer Jahrzehnte in einer Bäckerei oder einem Restaurant gearbeitet hat, landet im Alter oft unter der Armutsschwelle. Das liegt auch an der Praxis vieler Unternehmen, aus Tarifverträgen auszusteigen und so die Löhne zu drücken. Hinzu kommt der Trend zu Teilzeit und Minijobs", erklärte Gewerkschafter Daiss. Die Gewerkschaft wirbt für die aktuell diskutierte Grundrente. Danach sollen die Bezüge von Menschen, die mindestens 35 Jahre lang gearbeitet haben und bei der gesetzlichen Rente trotzdem unter die Grenze von 896 Euro kommen, um bis zu mehrere Hundert Euro im Monat aufgebessert werden. "Das Modell wäre ein wichtiger Beitrag für mehr Gerechtigkeit im Rentensystem. Es würdigt die Leistung von denen, die ein Leben lang in die Rentenkasse eingezahlt haben", betonte Daiss.

Ausschlaggebend sei aber, dass es dabei keine Bedürftigkeitsprüfung gebe. "Wer eine solche Prüfung fordert, trifft die Falschen, weil es in den allermeisten Fällen um Haushalte mit kleinen Einkommen geht. Eine Bedürftigkeitsprüfung steht auch dem Rentenprinzip entgegen, nach dem Beitragszahler einen individuellen Leistungsanspruch erwerben", erklärte der Gewerkschaftsvertreter. Die NGG fordere die Große Koalition auf, bei dem Thema jetzt "ernst zu machen".

Wer Jahrzehnte gearbeitet habe, müsse mehr als die bloße Grundsicherung bekommen. Am Ende stehe ein Stück des gesellschaftlichen Zusammenhalts auf dem Spiel. Daiss: "Für Tausende Beschäftigte allein im Kreis Ahrweiler stellt sich die Frage, ob ein würdiger Lebensabend in Zukunft noch möglich ist." Diese Sorge dürfe die Politik nicht ignorieren. Sie müsse jetzt die nötigen Mittel aufbringen, um Altersarmut im großen Stil zu stoppen. Das Bundesarbeitsministerium geht bei der Grundrente von jährlichen Kosten von etwa fünf Milliarden Euro aus.

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