Ausbildungstag im Kreis Ahrweiler: 500 Schüler informieren sich über berufliche Perspektiven

Ausbildungstag im Kreis Ahrweiler : 500 Schüler informieren sich über berufliche Perspektiven

Beim Ausbildungstag im Kreis Ahrweiler haben sich rund 500 Schüler in Bad Neuenahr über mögliche berufliche Chancen und Perspektiven informiert. 35 Firmen und Behörden, darunter auch die Polizei, stellten sich vor.

"Heute suchen wir zur Abwechslung mal die Guten", meinte die Bundespolizei augenzwinkernd. Sie gehörte zu den 35 Ausstellern, die auf Einladung der Kreiswirtschaftsförderung im Bad Neuenahrer Dorint-Hotel im Rahmen des großangelegten Ausbildungstages auf Nachwuchssuche sind - und vielleicht auch fündig werden. Mehr als 500 Schüler aus dem Kreis Ahrweiler haben die Messe besucht, um sich bei Firmen, Behörden, Institutionen und Kammern über Berufsperspektiven zu informieren.

Ob Aldi, Fielmann, Deutsche Rentenversicherung, Post, Hauptzollamt, Polizei, Metallbaubetriebe oder Diakonisches Werk - so unterschiedlich die Branchen auch sind, so unübersehbar ist eine große Gemeinsamkeit: Händeringend suchen sie Auszubildende. "Weltfrieden defekt. Techniker gesucht", warb die Bundeswehr. Die Nürburgring GmbH bot "Vollgasjobs" an - ob Kaufleute oder Veranstaltungstechniker: An der Rennstrecke werden jede Menge junge Leute gebraucht.

"Fahndungserfolg: Karriere" und "Durchstarten ohne Tempolimit" hieß es bei der rheinland-pfälzischen Polizei, die ebenso mit einem Messestand vertreten war wie die Post, die ankündigte "Spielraum für Gestalter" zu bieten, während die Finanzverwaltung des Landes zumindest die jungen Nichtsteuerzahler mit dem Spruch "coole Socken für eine coole Sache" beeindruckt haben dürfte. "Die Voraussetzungen für eine Ausbildung sind gegenwärtig besonders gut, junge Leute können mit Zuversicht in die Zukunft blicken", sagte Landrat Jürgen Pföhler, der die Azubi-Messe gemeinsam mit Kreiswirtschaftsförderer Tino Hackenbruch und Vertretern der Handwerkskammer sowie der Industrie- und Handelskammer eröffnet hatte.

Foto: Martin Gausmann

Da man jungen Leuten offenkundig beibringen muss, wie man sich bewirbt, gab es ein Bewerbungsforum, in dem Tipps für "ein gelungenes Anschreiben" gegeben wurden. "Überzeugen statt Floskeln verwenden", "Rechtschreibung beherrschen" und "Struktur gewinnt" hieß es da. Und damit es auch beim Vorstellungsgespräch zumindest optisch klappt, wurde noch eine "Styling"-Ecke für das richtige Outfit für den perfekten Auftritt angeboten.

Wie verzweifelt die Situation aus Arbeitgebersicht inzwischen ist, macht die Vielzahl an Werbeaktivitäten deutlich: Um den Mitarbeiterstand zu halten, laden inzwischen Kammern und Firmen zum "Azubi-Speed-Dating" ein, um Schulabgänger und Betriebe zusammenzubringen. In einigen Regionen gibt es neuerdings eine "AzubiCard", die Lehrlingen etliche finanzielle Vergünstigungen verspricht.

Trotz aller Bemühungen gelang es den Betrieben auch in diesem Jahr nicht, für alle Lehrstellen passende Kandidaten zu finden. 2018 kamen bundesweit auf rund 530 000 neue Ausbildungsverträge knapp 58 000 unbesetzte Plätze. Mehr als jede zehnte Lehrstelle blieb somit unbesetzt - ein trauriger Rekord. Allerdings hatten auch fast 25 000 junge Menschen keine Lehrstelle gefunden.

Nicht nur die Wirtschaft, auch die Politik sucht nach Wegen, um mehr Jugendliche für die berufliche Ausbildung zu gewinnen. Denn der steigende Fachkräftemangel entwickelt sich mehr und mehr zu einer Wachstumsbremse für die Wirtschaft. Seit der Jahrtausendwende sank die Zahl der Auszubildenden um ein Viertel auf rund 1,3 Millionen. War früher die duale Berufsausbildung die häufigste Qualifizierungswahl, so zieht es heutzutage die meisten jungen Leute zum Studium - auch weil die Politik diese Akademisierung lange Zeit nach Kräften forciert hatte.

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