Im Bad Neuenahrer Kurpark: So war die Premiere der sechsten Klangwelle

Im Bad Neuenahrer Kurpark : So war die Premiere der sechsten Klangwelle

Die Premiere der sechsten Klangwelle im Bad Neuenahrer Kurpark begeisterte 2000 Gäste. "Meilensteine" lautete das Motto.

"Der Mond ist jetzt ein Ami" titelte die "Bild". Die Bilder, die viele Menschen von der Mondlandung am 21. Juli 1969 im Kopf hatten und die sie bewegten, wurden bei der "Meilensteine"-Klangwelle-Premiere wieder lebendig. "Ich kann mich noch genau erinnern", so Klaus Kniel aus Heppingen nach einem der Gänsehautmomente der ersten von acht Shows. "Ich saß vor meinem für 60 Mark gekauften Schwarz-Weiß-Gerät, das ich heute noch besitze." Langsam baute sich dieser fulminante emotionale Akt, übrigens vom Moderatoren-Duo Roland Nenzel und Thomas Spitz stilgerecht in Astronauten-Anzügen angekündigt, auf.

Der Countdown mit Originalbildern auf der Wasserwand lief, während Laser im Bad Neuenahrer Abendhimmel in die Unendlichkeit verschwanden. Flammen simulierten den Raketenstart, David Bowie machte mit Space Oddity dazu den "Major Tom". Showdesigner Mischa Anton aus Wien entschied sich mit dem künstlerischen Leiter Nenzel für gleißendes, weißes Licht zu "Also sprach Zarathustra", bevor Frankie-Boy Sinatra sein sanftes "Fly me to the moon" trällerte. Fast spürbar war die damalige Dramatik im Kennedy Space Center, der befreiende Applaus der Nasa-Mannschaft am Boden brandete dann ebenso für die Macher der Klangwelle auf. "Die Mondlandung ist mein persönlicher Favorit", so Nenzel zum GA nach der auch für Anton und sein Team reibungslos verlaufenen Premiere mit 2000 Gästen.

Die Brücke aus dem Weltall im Anschluss nach Köln zu schlagen, in die Stadt, die für viele der Nabel der Welt ist, war sicher nicht leicht. Schwer umsetzbar war auch die Idee, in der Moderation kurz der Opfer von Halle zu gedenken. Ein Gedanke voller guter Absicht, der aber leider unterging. Aber es wäre nicht die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler mit ihrem kölschen Lebensgefühl, wenn das Umlegen des Schalters vom Raumfahrt-Meilenstein auf rheinischen Frohsinn nicht gelänge. Ob "de Räuber" oder Querbeat, "de Künning vun Kölle" oder Brings "Halleluja": Es durfte gesungen, geschunkelt und gehüpft werden. Ein riesiges Herz flammte auf dem 35 Meter breiten, mit 124 000 Litern Wasser gefütterten Hydroscreen bei "Schenk mir dein Herz" der Höhner auf, bevor das Kölner Duo "saxOsing" als Live Act mitten im Licht- und Wasserspektakel auf einer höhenverstellbaren Bühne auftauchte und Brings "Kölsche Jung" sang.

In den Pausen - im ersten Akt drehte sich alles um die Gründung der Bundesrepublik 1949 - stärkten sich die Besucher im Gastrobereich, zeigten sich begeistert von der Show. "Ich bin total geflasht. Ich denke immer, dass nichts Neues kommen kann. Aber vorhin die Musiker mitten im Geschehen, der Springbrunnen im Park, der ebenso mit den Elementen Wasser und Feuer spielt, die Musikauswahl - das alles ist perfekt abgestimmt. Ich komme auch 2020 wieder", so Andrea Mies aus Hürth.

"Uns freut es, dass die Klangwelle für viele zu einem festen Termin im Kalender geworden ist", betonte Christian Senk, Geschäftsführer der Ahrtal und Bad Neuenahr-Ahrweiler Marketing GmbH, im GA-Gespräch. "Ich bin zuversichtlich, dass der Besucherrekord von 18 000 erneut erreicht wird. Die Buchungen kommen aus ganz Deutschland." Angesprochen auf die Preiserhöhung um 70 Prozent von acht Euro in 2014 auf heute 13,50 Euro: "Der größte Break war ja von Null auf acht Euro, als die Klangwelle von Bonn zu uns kam. Wir hatten keine Erfahrungswerte, wussten aber, dass solch ein Event nicht umsonst sein kann. Hier kommt kein Laufpublikum einfach so vorbei. Für uns ist wichtig, dass die Destination überregional an Bekanntheit und enormer Reichweite gewinnt - weg vom Image eines angestaubten Kurortes. Der Verkauf läuft gut, sodass die Kosten gedeckt sind. Für 13,50 Euro erleben Sie heute noch nicht mal einen Kinoabend. Die Gäste sind begeistert und daher gewillt, das zu zahlen. Das sehen wir auch an dem positiven Feedback in den sozialen Medien."

Zum Blockbuster avancierte dann der Akt "30 Jahre Mauerfall". Wogende Laserteppiche über den Köpfen der Besucher, Bilder von Menschen, die "Wir sind das Volk" skandierten, dazu die Hymnen von DDR und BRD oder Müller-Westernhagens "Freiheit". Nenzel, der allein 100 Stunden damit verbrachte, Foto- und Videomaterial zu sichten, schrieb Billy Joes "We didn't start the fire" für "SaxOsing" um: Aus "Einstein, James Dean, Brooklyn's got a winning team" wurde beispielsweise "Grüne Grenze, Schießbefehl".

Was am Ende blieb, war die Hommage an den vor zehn Jahren verstorbenen "King of Pop" Michael Jackson. Beim "Earth"-Song als Zugabe bildeten allein die Handys der Besucher ein beeindruckendes Schlussbild.

Die Klangwelle spielt noch bis 20. Oktober mit den Elementen und Effekten; drei Abende sind ausverkauft. Tickets unter www.die-klangwelle.de

Mehr von GA BONN