Allee-Erneuerung zur Landesgartenschau: Gutachterin warnt vor Baumfällungen an der Ahr

Allee-Erneuerung zur Landesgartenschau : Gutachterin warnt vor Baumfällungen an der Ahr

Der Stadtrat von Bad Neuenahr-Ahrweiler entscheidet am 28. Oktober über die Zukunft der Alleebäume an der Ahr. Eine Gutachterin warnt davor, voreilig Bäume zu fällen.

Ob es an der Ahr in Bad Neuenahr zu den von vielen Bürgern befürchteten Fällungen kommt, bleibt zunächst noch offen. Nachdem sich der Bau- und Planungsausschuss sowie der Landschaftspflegeausschuss in einer gemeinsamen Sitzung zu keinem klaren Votum durchringen konnten, muss nun der Stadtrat die unbequeme Entscheidung treffen.

Die künftige Gestaltung der an der Ahr gelegenen Alleen in der Lindenstraße und der Georg-Kreuzberg-Straße bewegen seit geraumer Zeit die Gemüter. Im Zuge der Landesgartenschau (Laga) stehen mögliche Baumfällungen und Ersatzbepflanzungen sowie neue Wegeführungen an. Trotz zweistündiger Beratung sahen sich die Fachausschüsse nicht in der Lage, eine Empfehlung auszusprechen.

Bereits im Januar hatte die Laga-Geschäftsführung den vollständigen Ersatz der 198 Alleenbäume vorgeschlagen und damit für einen Sturm der Entrüstung gesorgt. In der Folge wurde vereinbart, dass ein unabhängiger Sachverständiger die Bäume in Augenschein nehmen sollte. Julia Engels, eine vereidigte Baumsachverständige, legte nun ihre Ausarbeitung vor.

Sämtliche Bäume wurden in einem digitalen Baumkataster verwaltet, gesichtet und anhand einer Matrix bewertet. "Es ließ sich feststellen, dass die Bäume professionell betreut und gepflegt werden", so die Gutachterin. Eine Verpflichtung zur Fällung einer größeren Anzahl von Bäumen aus Gründen der Verkehrssicherheit habe man nicht feststellen können.

Allerdings befinden sich auch 73 Prozent der gesichteten 2185 Bäume im Alterungszustand, an Jungbäumen sind lediglich zwei Prozent vorhanden. Eine Möglichkeit, den Bestand weiter zu verjüngen, sieht die Fachfrau in der Ergänzungspflanzung von Bäumen innerhalb von bestehenden Alleen, was punktuelle Maßnahmen darstelle. Die Sachverständige warnte ausdrücklich davor, in Erwartung einer etwaigen Krankheit oder eines denkbaren Schädlingsbefalls quasi in vorauseilendem Gehorsam voreilig Bäume zu fällen.

Das Gutachten war Ausgangslage für den weiteren Entwurf der Ahrpromenade durch die Landschaftsarchitekten des Büros bbz berlin. Für beide Alleen wurden jeweils zwei Varianten vorgelegt. Vor Ort besichtigten die Mitglieder der Ausschüsse das Baumszenario, rund zwei Dutzend Bürger waren bei der Begehung ebenfalls dabei. An der Lindenstraße gibt es zum einen die Überlegung, im Bereich zwischen den Einmündungen von Jülich- und Casinostraße einen Teil der Schwarznussallee zu erneuern. Hier stehen nach Gutachter-Einschätzung die Bäume mit der geringsten Entwicklungsfähigkeit und den größten Vorschädigungen. Bei dieser Variante werden entlang der Lindenstraße von vorhandenen 130 Bäumen 88 erhalten, 42 gefällt und 32 Bäume neu gepflanzt. Es entstehen mit weiteren Maßnahmen, wie Sitzgelegenheiten, Kosten von knapp 188.000 Euro. Die zweite Variante sieht den kompletten Erhalt der Bäume mit Ausnahme von vier in der Uferböschung an der Kurgartenbrücke stehenden und bereits geschädigten Eschen vor. Nur Kosten von 107.000 Euro würden dann anfallen, vornehmlich für die Schaffung von Sitzbereichen.

An der Georg-Kreuzberg-Straße sollen die Kastaniengruppe vor dem Hotel Aurora und die westlich gelegene Lindengruppe erhalten bleiben. Hier sieht ein Vorschlag auch den Erhalt der Straßenbäume entlang des südlichen Fahrbahnrands vor. Alle anderen Bäume werden dann allerdings durch Neupflanzungen ersetzt. Das bedeutet, es werden von 78 Bäumen 50 erhalten, 28 gefällt und 61 Bäume neu gepflanzt. Kosten: 575 000 Euro.

Der zweite Vorschlag sieht die Fällung der südlichen Straßenbäume zugunsten der künftigen Entwicklung der Promenadenbäume vor. Dadurch könnten sowohl Fuß- als auch Radweg leicht nach Norden verschoben werden. Kommt es dazu, bleiben 35 Bäume erhalten, 43 werden gefällt und 61 Bäume neu gepflanzt. Die Kosten liegen bei knapp 570.000 Euro.

Die CDU sprach sich für eine sukzessive Erneuerung der Alleen aus, man könne jeweils mit beiden Varianten leben. Auch die SPD sieht eine abschnittsweise Erneuerung der Allen als sinnvoll an. Während die Grünen zunächst fraktionsinterne Beratungen abwarten möchte, hinterfragte die FWG mögliche Auswirkungen des noch ausstehenden Artenschutzgutachtens. Dass dieses nicht in die Beratungen einbezogen wurde, hatte auch der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) im Vorfeld kritisiert. Bürgermeister Guido Orthen betonte, man werde hinsichtlich des in Kürze erwarteten zweiten Gutachtens selbstverständlich rechtskonform handeln, sollte es zu Kollisionen mit den aktuellen Planungen kommen.

Die Entscheidung, wie es mit den Alleen nun tatsächlich weitergeht, fällt der Stadtrat in seiner Sitzung am 28. Oktober.

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