Kreis Ahrweiler: Heißer und trockener Sommer schadet Wäldern

Kreis Ahrweiler : Heißer und trockener Sommer schadet Wäldern

Der Vorsitzende des Waldbauvereins Ahrweiler, Albrecht Freiherr von Boeselager, ging in der Mitgliederversammlung in Dümpelfeld auf die enormen Schäden durch den heißen und trockenen Sommer ein. Dieser macht den Wäldern im Kreis Ahrweiler schwer zu schaffen.

"Keiner von uns kann sich an eine solch dramatische Situation in unseren Wäldern erinnern", machte Albrecht Freiherr von Boeselager gleich mit seinen ersten Worten die katastrophale Lage der Waldbesitzer im Kreis Ahrweiler deutlich. Der Vorsitzende des Waldbauvereins Ahrweiler ging in der gut besuchten Mitgliederversammlung in Dümpelfeld auf die enormen Schäden durch den heißen und trockenen Sommer ein, der den Wäldern schwer zu schaffen mache. "Überall trockene und braune Bäume, durch Hitze geschädigt, falls sie nicht auch noch dem Kupferstecher und dem Buchdrucker zum Opfer gefallen sind. Viele unserer Mitglieder kommen mit dem Aufarbeiten gar nicht mehr nach."

Erschwerend komme hinzu, dass durch das Überangebot die Holzpreise krachend eingebrochen seien und Holz zu Schleuderpreisen vermarktet werden müsse. Damit werde der Wald, der ursprünglich als langfristige Sparanlage gedacht gewesen sei, zur Belastung für seine Besitzer. Die Kosten überstiegen die Erlöse bei Weitem. Boeselager forderte, dass die staatliche Förderung der Waldbesitzer drastisch erhöht werden müsse, damit nicht auf Dauer viele Waldbesitzer ihre Forste aus der Bewirtschaftung herausnähmen.

Der Präsident stellte aber auch klar: "Wir sind nicht die Verursacher des Klimawandels, haben aber mit am meisten darunter zu leiden - obwohl wir mit unseren Waldflächen das CO2 dauerhaft speichern und somit einen wertvollen Beitrag gegen die Erderwärmung leisten." Von den Schäden seien nicht nur die Fichtenwälder betroffen, sondern auch die Laubbäume. So seien allein in Thüringen 800 000 Festmeter Buche dem Wetter zum Opfer gefallen, auch in den Eichenwäldern und in den Naturwaldreservaten gebe es große Verluste. Es sei "schizophren", wenn Klimaschützer gegen die Waldwirtschaft polemisierten, wo doch dringend jede Menge Speichermöglichkeiten für CO2 gebraucht würden, und die gebe es nun einmal im Wald.

Dabei seien die Speicherleistungen junger Bäume wesentlich höher als die älterer Bäume, räumte er mit einem weitverbreiteten Missverständnis auf. So speichere ein junger Wald etwa fünf Tonnen CO2 pro Hektar und Jahr, weshalb es eigentlich nur fair wäre, wenn die Waldwirtschaft von der CO2-Bepreisung im Zuge des Klimapaketes profitieren würde. Ein Teil der CO2-Einnahmen müsse an die Waldbesitzer verteilt werden, so seine Forderung. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass es so komme, tendiere gegen null. Letztlich laufe es darauf hinaus: "Wir, die Waldbesitzer, leisten am meisten gegen den Klimawandel und sind dennoch die größten Verlierer."

Denn auch die notwendige Wiederaufforstung werde die Waldbesitzer vor große Herausforderungen stellen, nicht nur finanzieller Art. Die hohen Schadwaldbestände erschwerten die Neuanlage, darüber hinaus appellierte von Boeselager an die Jägerschaft, endlich mehr für die Reduzierung des Wildbestandes in den Wäldern zu tun. Nicht zuletzt sei es angesichts des absehbaren Klimawandels erforderlich, die Vorschriften für die erlaubten Baumarten bei Neuanlagen zu flexibilisieren, um künftig klimaresistente neue Baumarten anpflanzen zu können. Es sei durchaus wahrscheinlich, dass in absehbarer Zeit die bislang heimischen Baumarten durch andere ersetzt werden müssten, die besser an die zu erwartenden Klimabedingungen angepasst seien. "Wir wollen unseren Wald nicht aufgeben, hoffen aber, dass wir dabei von Staat und Gesellschaft nicht alleingelassen werden."

Kreisbeigeordneter Horst Gies sagte: "Wald ist ein wichtiger, natürlicher Lebensraum und gleichzeitig eine unverzichtbare Ressource. Er hat viele Facetten und eine weitreichende Bedeutung für nahezu alle Bereiche unseres Lebens." Aufgrund seiner vielfältigen wichtigen Funktionen müsse es gemeinsames Ziel sein, den Wald in gutem Zustand zu bewahren. Der Waldbauverein leiste hierzu einen wertvollen Beitrag. Darüber hinaus passe die Vermarktung von Brennholz hervorragend in die Philosophie des Kreises, auf erneuerbare Energien zu setzen. "Die Nutzung alternativer Energiequellen ist in Zukunft noch wichtiger als bisher", sagte Gies. "Die Situation ist ernst, aber nicht hoffnungslos", verbreitete Marco Weber (FDP), Vorsitzendet des Umweltausschusses im Landtag, ein wenig Zuversicht.

Dennoch sei klar: "Wir brauchen den Waldbauverein auch in Zukunft, denn er macht sich für die Interessen der privaten Waldbesitzer stark." In der Forstwirtschaft werde nachhaltig gearbeitet und dennoch auf wirtschaftliche Tragfähigkeit geachtet. Auch Weber war der Ansicht: "Die Waldbesitzer sind Teil der Lösung und nicht die Ursache." Frank Ridderbusch von den Landesforsten Rheinland-Pfalz weiß ebenfalls, dass die Waldwirtschaft schon bessere Zeiten erlebt hat. Der Wald sei einer der Hauptleidtragenden des Klimawandels. Niederschläge blieben immer öfter aus, die Temperaturen stiegen an. Es werde absehbar zu Verdrängungen auf den einzelnen Standorten kommen. Wo heute die Fichte stehe, werde künftig die Buche ihren Standort haben, und wo heute noch die Buche sei, sehe man in Zukunft die Eiche. Ridderbusch: "Es wird bald nicht mehr unser Wald sein, wie wir ihn gekannt haben."

Mehr von GA BONN