Wirtschaft in Bonn und der Region verunsichert, zeigt IHK-Bericht

IHK-Wirtschaftslagebericht : Wirtschaft in Bonn und der Region verunsichert

Brexit, Handelskonflikte und schwächelnde Weltwirtschaft: Bei den Unternehmen in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis hat sich die Stimmung spürbar verschlechtert. Der Lagebericht der IHK spricht eine eindeutige Sprache.

Wenn sich die Stimmung in der Wirtschaft verschlechtert, dann bemühen Ökonomen gerne das Bild von den dunklen Wolken, die aufziehen. Das tut aktuell auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg. Nach dem am Dienstag vorgestellten Wirtschaftslagebericht hat sich der Himmel über der Region merklich verfinstert. Ob Brexit, Handelskonflikte oder das schwächelnde weltweite Wirtschaftswachstum: All das gehe an den regionalen Unternehmen nicht spurlos vorüber, sagte IHK-Präsident Stefan Hagen. Hinzu kämen hierzulande die Diskussionen über Themen wie Klima, Kohle und Kunststoff. „Diese Debatten werden sehr emotional geführt – das sorgt für Verunsicherung.“

385 von 1400 Mitgliedsunternehmen haben an der Herbstumfrage der IHK teilgenommen. Die Hochstimmung früherer Wirtschaftslageberichte ist verflogen. Etwa ein Viertel der teilnehmenden Firmen rechnet mit einer weiteren Verschlechterung der Geschäfte, nur 19 Prozent blicken optimistisch auf das Jahr 2020.

Anhand der Umfrage errechnet die IHK den Konjunkturklimaindikator. Die magische Grenze liegt bei 100 Punkten. Überschreitet der Wert diese Schwelle, ist die Stimmung allgemein gut. Fällt er darunter, schätzen die Firmen ihre Lage eher negativ ein. Insgesamt liegt der Wert mit 106,5 zwar noch über der Linie, ist im Vergleich zur letzten Umfrage relativ deutlich um 14 Punkte gefallen. Ähnlich eingetrübt war das Klima laut IHK zuletzt im Frühsommer 2010, als der Wirtschaft noch die Folgen der Finanzkrise zu schaffen machten.

Vor allem die Industriebetriebe, die zehn Prozent der regionalen Unternehmen ausmachen, haben in der Herbstumfrage ihre jetzige Lage und ihre Aussichten für die kommenden zwölf Monate tendenziell negativ bewertet. Der Klimaindex fiel bei einem Wert von 88,6 deutlich unter die 100er Marke. Auch Logistik-Unternehmen bekamen den Abwärtssog der Industrie zu spüren.

Wie auch überregional klagt die regionale Industrie über rückläufige Auftragseingänge. Die Exporterwartungen sind herabgesetzt, und nur jeder fünfte Industriebetrieb erreiche noch eine Kapazitätsauslastung von 85 Prozent: „Die Unternehmen werden zurückhaltender bei Investitionen oder verzichten auf neue Auszubildende“, erklärte Hagen. Ein Drittel der Betriebe will den Beschäftigungsumfang reduzieren.

Gerade bei der Industrie zeigten inzwischen der Brexit und internationale Handelsstreitigkeiten ihre Wirkung. Teilweise gehe die Verunsicherung aber auch auf innenpolitische Debatten zurück, so Hagen - Stichwort Plastikverbot. Er wünscht sich eine Versachlichung, denn die Leidtragenden seien letztlich die kunststoffverarbeitenden Betriebe und ihre Mitarbeiter. „Kunststoff ist ein Teil des Problems, aber auch Teil der Lösung“, sagte der IHK-Präsident.

Deutlich besser ist die Stimmung auf dem Dienstleistungssektor, der in der Region stark vertreten ist. Aber auch da macht sich bei den ersten Unternehmen laut IHK die Flaute bemerkbar. Die negativen Einschätzungen über die Geschäftsentwicklung haben zugenommen. Zwar wollen noch 30 Prozent der Firmen Personal aufbauen, doch lag dieser Wert bei früheren IHK-Umfragen wesentlich höher.

Auch im Einzelhandel und in der Informations- und Kommunikationswirtschaft machen sich der Umfrage zufolge Zurückhaltung und Pessimismus breit. Stabilisiert hat sich unterdessen das Gastgewerbe, das beim Klimaindex aber immer noch unter der 100er Schwelle liegt, also tendenziell unzufrieden ist. Dazu trägt vor allem der Fachkräftemangel in der Branche bei. Doch erwarten drei Viertel der Betriebe eine bessere oder zumindest gleichbleibende Geschäftslage. „Das dürfte mit dem Beethovenjahr 2020 zusammenhängen“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Hubertus Hille. „Es ist trotz aller Widrigkeiten offenbar gelungen, ein so überzeugendes Programm zusammenzustellen, dass Bonn und die Region als bereisenswertes Ziel gelten.“

Sein Wunsch: Das Beethovenjahr 2020, in dem der 250. Geburtstag des Komponisten begangen wird, soll nicht am 31. Dezember enden. Vielmehr soll sich damit ein hochklassiges Kulturangebot etablieren, „das über dem jetzigen Niveau liegt und zugleich finanzierbar bleibt“, so Hille. „Durch die der Neubesetzung der Beethovenfest-Intendanz besteht die Chance, neue Akzente zu setzen.“ Indentantin Nike Wagner wird sich nach dem Beethovenjahr verabschieden.

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