Windecker Firma Yellotools setzt auf japanische Philosophie

GA-Serie „Firmen bei uns“ : Windecker Firma Yellotools setzt auf japanische Philosophie

Die Windecker Firma „Yellotools“ stellt Werkzeuge für Werbetechniker her – und setzt auf fernöstliche Tugenden. Davon ist der Alltag im Betrieb geprägt. Ein Besuch in der Werkstatt.

Perfekt aufgeräumte Regale, blitzsaubere Arbeitsräume und ein System, bei dem jedes Werkzeug von der Bohrmaschine bis zum Kugelschreiber seinen festen Platz hat – in den Hallen der Windecker Firma Yellotools herrscht mustergültige Ordnung. Der Produktionsbetrieb, der sich auf die Herstellung von Sonderwerkzeugen für Werbetechniker spezialisiert hat und Europas größten Online-Shop für diese Branche betreibt, arbeitet nach dem ursprünglich von Toyota entwickelten Kaizen–System. In dessen Zentrum steht das Streben nach kontinuierlicher Verbesserung.

„Kaizen bedeutet übersetzt „Niemals gut“. Deshalb sind unsere Verbesserungen nie zu Ende. Zudem sind Fehler nach der Kaizen-Philosophie nur in wenigen Fällen auf den Menschen zurückzuführen, sondern haben ihre Ursache im System. Und an dessen Verbesserung arbeitet die ganze Firma – tagtäglich“, so Firmenchef Michael Althoff.

Yellotools stellt keine Hightech-Produkte her, sondern einfache Werkzeuge wie beispielsweise Schneidemesser oder verschiedene Kunststoff-Rakel, mit denen Folien beim Aufkleben geglättet werden. „Wir konkurrieren mit Firmen aus China und Bangladesch, und das können wir nur, wenn wir sehr effizient arbeiten“, so Althoff. Das fängt an mit dem Beginn des Arbeitstages um 8 Uhr, der nach einem festen Schema verläuft. Die erste halbe Stunde dient der Entwicklung von Verbesserungen, aber auch dem Aufräumen.

Ganz wichtig ist dabei die Reinigung der Toiletten und der Küche, die abwechselnd von allen Mitarbeitern inclusive Chef übernommen wird. „Kaizen beginnt im Badezimmer, denn wenn wir es nicht schaffen, Küche und Bad in Ordnung zu halten, dann brauchen wir bei den Maschinen gar nicht erst anzufangen“, weiß Althoff. Um 8.30 Uhr trifft sich die komplette Belegschaft in der großen Werkhalle und bespricht – nach einigen gymnastischen Lockerungsübungen - den vergangenen Tag. Gemeinsam geht man der Frage nach „Wen konnten wir gestern begeistern?“ und diskutiert über Verbesserungsvorschläge.

Das sind häufig nur Kleinigkeiten, die sich leicht umsetzen lassen, aber dennoch Wirkung zeigen. An vielen Computerarbeitsplätzen stehen Bildschirme senkrecht statt quer. Einem Mitarbeiter war aufgefallen, dass er täglich viel Zeit durch Scrollen verliert. Auf dem senkrecht stehenden Bildschirm sieht er jetzt mehr Inhalt und spart pro Tag fünf Minuten.

Beim morgendlichen Tagesordnungspunkt „2 hours of power“ können Abteilungen, in denen besonders viel Arbeit anfällt, um Unterstützung bitten. „Dann helfen Mitarbeiter aus anderen Abteilungen aus, und so steht bei uns auch mal die Buchhalterin an der Fräsmaschine“, so Althoff. Ohnehin ist es ein wichtiger Aspekt der Firmenkultur, die Potenziale von Firmenmitarbeitern zu erschließen. Mithilfe einer großen Matrix hat Althoff nicht nur jederzeit im Blick, wer über welche Fähigkeiten verfügt, sondern auch, welche Mitarbeiter sich neues Wissen aneignen möchten – sei es durch das Erlernen eines Computerprogramms oder in einer der Werkstätten wie Schreinerei oder Metallverarbeitung. „Wenn dann etwas Leerlauf ist, organisieren wir beispielsweise eine Schulung an einer unserer Maschinen“, so Althoff. Das Konzept funktioniert offensichtlich, denn Ria Diouf, die als Aushilfe an der Säge angefangen hat, ist heute Prokuristin.

Auch Firmenchef Althoff kann auf ein facttenreiches Berufsleben zurückblicken. Als gelernter Rundfunk und Fernsehtechniker machte er sich bereits mit 19 selbstständig, zunächst allerdings mit wenig Erfolg, arbeitete anschließend als LKW-Fahrer im internationalen Fernverkehr und absolvierte dann eine Ausbildung zum Kommunikationstechniker Werbung und Marketing. „Da ich immer ein Praktiker war, habe ich mich 2004 mit einer kleinen Werkstatt für Werbetechnik im Keller meines Vaters selbstständig gemacht“, erklärt der gebürtige Windecker. Als die Firma wuchs, zog sie in eine Halle in Windecks ältestem Industriegebiet, die auch heute noch Teil des Firmengebäudes ist.

Die erste Innovation war ein sogenannter „SpeedClip“ zur Fixierung von Folienrollen, die das übliche Klebeband ersetzte. „Davon haben wir inzwischen 3,5 Millionen Stück auf den Markt gebracht und der Clip ist heute Industriestandard“, erzählt Althoff. Dennoch waren die Anfangsjahre der Firma chaotisch. „In der Produktionshalle herrschte Chaos, die Mitarbeiter stritten sich und ich war völlig überfordert“, erzählt er.

Ein amerikanischer Freund mit eigenem Betrieb brachte ihm die Kaizen-Philosophie nahe. Althoff richtete seinen Betrieb danach aus. „In unserer Vorstellung schaut uns unser Kunde immer über die Schulter und wir fragen uns stets, ob das, was wir gerade tun, den Kunden glücklich macht“, so Althoff.

Kunden hat Yellotools inzwischen in der ganzen Welt und bezieht diese zudem aktiv in die Produktentwicklung ein. Die Windecker sind zudem Mitglied in einem internationalen Arbeitskreis von Firmen, die sich dem  Lean Management verschrieben haben. „Werte ohne Verschwendung schaffen“ ist der Gedanke, der dahintersteht. Im vergangenen Jahr trafen sich Vertreter von internationalen Firmen wie Mercedes und Ikea im Windecker Ländchen, um sich mit Yellotools auszutauschen.

Auch legt Althoff Wert auf die regionale Verwurzelung. „Wir bemühen uns, unsere Vorprodukte soweit wie möglich aus der Region zu kaufen und unterstützen diese auch aktiv“, sagt er. So gehen die Holzreste aus der Schreinerei an eine Förderschule in Windeck, denn die hat eine kleine Schreinerei, jedoch kein Geld für Holz.

Mehr von GA BONN