Bonner Ökonomin Isabel Schnabel soll als EZB-Direktorin werden

Isabel Schnabel : Bonner Professorin soll EZB-Direktorin werden

Sie ist Wirtschaftsweise, lehrt an der Uni Bonn Ökonomie und hat drei Kinder: Auf Wunsch der Bundesregierung soll Isabel Schnabel nun in das EZB-Direktorium aufrücken.

Eine Bonner Wirtschaftsprofessorin soll Mitglied im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) werden. „Ich fühle mich geehrt, von der deutschen Bundesregierung als Exekutivdirektorin der Europäischen Zentralbank nominiert worden zu sein“, schrieb Isabel Schnabel am Mittwoch auf dem Kurznachrichtendienst Twitter, nachdem die Bundesregierung die Nominierung beschlossen hatte.

Zumindest beruflich wird die 48-jährige Ökonomin  damit der Bundesstadt den Rücken kehren, wo sie an der Universität seit dem Wechsel aus Mainz 2015 viel in Bewegung gesetzt hat. So leitet Schnabel mit ihren Kollegen das bundesweit einzige wirtschaftswissenschaftliche Excellenzcluster mit Namen ECONtribute, das sich unter anderem mit den ungelösten Fragen der Finanzmarktkrise von 2008 befasst.

Schnabel ist also wie berufen für die neue Aufgabe im EZB-Direktorium, wo sie für die zurückgetretene Sabine Lautenschläger nachrücken soll. Den Deutschen steht traditionell ein Sitz in dem Gremium zu. Die Nullzinspolitik der EZB als direkte Folge der Finanzmarkt- und Staatenkrise steht in der deutschen Öffentlichkeit stark in der Kritik, und Schnabel, die locker auftritt und keine Berührungsängste mit großem Publikum hat, gilt als geeignet, die schwierige Materie Geldpolitik ökonomisch weniger Bewanderten verständlich zu vermitteln.

Am Sitz der EZB in Frankfurt wurde die Personalie am Mittwoch mit „gewisser Erleichterung“ aufgenommen, wie es hieß. Sie könne eine „Brücke“ bilden zwischen Befürwortern und Gegnern des Kurses von EZB-Präsident Mario Draghi, dem nun die Französin und bisherige Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, folgt. Es wird nicht erwartet, dass Lagarde die geldpolitische Richtung wesentlich ändern wird. Das hatte Schnabel in einem Interview mit dem Handelsblatt gesagt, in dem sie sich durchaus kritisch zur Tatsache geäußert hatte, dass Lagarde von Hause aus Juristin sei und möglicherweise nicht ausreichend ökonomisch argumentieren könne. „Positiv ist jedenfalls, dass sie eine Frau ist, das tut dieser männer-dominierten Institution auf jeden Fall gut.“

Schnabel hält es für gefährlich, wenn die EZB in Deutschland ständig zum Sündenbock gemacht werde, wie sie in dem Interview auch sagte. „So etwas rächt sich irgendwann.“ Wohin das führe, sehe man am Beispiel Großbritannien, wo sich das Land in Abgrenzung zur Europäischen Union komplett blockiert hat.

Ihre wissenschaftliche Expertise hat die verheiratete dreifache Mutter unter anderem auch  im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung einbringen können, in dem sie seit 2014 sitzt. In einem Minderheitsvotum plädierte sie für eine europäische Rückversicherung im Bereich der Arbeitslosenversicherung. Länder mit hoher Arbeitslosigkeit sollten darauf zurückgreifen können, vorausgesetzt, sie würden in diese neue Versicherung entsprechend einzahlen. Eine reine Transferunion lehnt Schnabel aber ab.

Zu den diversen Positionen und Hüten, die die gebürtige Dortmunderin ausfüllt und aufhat, gehört seit Kurzem auch ein Sitz im neu gegründeten Deutsch-Französischen Rat der Wirtschaftsexperten. Den Posten verdankt sie wohl auch der Tatsache, dass sie gut Französisch spricht, neben fließendem Englisch, was sie Studienaufenthalten unter anderem in Harvard in den USA und an der Sorbonne in Paris verdankt. In ihrem Lebenslauf tauchen auch Russischkenntnisse auf, die sie sich bei einem viermonatigen Aufenthalt in Petersburg aneignete. Ihre internationale Ausrichtung ist es auch, warum die Personalie Schnabel in der EZB positiv aufgenommen wurde. Deutsche Ökonomen, viele Jahrzehnte im Elfenbeinturm eingeschlossen, bekämen inzwischen einen internationalen Blick, sagt ein Insider. So hofft man am Main auch, dass Schnabel ihre achtjährige Amtszeit zu Ende führt und nicht wie die deutschen Vorgänger Jürgen Stark, Jörg Asmussen und Lautenschläger früher das Handtuch werfen wird.

Der Rektor der Uni Bonn, Michael Hoch, begrüßte die Nominierung Schnabels: „Sie gehört zu den profiliertesten Wirtschaftswissenschaftlern unseres Landes. Auch wenn ihr Weggang an der Universität Bonn eine Lücke hinterließe, die schwer zu schließen sein wird – wir Bonner sind stolz auf sie und werden mit ihr wissenschaftlich und persönlich eng verbunden bleiben.“ Das Europäische Parlament wird Schnabel voraussichtlich im November anhören,  im Dezember sollen die Staats- und Regierungschefs der EU der Personalie zustimmen. „Ich werde mein Bestes geben, um die in mich gesetzten hohen Erwartungen zu erfüllen“, twitterte Schnabel.

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