Die drängendsten Fragen: EEG-Umlage lässt Strompreis steigen

Die drängendsten Fragen : EEG-Umlage lässt Strompreis steigen

Für Stromkunden wird es teurer: Die Umlage zur Förderung von Ökostrom steigt 2020 um 5,5 Prozent. Pro Haushalt macht das 18 Euro mehr im Jahr aus. Oft lohnt ein Wechsel des Anbieters. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Die EEG-Umlage steigt von aktuell 6,405 Cent pro Kilowattstunde auf 6,756 Cent, teilten die Betreiber der Stromnetze am Dienstag mit. Das bedeutet für einen Musterhaushalt mit einem jährlichen Verbrauch von 5000 Kilowattstunden 18 Euro mehr pro Jahr.

Warum steigt die EEG-Umlage?

Weil immer mehr Windkraft- und Solarstromanlagen installiert werden, die Strom meist nicht zu wettbewerbsfähigen Preisen erzeugen und durch die Ökostrom-Umlage subventioniert werden. Das Paradoxe dabei: Je geringer der Börsenstrompreis, desto höher muss die Umlage sein. Das bundesweite EEG-Konto hat zwar aktuell ein Milliarden-Plus, dennoch liege der Kontostand um 40 Prozent niedriger als im Vorjahr, so die Netzbetreiber. Das führe zum Anstieg der Umlage. Die EEG-Umlage macht rund ein Fünftel des Strompreises aus.

Was ist mit Netzentgelten?

Die Netznutzungsentgelte machen ein weiteres Viertel des Strompreises aus. Mit ihnen werden Erhalt und Ausbau der Netze finanziert. Auch diese Entgelte steigen. Bereits Anfang Oktober haben die Übertragungsnetzbetreiber Preiserhöhungen für 2020 angekündigt. „Bei den für Endverbraucher relevanten Verteilnetzentgelten deutet sich ein ähnlicher Trend an“, betont das Vergleichsportal Check 24. „Aktuell stehen sie für 68 Prozent der Gebiete fest und fallen rund neun Prozent höher aus als 2019.“ Das würde für den Musterhaushalt voraussichtlich 35 Euro mehr pro Jahr bedeuten. Grundversorger, die höhere Entgelte oder Umlagen an ihre Kunden weitergeben, müssen dies spätestens sechs Wochen vor der Erhöhung mitteilen. Daher ist bis Mitte November mit einer Welle von Ankündigungen zum 1. Januar 2020 zu rechnen.

Wie geht es mit der Ökostrom-Umlage weiter?

Mit dem Klimapaket soll der Ausstoß an Kohlendioxid bepreist werden, im Gegenzug soll ab 2021 die EEG-Umlage sinken und möglicherweise später ganz fallen. Die Grünen kritisieren solche Pläne mit Blick auf ihre Klientel: „Wind- und Solarenergie sind das Rückgrat einer klimaverträglichen Energieversorgung. Statt sich an der EEG-Umlage mit völlig untauglichen Vorschlägen abzuarbeiten, muss die Regierung endlich die Abgaben und Umlagen im Stromsektor neu ordnen“, sagt Julia Verlinden, Sprecherin für Energiepolitik.

Warum haben Verbraucher nichts von niedrigen Börsenstrompreisen?

Die Preise, zu denen etwa Stadtwerke und Regionalversorger den Strom an der Strombörse einkaufen, sind nach Angaben von Check 24 im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent gesunken. Allerdings geben viele Versorger das nicht an ihre Kunden weiter. Im Gegenteil: 2019 ist mit einem Strompreis von 29,47 Cent pro Kilowattstunde ein neues Rekordjahr, so das Portal Verivox. Immerhin ist die Wechselquote gestiegen: Mittlerweile haben laut Branchenverband BDEW 44 Prozent der Haushalte mal den Anbieter gewechselt.

Ist ein Anbieterwechsel riskant?

Nein. „Ein Stromausfall wegen eines Anbieterwechsels ist ausgeschlossen. Im Zweifel werden Sie vom Grundversorger in Ihrem Ort beliefert“, erklärt die Verbraucherzentrale. Strom ist Strom, es gibt keine Qualitätsunterschiede. Aber große Unterschiede beim Preis: Je nach Versorger muss der Musterhaushalt in NRW zwischen knapp 1400 und weit über 1600 Euro im Jahr zahlen. Ein Wechsel kann viel Geld sparen. Portale wie Check 24 und Verivox helfen, den passenden Tarif zu finden. Tarife mit Vorauszahlung sollte man unbedingt meiden, im Insolvenzfall ist das Geld weg. Finger weg auch von Tarifen, die mit Prämien locken: „Das kann ein Smartphone oder ein Fahrrad sein.“

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