Geschäftsbericht: Flughafen Köln/Bonn will zurück in die Erfolgsspur

Geschäftsbericht : Flughafen Köln/Bonn will zurück in die Erfolgsspur

Der Flughafen Köln/Bonn plant für 2020 schwarze Zahlen, nachdem die Passagierzahlen in diesem Jahr schwächer ausfallen als zuletzt und das Geschäft mit der Fracht rückläufig ist. Eingespart wird bei den Personalkosten.

Der Chef sitzt jetzt selbst am Steuer. Johan Vanneste, Vorsitzender der Geschäftsführung am Flughafen Köln/Bonn, verzichtet auf einen Fahrer, der ihn zu Terminen kutschiert. Wenn es passt, nimmt er noch seinen Geschäftsführer-Kollegen Torsten Schrank mit. Alle Bereiche der Flughafen Köln/Bonn GmbH müssen sparen, auch die Geschäftsführung. Das „umfangreiche Ergebnisverbesserungsprogramm“, das bereits angelaufen ist, soll dazu beitragen, die Flughafen-Gesellschaft wieder auf die Erfolgsspur zu bringen.

Mit Ablauf des dritten Jahresquartals bestätigt sich weitgehend, was der Flughafen für 2019 schon vorhergesehen hat: Die Passagierzahlen fallen schwächer aus als im Vorjahr. Bis Ende Dezember werden wohl 12,3 Millionen Passagiere in Köln Bonn gestartet oder gelandet sein, fünf Prozent weniger als 2018. Da waren es noch knapp 13 Millionen.

Statsitik des Flughafens Köln/Bonn: Wie oft reisen Passagiere im Jahr – und aus welchem Anlass? Foto: grafik

Der Wegfall der Eurowings-Langstreckenflüge, der Rückzug von Condor, Laudamotion und Norwegian machen dem Flughafen zu schaffen. Das kann auch nicht durch Zuwächse bei anderen Airlines ausgeglichen werden. Zusätzlich ist das Geschäft mit der Fracht rückläufig: 825.000 Tonnen Waren 2019 bedeuten ein Minus von vier Prozent. Beide Entwicklungen drücken mit aufs Ergebnis: Der Flughafen erwirtschaftet wohl einen Verlust von 19,9 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr konnte noch ein kleiner Gewinn von 936.000 Euro verbucht werden. „Das Jahr 2019 stellt die deutsche Luftverkehrsbranche vor besondere Herausforderungen“, sagt Vanneste. „Marktaustritte sowie Konsolidierungen von Fluggesellschaften führen zu schwierigen Rahmenbedingungen“, zudem sorge die schwache Weltwirtschaft für sinkende Nachfrage in der Fracht.

Ein Verlust in dieser Höhe soll eine Ausnahme bleiben, für 2020 werden wieder schwarze Zahlen angekündigt, am Ende soll dem Vernehmen nach ein einstelliger Millionenbetrag stehen, gefolgt von weiteren Steigerungen. „Unser Hauptaugenmerk liegt darauf, den Flughafen wieder auf Erfolgskurs zu bringen“, sagt Vanneste. „Hierbei ist das gesamte Unternehmen mit allen Beteiligten gefordert.“

Ein Budget von zehn Millionen Euro steht in diesem Jahr bereit „zur nachhaltigen Rückführung der Personalkosten“, wie der Flughafen mitteilt. An den Angeboten für Altersteilzeit, Vorruhestand oder Abfindungen können 80 bis 90 Mitarbeiter teilnehmen. Ihre Stellen werden entweder gestrichen oder mit günstigeren Mitarbeitern neu besetzt. Das Zehn-Millionen-Sonderbudget fällt im kommenden Jahr wieder weg, gleichzeitig sinken die Personalkosten, die Airline-Förderung soll reduziert werden, die Mietpreise steigen – was zu einem positiven Ergebnis 2020 beitragen müsste.

Um die Zukunft der defizitären Bodenverkehrsdienste (BVD), die Gepäck und Fracht abfertigen, wird unterdessen weiter gerungen. Die BVD sollen saniert und möglichst in eine Tochtergesellschaft überführt werden (wir berichteten). „In Zeiten eines derart unruhigen Marktumfeldes“ könne man sich die „zu erwartenden Verluste nicht mehr leisten“, sagt Torsten Schrank. Die Sanierungspläne stoßen auf den Widerstand der Gewerkschaften, eine schnelle Einigung scheint nicht in Sicht. Beim Airport-Hotel geht es dagegen voran, der Bauantrag wurde im Frühjahr eingereicht, Anfang 2020 wird voraussichtlich der Grundstein gelegt, 2021 können die ersten Gäste im Moxy-Hotel übernachten. Für den Bau hat der Flughafen Land verpachtet.

Ab Ende Oktober gilt der Winterflugplan. 85 Ziele werden von 19 Airlines angesteuert. Alitalia fliegt demnächst täglich nach Mailand, Ryanair und Wizzair bauen ihr Angebot ebenfalls aus. Auch in der Terminal-Gastronomie gibt es Neues: Die Kölner Sushi-Kette „Eat Happy“ eröffnete im Terminal 1, nebenan im Terminal 2 macht unter anderem in Kürze die „Heberer’s Traditional Bakery“ auf – es handelt sich um eine Bäckerei mit einem Bierausschank.

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