ÖPNV in Bonn: SWB kündigen Uniklinik bestehenden Jobticket-Vertrag

ÖPNV in Bonn : SWB kündigen Uniklinik bestehenden Jobticket-Vertrag

Weil die Abgabemenge zu gering gewesen sei, haben die Stadtwerke Bonn den bestehenden Jobticketvertrag mit der Uniklinik gekündigt. Eine Lösung für die Mitarbeiter sei jedoch in Sicht. Zugleich sollen Parkgebühren steigen.

Ein erklärtes Ziel der Stadt Bonn im Bundesförderprogramm Lead City ist es, für sauberere Luft die Zahl der Jobtickets zu erhöhen. Mehr Arbeitnehmer sollen auf Busse und Bahnen umsteigen. Da mag es zunächst verwundern, dass die Stadtwerke Bus und Bahn zum Ende dieses Jahres dem Universitätsklinikum Bonn (UKB) den bestehenden Jobticket-Vertrag gekündigt haben.

Der Vorstandsvorsitzende des UKB, Wolfgang Holzgreve, erklärte auf Nachfrage allerdings: "Die Kündigung des Jobtickets durch die SWB und unsere nachfolgende Umstellung auf ein Großkunden-Abo entspricht den Regularien, da die Quote für das Jobticket mit etwa 3500 Nutzern, bezogen auf unsere gesamte Mitarbeiterzahl von über 8000, nicht mehr reichte." Das Klinikum sei im Vergleich mit anderen Unternehmen in einer Sondersituation, weil dort im Schichtdienst rund um die Uhr gearbeitet werde, teilweise zu Zeiten, in denen gar keine oder kaum Busse verkehrten.

Als Anschlusslösung sei nun besagtes Großkundenticket in Planung. Die Abnahmequote sei geringer, allerdings erhöhe sich der Preis für die Mitarbeiter dennoch zwischen 5,80 und 8,70 Euro monatlich. Laut Holzgreve habe der Vorstand vorbehaltlich der Zustimmung der Personalräte den Beschluss gefasst, die zusätzlichen Kosten für die Nutzer aufzufangen und "die Differenz zum höheren Preis zu subventionieren und durch leichte Erhöhung der bisher niedrigen Parkgebühren zu kompensieren". Der größte Anteil der Parker, nämlich diejenigen die bis zur Gehaltsstufe E9 verdienen, hätte ab dem kommenden Jahr monatlich zwölf Euro statt 7,50 Euro zu zahlen. Aktuelle Änderungen der Tarif- und Beförderungsbestimmungen ermöglichen dem UKB den Bezug eines Großkundentickets. Die Mitarbeitergrenze liegt nicht mehr bei 10.000, sondern nunmehr bei 5000 Mitarbeitern.

Als Erfolg auf dem Weg, mehr Kunden für den Nahverkehr zu erwärmen, verbuchen die SWB einen Vertragsabschluss mit der Deutschen Post DHL aus dem vergangenen Jahr. Bislang fehlten nach Angaben der Post die rechtlichen Rahmenbedingungen, um allen Beschäftigten ein Ticket zu einheitlichen Konditionen anbieten zu können.

Der Bund fördert in Bonn und vier weiteren Städten mit Millionenbeträgen zeitlich befristete Projekte, um herauszufinden, mit welchen Hebeln sich der Umstieg auf den Nahverkehr, aber auch auf das Rad forcieren ließe. Eine Säule ist das betriebliche Mobilitätsmanagement, hinter dem sich der leichtere Zugang für Unternehmen zum Jobticket verbirgt. Die SWB halten es für verfrüht, eine erste Bilanz zu ziehen. "Das betriebliche Mobilitätsmanagement bei der Stadt Bonn hat gerade erst begonnen, hier ist noch kein Erfolg zu messen. Im Bereich Lead City haben sich drei Firmen für das Jobticket-Modell zur Abnahme entschieden", erklärte SWB-Sprecher Michael Henseler. Mit Einführung von Lead City haben sich die Konditionen für Unternehmen mit Sitz in Bonn während der zweijährigen Projektlaufzeit verändert. Neukunden, die mehr als 50 Mitarbeiter beschäftigen, aber noch nicht zu den Großkunden gehören, müssen nicht wie bisher für die komplette Belegschaft Tickets abnehmen. Im ersten Vertragsjahr liegt die Abnahmequote bei 35 Prozent, im zweiten Jahr bei 50 Prozent. Der Einzelpreis betrage pro Jobticket-Nutzer monatlich 56 Euro. Mit diesen Fahrscheinen können Kunden im ganzen Gebiet des VRS fahren. Es reicht vom Oberbergischen Kreis bis zum Kreis Euskirchen.

Bisher haben bei den SWB drei Firmen Verträge abgeschlossen. Sie haben insgesamt 98 Jobtickets abgenommen. Die SWB teilten mit, in Bonn gebe es 140.000 Dauerkarteninhaber, 41.000 nutzten ein Jobticket.

Der Verkehrsverbund Rhein-Sieg hält den Versuch, in Bonn mit einer niedrigeren Quote neue Kunden zu werben, "für vernünftig", wie VRS-Sprecher Holger Klein dem GA sagte. Derzeit führen 211.000 Kunden im VRS-Gebiet mit einem solchen Jobticket. Die ursprüngliche Idee einer 100-Prozent-Abnahmequote gehe, so Klein, auf einen Solidargedanken zurück. In der letzten VRS-Zweckverbandsversammlung haben die dort vertretenen Kommunalpolitiker vorgeschlagen, auch außerhalb Bonns die bisherige Regel aufzuweichen. In einem Pilotprojekt bis 2022 können Firmen im ersten Jahr 70 Prozent, im zweiten 85 Prozent und erst im dritten Jahr 100 Prozent abnehmen.

Auf Nachfrage, warum der SWB-Konzern selbst seinen Mitarbeitern noch kein solches Ticket anbiete, sagte der Sprecher: "Wir befinden uns auch hausintern in Abstimmungsrunden bezüglich der Wirtschaftlichkeit einen Jobtickets im SWB-Konzern. Für eine Bewertung, ob ein solches Jobticket eingeführt wird, ist es noch zu früh." Die SWB vergeben bislang Mitarbeiter-Tickets für einen geringen Betrag, mit Aufpreis auch für Familienmitglieder.

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