Bundespreis für Kunststudierende: Bundeskunsthalle zeigt Siegerwerke

Ausstellung in Bonn : Bundeskunsthalle zeigt Siegerwerke von Kunststudenten

Die Bundeskunsthalle Bonn zeigt die Sieger des Wettbewerbs „Bundespreis für Kunststudierende“. Die Arbeiten haben einen gewissen Hang zur Selbstironie, sind historisch spannend oder verlangen den Besuchern verschärfte Denkarbeit ab.

Es wird gefilmt und recherchiert, gebastelt, gesammelt und installiert. Ja, und ein klein bisschen Malerei gibt’s auch noch. Dazu Fantasie und Solidarität, Empathie und ein breiter Blick, der über eigene Lebens- und Erfahrungsfelder reicht. Die Ausbeute des „Bundeskunstpreises für Studierende“, ausgeschrieben vom Bundesbildungs und -forschungsministerium, präsentiert in der Bundeskunstkunsthalle, ist auch in der 24. Folge dieses Wettbewerbs unter den deutschen Akademien und Kunsthochschulen vielsagend und hochinteressant.

Erneut haben 24 Hochschulen jeweils zwei Kandidaten ins Rennen geschickt. Seit einigen Jahren schon wird leider nicht das ganze Feld präsentiert, was einen Einblick in die unglaublich wuselige und heterogene Künstlerschaft und individuell gefärbte Praxis an Hochschulen und Akademien ermöglichte. Vielmehr sehen wir nur die Sieger, die durch eine Jury – Hilke Wagner (Albertinum, Dresden), Eva Huttenlauch (Lenbachhaus, München) und Martin Engler (Städel, Frankfurt) – gefilterte Quintessenz des Wettbewerbs.Die Wahl fiel auf drei Künstler und vier Künstlerinnen, die großteils mit ganz neuen, extra für die Bonner Schau konzipierten Arbeiten zu sehen sind.

Malerei auf dem Rückzug

Gibt es einen neuen Trend? Soviel man sieht, nein. Doch: Malerei ist offenbar bei den Mittzwanzigern auf dem Rückzug. Blickt man über den Museumsplatz zum Kunstmuseum und in die fulminante Malereiausstellung „Jetzt!“, sieht man eine wahre Blüte der Malerei bei den Künstlern um die 40 Jahre. Interessant. Jan Zöller, Jahrgang 1991, der 2014 sein Studium in der Karlsruher Kunstakademie bei Leni Hoffmann (die tolle Spuren im Bonner Kunstmuseum hinterlassen hat) abgeschlossen hat, ist der einzige Maler des aktuellen Finalistenseptetts.

So ganz scheint er dem Medium alleine nicht zu trauen: Er bettet das Gemalte in einen Installationskontext ein, lässt seiner Skepsis in einem Schrift-Bild freien Lauf. Kommilitonen hätten ihm geraten, so schreibt er, kleine Bilder zu malen – wegen der Verkäuflichkeit –, weil die Karlsruher nur kleine Räume hätten. Nun stelle er aber, überschreibt er das Bild, im Museum aus. Da dürfen Bilder wieder größer ausfallen.

Hang zur Selbstironie

Einen gewissen Hang zur Selbstironie bemerkt man auch bei Christoph Blankenburg, 1983 geboren, der gerade sein Studium an der Bauhaus-Universität in Weimar bei Jana Gunstheimer abgeschlossen hat. Sein Film „Deep am Rennsteig“, der olfaktorisch von einem veritablen Baumharzklumpen begleitet wird, ist eine Mischung aus Vorort-Recherche, Performance, Pantomime und Slapstick. Was sich so alles an Deutschlands ältestem und beliebtestem Wanderweg Rennsteig entlang ereignet, erfährt man in fast 17 Minuten. Catweazle-artig stapft der bärtige und dürre Künstler durch die Natur, umrundet futuristisch anmutende Bauten, zeigt Tricks und Verwandlungskunststücke. Der gebildete Besucher entdeckt dabei allerlei Zitate aus der Landschaftskunst. Der röhrende Hirsch auf der Lichtung hat einen zeitgemäßen Relaunch bekommen.

Recherchiert wird ohnehin sehr viel in dieser Schau. Eine politische Krise etwa, die zum Ausbruch des Koreakrieges führte, bildet den historischen Hintergrund für Suin Kwons stimmungsvolle Installation „All nights without exposure, or growing with ashes“. Die Koreanerin wurde 1989 geboren, hat gerade ihr Studium bei Rosa Barba an der Hochschule für Künste Bremen abgeschlossen. Es sind schöne Montagen poetischer Bilder, rätselhafte Begegnungen und Begebenheiten, die sie im Video zeigt. Allenfalls der Text und das eine oder andere Foto lassen das zugrunde liegende Drama erahnen. So poetisch die Bilder, so angenehm ist auch das Umfeld, das an ein fernöstliches Interieur erinnert.

Verschärfte Denkarbeit

Historisch ist auch die spannende Arbeit von Carsten Saeger unterwegs. Saeger ist 1988 geboren, hat sein Studium in diesem Jahr bei Joachim Blank an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig abgeschlossen. Seine Recherche startet in Leipzig, wo zu DDR-Zeiten der 1961 ermordete erste Premier des unabhängigen Kongo, Patrice Lumumba, mit einem Denkmal geehrt wurde. Saeger hat in verschiedenen Runden über Lumumba diskutiert, interviewte den Fotografen Heinz Koch, der ein Foto von der Aufstellung des Denkmals gemacht hatte. In Saegers Arbeit geht es um verschiedene Wege der Erinnerung – nicht nur im Kopf. Auch der Körper hat Erinnerungen: Die werden bei Workshops mit einer Trauma-erfahrenen Trainerin zutage gefördert.

Verschärfte Denkarbeit wird den Besuchern von Lena Grossmanns Arbeit abverlangt. Die 1991 geborene Münchnerin hat ihr Studium in der Münchner Kunstakademie bei Olaf Nicolai abgeschlossen und ging dann nach Zürich zu Isabel Mundry. Ihre Bonner Arbeit „10 Ways Through Organised Space“ besteht aus einem Kreis mit Markierungen und acht beweglichen Stelen, die die Akteure einer Performance am Donnerstagabend nach einer detaillierten Partitur in Position brachten. Während der Ausstellung kann man nun über Partitur und die Stellung der einzelnen Module grübeln.

Fragen führen zur Erkenntnis

Zeitintensive Kopfarbeit ist auch bei Mirjam Krokers Großinstallation „Freesearch“ gefragt, wenngleich das Setting sehr sinnlich, schick und attraktiv geraten ist, man sich fragt, ob man in einem Archiv oder einer Boutique gelandet ist. Kroker ist Jahrgang 1982, hat ihr Studium bei Martin Honert an der Kunsthochschule Dresden abgeschlossen. In ihrem begehbaren Text- und Bilderarchiv geht es um eine investigative Aneignung der Welt über den Weg, mehr oder weniger kluge Fragen zu stellen.

Die schönsten Fragen stellt Marie Falke in ihren Dokufilmen: Die Filme „Trial and Error“ und „Marienstraße“ sind die Highlights der Finalistenschau, Falkes Empathie, fast Zärtlichkeit, mit denen sie ihre Umwelt, die Akteure ihrer Beiträge bedenkt, ist bemerkenswert. Falke wurde 1991 geboren, hat ihr Studium an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe unter anderem bei Thomas Heise abgeschlossen.

Wie sie ihre früheren Nachbarn in der Marienstraße – eine Ballettlehrerin mit ihrer Klasse, ein Organist mit Schülern, den Tabakverkäufer, den Koch und die Bildhauerin – präsentiert, ist wunderbar atmosphärisch. Bestechend auch ihr feinfühliges Porträt des heute fast vergessenen Filmjournalisten Gideon Bachmann, der mit Falke eine Reise in seine Vergangenheit unternimmt. Der damals 89-Jährige verstarb nach den Dreharbeiten. Der Blick, mit dem er seine Interviewerin fixiert, spricht Bände.

Bundeskunsthalle Bonn; bis 5. Januar 2020. Di, Mi 10-21, Do-So 10-19 Uhr. Katalog 12 Euro

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