Landwirte-Demo in Bonn: Hunderte Trecker und 10.000 Bauern erwartet

Versammlung auf dem Münsterplatz : Hunderte Trecker zur Landwirte-Demo in Bonn erwartet

Am kommenden Dienstag gibt es eine Versammlung auf dem Münsterplatz. Dort werden bis zu 10.000 Landwirte erwartet, von den Hunderte mit ihren Traktoren nach Bonn fahren wollen. Deswegen muss mit Verkehrsbeeinträchtigungen gerechnet werden.

Nachdem die Schülerbewegung "Fridays for Future" mit ihren Demonstrationen das Thema Klimaschutz ins allgemeine Bewusstsein gerückt hat, wollen nun offenbar Landwirte ihrem Ärger über verschärfte Umweltauflagen und veränderte Förderkriterien mit einer ähnlichen Protestbewegung Luft machen. Für die deutschlandweit zentrale Kundgebung am kommenden Dienstag auf dem Bonner Münsterplatz haben die Veranstalter für die Zeit von 11 bis 13 Uhr 8000 bis 10.000 Teilnehmer angemeldet.Nicht die Veranstaltung selbst, sondern die Begleitumstände bereiten der Bonner Polizei Kopfzerbrechen.

"Wir bereiten uns mit unterstützenden Kräften aus NRW auf einen großen Verkehrseinsatz vor", sagt Pressesprecher Frank Piontek. Schon ab den frühen Morgenstunden könne es auf allen Durchfahrtsstraßen im Stadtgebiet zu erheblichen Verkehrsbehinderungen kommen. Mit der Stadt, der Feuerwehr und den Rettungsdiensten stimme man sich eng ab.Der Grund dafür: Angeblich 700 Landwirte wollen mit ihren Traktoren nach Bonn fahren. Konvois seien etwa vom Niederrhein, aus dem Emsland oder aus Bad Kreuznach angekündigt. Parken sollen die Fahrzeuge alle auf dem Grünland des Bonner Landwirts Marcus Vianden in Schwarzrheindorf nördlich der Nordbrücke.

Münsterplatz in Bonn für Trecker beim Bauernprotest gesperrt

Vianden hat mit Albert Schmitz aus Villip vor Ort die Organisation übernommen. Um das Gelände zu erreichen, müssen die Trecker allerdings mitten durch die Stadt fahren. Da sie die Autobahnen nicht nutzen können, bleiben ihnen für die Rheinquerung nur Fähren oder die Kennedy-Brücke. Ob die Teilnehmer sich aus der Innenstadt tatsächlich ihren Weg nach Schwarzrheindorf suchen, um dann mit Bussen zur Kundgebung zu fahren, ist ungewiss. Nur der Münsterplatz ist für sie definitiv tabu. "Die Konstruktion der Tiefgarage darunter würde das Gewicht gar nicht tragen", sagt Vianden dem GA.

Wogegen oder wofür die Landwirte unter dem Motto "Land schafft Verbindung" eigentlich auftreten, ist diffus. Maike Schulz-Broers aus der Lüneburger Heide hat die Bewegung nach ihrer Schilderung am 1. Oktober mit einer geschlossenen Facebook-Gruppe ins Rollen gebracht, der inzwischen rund 15.000 Mitglieder angehören. "Wir wollen einfach wieder eine Stimme haben", sagt sie. Niemand stehe stärker für Klimaschutz, Tierschutz und Umweltschutz ein als die Landwirte. Allerdings positioniert sie sich ebenso wie Vianden gegen das Verbot von Insektiziden und Einschränkungen bei der Nitrat-Düngung. "Was wir jahrzehntelang gemacht haben, kann doch nicht auf einmal falsch sein".

Anzahl der Teilnehmer beim geplanten Bauernprotest in Bonn unklar

Für das Insektensterben, das sie infrage stelle, seien, wenn überhaupt, die Lichtverschmutzung der Städte und für den zu hohen Nitrateintrag und Antibiotika im Grundwasser undichte Kanalisationen verantwortlich. Dazu gebe es auch in Bonn ein geheimes Gutachten, das die Stadt unter Verschluss halte, behauptet Vianden.Wie viele Teilnehmer tatsächlich nach Bonn kommen, kann auch Schulz-Broers, die auf der Internetseite der Bewegung als Verantwortliche steht, nicht sagen.

Die Organisatoren hätten den Überblick verloren, da die Aktiven sich in immer neuen WhatsApp-Gruppen organisierten. Sie gehe mittlerweile von 100.000 Aktiven bundesweit aus. Auch in Berlin, Freiburg, Würzburg, Stuttgart, Hamburg oder Rendsburg solle es Proteste geben. Obwohl die Ausrichter sich als Graswurzelbewegung ausgeben, fördern etablierte Verbände zumindest die Proteste. Medienberichten zufolge sind auch mehrere Funktionäre des Bauernverbandes in die Organisation der Demonstrationen eingebunden.

 Erst vor kurzem haben Landwirte vor dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) in Duisdorf gegen das im September vorgestellte Agrarpaket protestiert.

Die Polizei wird am Dienstag ab 7 Uhr im Internet unter www.bonn.polizei.nrw über die Verkehrslage berichten. Unter der Telefonnummer 0228/153030 ist auch ein Bürgertelefon geschaltet

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