Kommentar zu Jobtickets: Änderungen wagen

Kommentar zu Jobtickets : Änderungen wagen

Die Mitarbeiter des Projekts "Jobwärts" werden sicher verschiedene Aspekte bei ihren Analysen für regionale Unternehmen beleuchten. Aber sie sind auch angewiesen auf die Bereitschaft von Firmen und deren Belegschaft, Änderungen zu wagen, kommentiert GA-Redakteur Philipp Königs.

Vielleicht ist das betriebliche Mobilitätsmanagement die vielversprechendste der drei Säulen im Lead-City-Projekt. Im Vergleich zu erheblichen Investitionen in Verbesserungen des Fahrplans und in Tarifvergünstigungen fließt zwar mit rund zwei Millionen Euro eher wenig Geld angesichts des Gesamtpakets, für das der Bund immerhin fast 38 Millionen Euro bereitstellt. Doch könnte gerade das stärkere Zugehen auf Unternehmen in Bonn und dem angrenzenden Rhein-Sieg-Kreis, Mitarbeiter von Fahrgemeinschaften zu überzeugen, vom Umstieg auf Busse und Bahnen oder das Fahrrad mehr Bestand haben als die zunächst auf zwei Jahre befristeten Änderungen des Fahrplans oder das 365-Euro-Ticket als Anreiz für Neukunden. Zumal wenn es tatsächlich gelänge, den Nachweis zu führen, dass staugeplagte Angestellte übellauniger an ihrem Schreibtisch sitzen oder ihre Maschinen bedienen als diejenigen, die auf anderem Wege zu ihrer Arbeit kommen.

Es ist schon fast banal, zu betonen, dass sich diese Überzeugung nur dann bei Firmenchefs und Mitarbeitern einstellen kann, wenn die Alternativen weitgehend reibungslos funktionieren. Die Stadtwerke als das Schwergewicht im Bonner Personennahverkehr haben derzeit allerdings wie andere Verkehrsträger auch erhebliche Probleme, ausreichend Fahrerinnen und Fahrer zu finden. Unpünktlichkeiten und Ausfälle haben zugenommen. Lange werden sich die Umsteiger das nicht bieten lassen.

Eine nicht zu vernachlässigende Stellschraube bleibt neben der Vermeidung von Autoverkehr dessen gezieltere Steuerung durch flexiblere Arbeitszeiten und Heimarbeit. Die Straßen in Bonn und dem Umland sind schließlich nicht von morgens bis abends gänzlich ausgelastet. Die Mitarbeiter des Projekts "Jobwärts" werden sicher auch diese Aspekte bei ihren Analysen für regionale Unternehmen beleuchten. Aber sie sind auch angewiesen auf die Bereitschaft von Firmen und deren Belegschaft, Änderungen zu wagen.

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