Städtepartnerschaft zwischen Bonn und Potsdam: Potsdam-Club will Jugendliche gewinnen

Städtepartnerschaft zwischen Bonn und Potsdam : Potsdam-Club will Jugendliche gewinnen

Besiegelt wurde die Städtepartnerschaft zwischen Bonn und Potsdam 1988 noch zu DDR-Zeiten. Doch so richtig in Gang kam sie erst nach der Wende. Der Potsdam-Club spiegelt die deutsche Nachkriegsgeschichte wider und will nun, 31 Jahre nach seiner Gründung, Jugendliche gewinnen.

Der Potsdam-Club spiegelt die deutsche Nachkriegsgeschichte wider wie kaum eine andere Institution in der Region. Besiegelt wurde die Städtepartnerschaft zwischen Bonn und Potsdam 1988 noch zu DDR-Zeiten, "kam aber erst nach der Wende so richtig in Gang", erklärt Walter Christian, der seit 2013 Vorsitzender des Vereins ist. Viel mehr noch: Als Günther Schabowski am 9. November 1989 das Ende der deutschen Teilung verkündete, war sogar eine Delegation aus Bonn in Potsdam, um über den Ausbau der Beziehungen zwischen den beiden Städten zu beraten.

Jetzt, gut 30 Jahre später, will Christian dem Club weiter öffnen. "Wir wollen gemeinsam mit den Kirchen und über die Musik mehr Jugendliche für unseren Verein begeistern", sagt der langjährige Lehrer des Carl-von-Ossietzky-Gymnasiums in Röttgen. Für den Tag der Deutschen Einheit 2020 sei bereits ein großes Konzert in Zusammenarbeit mit den Kirchen angedacht. "Die ersten Planungsgespräche dafür sind bereits gelaufen", ergänzt Christian.

St. Nikolai, Sanssouci, Park Babelsberg - die brandenburgische Landeshauptstadt verfügt über viele Sehenswürdigkeiten. "Wir legen primär jedoch keinen Wert auf touristische Attraktionen. Sondern der Potsdam-Club will, dass man miteinander ins Gespräch kommt und Beziehungen stiftet", betont der Vorsitzende. Wenn-gleich für ihn Potsdam nicht das Vorzimmer, "sondern die gute Stube Berlins" ist.

Christian kam 2011 zu dem Verein. Als Lehrer für Deutsch, katholische Religion sowie Politik führten ihn viele Klassenfahrten in die neuen Bundesländer. "Damals musste ich schon viel Überzeugungsarbeit leisten. Die Schüler wollten lieber nach Hamburg, Berlin oder München. Dresden, Leipzig, Rostock oder Potsdam waren nicht gerade ihre erste Wahl. Aber am Ende waren sie sich immer einig, dass unsere Klassenfahrt toll war."

Bei der Vorbereitung für diese Touren wurde er auf den Bonner Potsdam-Club aufmerksam, trat dem Verein 2011 bei und übernahm schließlich 2013 den Vorsitz. "Mir ist wichtig, dass wir einen gesellschaftlichen Austausch auf allen Ebenen haben. Wir wollen ein Symbol für die Einheit sein", so Christian.

Dafür knüpft er immer neue Beziehungen und kann mittlerweile auf ein großes Netzwerk zurückgreifen. Denn einige seiner ehemaligen Schüler sind mittlerweile in Brandenburg beruflich erfolgreich. So wie die Potsdamer Superintendentin Angelika Zädow. Auch sie ist eine ehemalige Schülerin des Vorsitzenden. "Ich hatte ihren beruflichen Werdegang zwar einige Jahre beobachtet, war aber überrascht, als ich sie bei einem meiner Besuche als Superintendentin von Potsdam wiedersah", sagt Christian und schmunzelt. "Mit ihr haben wir einen festen Anker für unsere Arbeit."

Auch Jahrzehnte nach der friedlichen Revolution seien die Aufgaben des Clubs so wichtig wie Anfang der 1990er Jahre. "Die Zufriedenheit über unser gemeinsames Leben ist in Ost und West nach wie vor unterschiedlich. Das kann man nur durch Begegnungen und Gespräche ändern. Diese ,Graswurzelarbeit' leistet unser Verein."

Als Lehrer habe er gesehen, dass seine Schüler viel mehr erleben und erfahren, wenn sie in kleinen Gruppen unterwegs waren. "Dieses Prinzip haben wir übernommen. Wenn wir Besucher aus Potsdam hier in Bonn haben, erkunden wir die Stadt stets in kleinen Gruppen. Nur so können intensive Gespräche geführt und Beziehungen aufgebaut werden." Für die Zukunft wünscht er sich, dass der Austausch zwischen den beiden Städten auch auf sportlicher Ebene wieder intensiviert wird.

Derzeit arbeitet Walter Christian an dem Programm für eine gemeinsame Frühjahrsfahrt (10. bis 14. Mai 2020) nach Frankfurt/Oder, an der auch Nichtmitglieder teilnehmen können. Anfragen per Mail an info@potsdam-club.com.

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