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Stadthalle Bad Godesberg: Abriss nicht ausgeschlossen

Planungsausschuss in Bonn : Abriss der Bad Godesberger Stadthalle nicht ausgeschlossen

Die Schließung der Stadthalle in Bad Godesberg hat auch die Mitglieder des Planungsausschusses in Bonn beschäftigt. Lutz Leide, Leiter des Städtischen Gebäudemanagements, hat den aktuellen Stand erläutert.

Der Leiter des Städtischen Gebäudemanagements, Lutz Leide, hat im Planungsausschuss am späten Mittwochabend erläutert, warum die Schließung der Bad Godesberger Stadthalle aus seiner Sicht unumgänglich war. Der Ausschussvorsitzende Rolf Beu hatte ihn kurzerhand gebeten, an der Sitzung teilzunehmen, nachdem am selben Tag, wie berichtet, die Hiobsbotschaft von der Absperrung der Tagungsstätte wegen der maroden Decke des Großen Saales durch die Stadt öffentlich wurde.

Leide, zuständig für städtische Liegenschaften, ging bei der Gelegenheit detaillierter auf die Schäden an den Spannstählen in der Decke ein. Vermutlich in den 90er Jahren hatten Installateure beim Anbringen von Kronleuchtermotoren unsachgemäß hineingebohrt. Zudem hatte der Gutachter hier Rostschäden ausgemacht. „Die Spannglieder und der Spannbeton biegen sich nicht einfach durch. Solche Riegel versagen plötzlich“, erklärte Leide. Was dann geschehe, habe man beispielsweise beim plötzlichen Einsturz der Straßenbrücke im italienischen Genua sehen können. „Wenn die Träger einfallen, kann das einen Dominoeffekt auslösen und die ganze Halle in sich zusammenfallen“, sagte Leide. Das sei auch der Grund, warum die Stadt neben dem Betretungsverbot des Hauptgebäudes auch die Nutzung der zum Ensemble gehörenden, aber vom Hauptgebäude abgetrennten Nebengebäude, des Trinkpavillons und des Karajan-Baus, vorerst untersagt habe.

Das Städtische Gebäudemanagement wolle nun zunächst das Ergebnis des noch ausstehenden Gutachtens abwarten, das Ende kommender Woche vorliegen soll. Je nach Ausgang, so Leide, werde die Stadt darüber entscheiden, ob die Nebengebäude wieder für einen Betrieb der Kulturveranstaltungen durch den Verein Bürger.Bad.Godesberg und durch einen Bridgeclub zugelassen werden könnten.

Der Ausschussvorsitzende Rolf Beu (Grüne) wollte wissen, ob absehbar sei, ob ein Abriss und Neubau der Stadthalle möglicherweise sinnvoller sein könne als die eigentlich geplante vollumfängliche Sanierung. Zuletzt hatte die Stadt die Kosten für eine Modernisierung des denkmalgeschützten Ensembles ab Mitte 2022 mit rund 25 Millionen Euro veranschlagt. Die Politik hatte gerade ein künftiges Nutzungskonzept beschlossen, das einer weiteren Detailplanung zwingend vorausgehen muss.

Leide konnte und wollte nicht ausschließen, dass ein solcher Abriss infrage kommen könnte: „Ich will mich hier aber nicht an Spekulationen beteiligen.“ Vor einer solchen Einschätzung müsse zunächst ein zweites Gutachten her. Die Stadt hatte bereits einige Stunden zuvor in einer Pressemitteilung erklärt, dem ersten Gutachten werde eine zweite sachliche Einschätzung der Lage folgen. Bis eine weitere Expertise ausgearbeitet sei, werde es aber mindestens einen Monat dauern, sagte Leide den Planungspolitikern.

Es war dann Marcel Schmitt vom Bürger Bund Bonn, der bei Leide nachbohrte: Ob bei den genannten Deckenschäden nicht ein kompletter Austausch der Dachkonstruktion zwingend erforderlich sei, der, so Schmitt, ein so gewaltiger Eingriff wäre, dass eine Sanierung nicht wirtschaftlich sei. Leide blieb aber dabei, dass es für eine solche Aussage zu früh sei. Zum falsch eingebrachtem Mörtel, ein Mangel der offenbar seit dem Bau der Halle in den 50er Jahren besteht, sagte der SGB-Chef, man könne nicht von einer seit dieser Zeit bestehenden Einsturzgefährdung sprechen. Die Mängel seien nun bei einer vertiefenden Untersuchung aufgetaucht. „Die Fehler waren von außen nicht sichtbar.“ Nicht mehr zur Sprache kam, warum nach einer Deckeninspektion im Jahr 2008 diesbezüglich alles in Ordnung erschienen war.

Zu Mittwoch hatte die Stadt das Betretungsverbot ausgesprochen und das Hauptgebäude umzäunt. Zum Denkmalschutz hieß es aus dem Presseamt, dass eine marode Decke nicht automatisch bedeute, dass ein Denkmal nicht mehr erhaltenswert sei. Schadensersatzforderungen der Pächter durch den Ausfall von Veranstaltungen befürchte die Stadt nicht. Entsprechende Verträge handelten die Pächter aus, nicht die Stadt.

Die Stadt sucht alternative Standorte für die Nutzer. Bad Godesbergs Bezirksbürgermeister Christoph Jansen hat den Aufbau eines Veranstaltungszelts auf der Rigal’schen Wiese vorgeschlagen; das will die Stadt nun prüfen. Die Opposition kritisierte die Stadtverwaltung und hielt ihr vor, die Instandhaltung von städtischen Gebäuden zu vernachlässigen. SPD-Fraktionschefin Angelika Esch betonte, die Stadt müsse nun schnelle Ersatzräume für die Vereine finden.