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Stadthalle Bad Godesberg: Sperre wegen Einsturzgefahr - Pfeiler nicht tragfähig?

Weiterbetrieb „unverantwortlich“ : Stadthalle Bad Godesberg wegen Einsturzgefahr gesperrt

Die Stadt sperrt die Godesberger Stadthalle. Seit dem heutigen Mittwoch gilt ein vorläufiges Betretungsverbot, wie aus einem internen Newsletter für die Ratsmitglieder hervorgeht

Und plötzlich ist da ein Zaun um die denkmalgeschützte Bad Godesberger Stadthalle gezogen und das Betreten verboten: Erste Hinweise, dass die Stadt die Halle mit ihren Tagungssälen ab Mittwoch schließen wird, weil Gefahr im Verzug ist, hatte es am Dienstagabend gegeben. Der Wirtschaftsausschuss erfuhr davon nach Kenntnis des GA in einer nicht-öffentlichen Sitzung.

Der Verein Bürger.Bad.Godesberg, der den zum Ensemble gehörenden Trinkpavillon nutzt, erhielt fast parallel zur Sitzung um 20.45 Uhr eine Mail der Stadt. „Seitdem sitzt der Schock tief“, sagte Vereinsvorsitzender Joachim Schäfer auf Anfrage. Denn noch am Morgen hatte er mit dem Amt für Wirtschaftsförderung telefoniert, das sich zuversichtlich gezeigt habe, schon bald einen Vertrag mit einem Interimspächter für die Stadthalle zu schließen. Den Zustand des Trinkpavillons habe eine Mitarbeiterin des Städtischen Gebäudemanagements (SGB) noch eine Woche vorher als gut bezeichnet.

Dass in dem Nebengebäude und dem Karajan-Flügel, den der Bridge-Club gepachtet hat, ebenfalls kein Betrieb mehr erlaubt ist, begründete SGB-Chef Lutz Leide damit, dass „die gesamte Stadthalle technisch eine Einheit darstellt“. Er habe sich am Montag und Dienstag mit dem Sachverständigen getroffen, der die Gebäudesubstanz zu prüfen hatte. Nach einer Begehung habe Leide sich für die Schließung entschieden.

Das Dach des Großen Saales sei einsturzgefährdet. Die Prüfung habe ergeben, dass Spannstähle angebohrt wurden, Verpressmörtel in den 50er Jahren nicht fachmännisch verbaut wurde und Rost dem Spannstahl zugesetzt habe. Leide sprach davon, dass „ein plötzliches Kollabieren der Tragkonstruktion“ nicht auszuschließen sei.

Ob Veranstaltungen in den Gebäuden abgesagt werden müssten, konnte Leide nicht sagen. Die Organisation obliege den Pächtern. Schadensersatzansprüche befürchte die Stadt nicht. Zu möglichen Alternativen konnte er noch nichts mitteilen. Der Vorschlag des Bad Godesberger Bezirksbürgermeisters Christoph Jansen, auf der Rigal’schen Wiese ein Veranstaltungszelt zu errichten, sei zu prüfen.

Leide betonte: „Zunächst einmal gilt die Verpflichtung, Denkmäler instand zu halten.“ Mit Blick auf die anstehende Sanierung, die für Sommer 2022 angepeilt war und nach letzter Schätzung 25 Millionen Euro teuer würde, sagte er, auch wenn tragende Teile auszutauschen seien, bedeute das nicht zwingend, dass das Denkmal als solches nicht mehr erhaltenswert sei.

Bezirksbürgermeister Jansen sprach von einer „echten Hiobsbotschaft“. Ein Weiterbetrieb sei „unverantwortlich“, ein schneller Sanierungsplan umso dringlicher. Seine Stellvertreterin, Nicole Unterseh (Grüne), merkte an: „Es ist allerdings schon fast unglaublich, dass die offenbar seit Längerem vorliegenden Schäden bei einer Untersuchung der Tragfähigkeit 2008 nicht bemerkt wurden.“ Gabriel Kunze (SPD) kritisierte, die Verwaltung habe die Sanierung „auf die lange Bank geschoben“. Auch stellte er infrage, „dass wirklich das gesamte Gebäude betroffen ist“.

Johannes Schott (Bürger Bund Bonn) sieht „dringenden Aufklärungsbedarf.“ Dass die Verwaltung eine solche Entscheidung per Ratsnewsletter mitteile, sei „wie ein Stück aus dem Tollhaus“, zumal es offenbar seit dem Einbau der Sicherheitsnetze an der Decke im Februar Hinweise auf eine Einsturzgefährdung gegeben habe. Hans Friedrich Rosendahl (Allianz für Bonn) erinnert an den Vorschlag seiner Fraktion, „die alte Godesberger Stadthalle abzureißen und an dieser zentralen Stelle das neue Schwimmbad zu errichten“. Damit bringt er die Frage auf den Tisch, ob ein Neubau der Anlage nicht sinnvoller sei. Die FDP sieht klare Versäumnisse bei der Bonner Verwaltung: „Wieder einmal erfahren wir mit kaum zu überbietender Dramatik, wie wichtig eine präventive Instandhaltung ist“, erklärte ihr Bezirksverordneter Wolfgang Heedt.

Auch für Felix Kopinski (Piraten) ist die Godesberger Stadthalle neben der Beethovenhalle, der Oper und den Bädern „ein Beleg dafür, was geschieht, wenn man Immobilien nicht laufend in Schuss hält“. Der Sanierungsstau werde immer größer. Jürgen Repschläger (Linke) sagte: „Über zehn Jahre wurde mit dem Argument des zwar immer wieder versprochenen, aber nach wie vor fehlenden Hallenkonzeptes die Sanierung der Bad Godesberger Stadthalle auf die lange Bank geschoben.“