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Bonn-Bad Godesberg: Früherer Amerikanischer Club verfällt

Für Sanierung fehlt Geld : Ehemaliger Amerikanischer Club hat ungewisse Zukunft

Der ehemalige Amerikanischer Club verfällt zusehends. Doch für eine Sanierung fehlt der Bonn International School das Geld.

John F. Kennedy und Konrad Adenauer trafen sich dort, genau wie andere Politiker, Diplomaten und Journalisten. Einerseits ein Freizeittreff für Familien, wurde in den Räumen des ehemaligen Amerikanischen Clubs andererseits nicht selten Geschichte geschrieben. Doch einige Jahre, nachdem die Regierung nach Berlin umgezogen war, wurde der Club geschlossen. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Im Gegenteil: Von den Plänen, die es in den vergangenen 20 Jahren für das Gebäude gab, wurde keiner umgesetzt. Nun verfällt es zusehends.

Ende der 1990er Jahre übernahm die Vebowag das Gelände und damit den „American Embassy Club“. Doch ihre Ideen – unter anderem sollten dort Wohnungen oder medizinische Büros entstehen – scheiterten am Denkmalschutz und seinen Auflagen, beschreibt Vorstand Michael Kleine-Hartlage. Die Vebowag stellte ihre Bemühungen ein. Und übergab das Areal 2010 an die Bonn International School (BIS)  – in Erbpacht.

Die Schule wollte 2013 tätig werden. Der Club sollte saniert und zu einer Aula umgebaut werden. Cafeteria mit Küche inklusive. Doch daraus wurde nichts. Auch diesem Vorhaben standen Denkmal-, Brand- und Hochwasserschutz im Wege, erläutert BIS-Direktorin Patricia Baier. Für die Maßnahme reichten die finanziellen Mittel der Schule außerdem – oder deswegen – nicht aus. Die (kostengünstigere) Alternative war ein Erweiterungsbau.

Eine halbe Million Euro Pacht jährlich

Man würde nach wie vor gerne in den Club investieren, „aber es ist eine Frage des Geldes“, so Baier. Rund eine halbe Million Euro Pacht falle jährlich für das gesamte Schulgelände an – eine „enorme finanzielle Belastung für unseren gemeinnützigen Elternverein“. Eine Sanierung übersteige das Budget bei Weitem. Das habe man der Stadt den vergangenen Jahren mehrfach signalisiert.

Hinzu komme, dass der Zustand des Clubs schon 2010, als man ihn nach zehn Jahren Leerstand übernommen habe, sehr schlecht gewesen sei, sagt Verwaltungsleiterin Sabine Schattenberg. „Es war ein Skaterpark und ein Treffpunkt für Obdachlose.“ Die Schule habe das Gebäude eingezäunt und es von außen gestrichen. „Uns ist bewusst, dass viele Leute eine emotionale Bindung an den Club haben“, sagt BIS-Sprecherin Natalie Niklas. Daher sei man bemüht, Lösungen zu finden.

Wie die aussehen könnten? „Wir sind offen dafür, dass das Gebäude von anderen genutzt wird“, so Baier. Zum Beispiel von einem Schulruderverein, lautet ein Vorschlag. Eine weitere Möglichkeit: „Wir geben das Gebäude frei und lösen es aus dem Pachtvertrag heraus.“ Um alles in die richtigen Bahnen zu lenken, suche man „seit geraumer Zeit den Dialog mit Stadt und Vebowag“.

Nutzungskonzept erstellen und prüfen lassen

In erster Linie sei es Aufgabe der BIS als Erbbaurechtsnehmerin, „das Denkmal Amerikanischer Club so zu nutzen, dass die Erhaltung der Substanz auf Dauer gewährleistet ist“, teilt Vize-Stadtsprecher Marc Hoffmann auf GA-Anfrage mit. Diese müsste ein Nutzungskonzept erstellen und prüfen lassen, ob es bautechnisch und denkmalfachlich umgesetzt werden könnte. Die Untere Denkmalbehörde stehe bereit, „den vor einiger Zeit begonnenen, aber dann seitens der BIS nicht mehr weitergeführten Dialog über den weiteren Umgang mit dem Gebäude fortzusetzen“, so Hoffmann.

Wie der Club überhaupt genutzt werden könnte, wollte die FDP in einer Großen Anfrage wissen. „Der Bebauungsplan setzt hier ein Sondergebiet (Schule) fest“, so die Stadt. Ein Bootshaus für Schülerrudervereine wäre somit zulässig. Nicht-schultypisch, zum Beispiel als Ausflugslokal, könnte das Gebäude nur betrieben werden, wenn eine Befreiung vom Bebauungsplan möglich sei. Jeder dementsprechende Antrag müsste einzeln geprüft werden, so die Stadt.

Doch in welchem Zustand befindet sich das Gebäude überhaupt, fragen die Liberalen. Bei einer Begehung 2018 habe man festgestellt, so die Stadt,  dass die Innenausbauten teilweise zerstört, Fensterscheiben nicht mehr vorhanden gewesen seien. Den Grund dafür sieht sie in „jahrelanger mangelhafter Sicherung gegen unbefugtes Eindringen“. Massiver Schimmel- oder Schwammbefall habe nicht vorgelegen. Ebenso wenig wie eine Schadstoffuntersuchung. Allerdings gehe man mit Blick auf das Alter des Clubs davon aus, „dass schadstoffhaltige Produkte verbaut wurden“.