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GA-Serie: „Ruhestand 4.0“: Der Mann an der Spitze des Godesberger Turnvereins

GA-Serie: „Ruhestand 4.0“ : Der Mann an der Spitze des Godesberger Turnvereins

Manfred Zachcial ist seit fast einem Jahrzehnt Vorsitzender des Godesberger Turnvereins. Auch in der Wissenschaft machte sich der ehemalige Professor einen Namen. Nach einer Verletzung will er bald wieder aufs Rad.

Zahlen und Sport gehören schon lange zum Leben von Manfred Zachcial dazu. Der Sohn einer Facharbeiterfamilie hat es durch viel Engagement und Ehrgeiz zu etwas gebracht, von dem mancher Mensch nur träumen kann. In Bad Godesberg ist der Name von Manfred Zachcial sehr eng mit einem der größten Bonner Sportvereine verbunden:  dem Godesberger Turnverein (GTV).

Obwohl derzeit die sportlichen Aktivitäten wegen der Corona-Pandemie ruhen müssen, geht die Arbeit in der Geschäftsstelle im Hansa-Haus auf reduzierter Basis weiter. Dort hoffen die Verantwortlichen darauf, dass es bald wieder möglich ist, schrittweise mit dem Sport anzufangen. Dazu bereiten sie alles vor.

Sportlicher Schwerpunkt vor allem Leichtathletik

Manfred Zachcial zog vor 40 Jahren von Troisdorf nach Bad Godesberg. Damals traten er und die ganze Familie dem GTV bei. Seine eigenen sportlichen Schwerpunkte, so sagt er, waren Fußball, Handball, Basketball und vor allem Leichtathletik. Seine Fußballkarriere, die er nebenbei verfolgte, führte ihn sogar bis in die Verbandsliga. Als  Leichtathlet wurde Zachcial 1964 dritter der Deutschen Junioren-Meisterschaft im Mannschafts-Fünfkampf sowie Mittelrheinmeister im Senioren-Mannschafts-Fünf-kampf 1965.

Hier kamen ihm als Nicht-Sprinter seine Top-Disziplinen Speer, Diskus und 1500-Meter-Lauf zugute. Auch heute besitzt er noch eine gute Kondition. Das stellte er vor sechs Jahren unter Beweis, als er in sieben Tagen alleine von Bad Godesberg mit dem Fahrrad über die Alpen nach Bozen radelte. Weil er sich über Jahrzehnte fit gehalten hat, genießt der begeisterte Radfahrer einen unbeschwerten Ruhestand. Gerade kuriert er sich allerdings von  einem Sturz. Mehreren Operationen musste er sich unterziehen. Jetzt heilt die Beinverletzung.

Dem Sport schenkt Manfred Zachcial auch sonst ehrenamtlich sein Engagement. „Nach meiner Pensionierung im Jahr 2011 wurde ich quasi übergangslos von einer Mitarbeiterin des GTV überredet, in diesem Bad Godesberger Traditionsverein eine Aufgabe im Vorstand zu übernehmen“, sagt er. Sein guter Freund und GTV-Ehrenvorsitzender Johannes Wandt übernahm den Vorsitz bis 2012, bevor Zachcial selbst das Vereinsruder nach „einer Einarbeitungszeit“ in die Hand nahm. Das Amt übt er bis heute aus, obwohl im März bei der GTV-Mitgliederversammlung Neuwahlen angestanden hätten. Wegen Corona ist diese Versammlung bis auf Weiteres verschoben.

Manfred Zachcial schließt nicht aus, noch ein letztes Mal für eine weitere Amtszeit als Vorsitzender zur Verfügung zu stehen. Und das sportliche Engagement im Ruhestand hat nun überhaupt nichts mit dem Beruf zu tun, den Manfred Zachcial über vier Jahrzehnte ausgeübt hat. Dabei verschlug es ihn auch oft ins Ausland. Studiert hat Zachcial Volkswirtschaft an der Universität Bonn – neun Semester brauchte er dafür. Das habe an seiner bekannten „Schnelligkeit“ gelegen.

Über 100 Veröffentlichungen, davon zwölf Fachbücher

Mit 28 Jahren promovierte er im Frühjahr 1974. Es folgten Tätigkeiten als wissenschaftlicher Mitarbeiter an Universitätsinstituten in Bonn und Bremen. Von 1982 bis 1988 hat  Zachcial als Berater für deutsche und internationale Organisationen der Entwicklungshilfe in mehr als 30 Ländern gearbeitet – in Afrika, Asien und Lateinamerika. Zudem war er im Auftrag der Weltbank, der Kreditanstalt für Wiederaufbau und der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit tätig.

Von 1988 bis 2011 war er Direktor am Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik in Bremen. Ein Grund für seine Berufung: Der Volkswirtschaftler, der auch Professor für Wirtschaftswissenschaften war, kennt sich mit Daten und Zahlen der Weltwirtschaft und der Weltschifffahrt aus. Zu seinen Fachgebieten zählt auch die Methodenlehre der Statistik. Die gute sportliche Konstitution kam ihm 1981 im kolumbianischen Bogota zugute, als er drei jugendlichen Straßenräubern nach einem fünf Kilometer langen Rennen durch die Altstadt entkommen konnte.

In Malawi erkrankte er an der Malaria Tropica, wurde aber glücklicherweise im Godesberger Waldkrankenhaus aus nahezu aussichtsloser gesundheitlicher Lage gerettet. Mit über 100 Veröffentlichungen, davon zwölf Fachbüchern, hat er sich zudem in der wissenschaftlichen Literatur einen Namen gemacht.  Zahlreiche Transportplanungen und Verkehrsprojekte im In- und Ausland tragen die Handschrift von Manfred Zachcial, Hafenplanungen an Nord- und Ostsee, in Saudi-Arabien und den Emiraten.

In der EU-Kommission in Brüssel hat man ihn schon oft als „Herr der Zahlen in der Schifffahrt“ bezeichnet, weil er genau ermittelt hat, welche Gütermengen über die Weltmeere transportiert werden und was Transporte über See und über Land tatsächlich kosten. In der aktuellen Corona-Pandemie interessieren ihn die statistischen Methoden der Studien, die die Verbreitung der Viren erheben.

Und zu Hause im Bad Godesberger Ortsteil Schweinheim genießt er mit Ehefrau Barbara die Zeit zwischen GTV und Beratung der Seeverkehrswirtschaft. Die Zachcials freuen sich schon jetzt darauf, wenn sie mit den Zwillings-Söhnen sowie deren Familien wieder ohne  Abstand zusammenkommen können.