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Académie de Danse: Ballettstudio in Bad Godesberg schließt nach 17 Jahren

Académie de Danse : Ballettstudio in Bad Godesberg schließt nach 17 Jahren

Marie Stehr schließt ihr Ballettstudio in Pennenfeld noch in diesem Jahr wegen der Corona-Krise und verkauft ihren Fundus. Nach 17 Jahren endet damit der Mietvertrag für ihre „Académie de Danse“.

In den letzten Wochen hat Marie Stehr viele Stunden lang fotografiert. Das ist eher ungewöhnlich für eine Ballettlehrerin und hat einen traurigen Hintergrund. „Ich habe meinen Fundus sortiert und biete ihn jetzt auf meiner Homepage an“, erklärt die Godesbergerin mit französischen Wurzeln. Zum 31. August hat sie nach 17 Jahren den Mietvertrag für ihre „Académie de Danse“ gekündigt.

Nicht aus freien Stücken. „Es gab zwar immer mal Überlegungen aufzuhören, aber eigentlich wollte ich bis 75 weitermachen“, sagt die 67-Jährige. Doch die Corona-Krise hat ihr einen Strich durch die Rechnung gemacht. Seit April habe sie kein Einkommen mehr, ihre Kunden hätten gekündigt. Trotzdem gebe es die laufenden Kosten, weshalb sie für die Soforthilfe des Bundes dankbar war. „Entscheidend für mich ist aber, dass es wenig Aussichten für eine Zukunft gibt“, sagt die Diplom-Pädagogin. Einerseits zählt sie zur Risikogruppe, andererseits kann sie sich nur schwer vorstellen, wie sie ohne Körperkontakt unterrichten sollte. „Ich muss ja die Haltung an der Stange korrigieren“, sagt sie.

Zudem sei es auch nicht möglich, dauerhaft mit Mundschutz zu trainieren. „Gerade bei den Dreijährigen arbeite ich viel mit Kreisübungen, bei denen wir uns an den Händen fassen“, sagt die Ballettlehrerin, die in ihrer Académie auch Yoga, Bauchtanz, Irish Dance sowie Modern und Jazz Dance angeboten hat.

Um nicht mit einem riesengroßen Verlust aus ihrem Lebenstraum auszusteigen, bietet sie jetzt Fundus und Inventar des Studios zum Verkauf an. Vieles davon hat sie schon in Tüten verpackt. „Wir haben alle zwei Jahre eine große Aufführung gehabt, und mein Anspruch war, dass nie die gleichen Kostüme getragen werden“, sagt die Lehrerin, die sich selbst als „freundlich streng“ einstuft. Da sie immer alles selbst anschaffte und kostenlos für die Show verlieh, finden sich massenweise Tutus in sämtlichen Farben und Variationen, Ballettschläppchen, Kostüme, Flamenco-Kleider, aber auch Schleier, Musikanlagen, Discokugeln und selbst Accessoires wie Babypuppen oder Tamburine. 

„Letztere sind schon reserviert“, sagt sie freudig. Ansonsten aber überwiegt Wehmut, wenn sie den Blick über die großen Spiegel, Holzstangen und schalldichten Türen fliegen lässt. „Es war wirklich perfekt hier“, sagt Stehr über die drei Trainingsräume, die früher eine Drogerie waren und die sie damals sechs Monate lang herrichten ließ. Eine eigene Karriere als Primaballerina war der Diplomatentochter wegen ihrer Größe verwehrt geblieben. „Ich war mit 14 Jahren 1,69 Meter und überragte die Jungs schon ohne Spitzenschuhe“, erzählt sie.

Sie machte weiter, aber mit anderem Fokus: „Ich wollte irgendwann alles, was ich kann, minutiös erklären können.“ Die Gelegenheit bot sich der studierten Sprachwissenschaftlerin in Bonn, in das sie 1989 mit (deutschem) Mann und Kind aus Venezuela kam. „Als erstes habe ich mir ein gutes Ballettstudio fürs Training gesucht“, erinnert sie sich. Sie fand es in der Godesberger City und übernahm es im Jahr 2000. „Aber ich wollte größer werden und das war in Pennenfeld möglich.“

Was mit der Gewerbefläche passiert, ist laut Timothy Le Blond von der Wertgrund Immobilien Verwaltungs GmbH noch offen: „Die Gespräche finden noch statt.“ Wie berichtet, stockt Wertgrund an der Max-Planck-Straße vorhandene Wohnhäuser auf und setzt Neubauten in Lücken. 

Weitere Infos und Kontakt unter www.academie-de-danse-godesberg.de oder 0228-357902