Beethovenhalle und Viktoriabrücke: Steuerzahlerbund kritisiert Bauprojekte in Bonn

Steuerzahlerbund kritisiert Bonner Bauprojekte : Beethovenhalle und Viktoriabrücke am Pranger

Der Bund der Steuerzahler kritisiert mit der Beethovenhalle und der Viktoriabrücke zwei Bonner Bauprojekte. Sie seien unrühmliche Beispiele für Verschwendung öffentlicher Gelder.

Schon in den vergangenen Jahren war die Präsenz  Bonns im Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler zur Regelmäßigkeit geworden. Auch in diesem Jahr ist die Bundesstadt in der unrühmlichen Sammlung öffentlicher Geldverschwendung vertreten – und das gleich zweimal. Zwischen 98 weiteren Fällen aus ganz Deutschland wie dem Debakel um die PKW-Maut und das Millionengrab der Gorch-Fock-Sanierung finden sich die Viktoriabrücke und, zum zweiten Mal in Folge, die Beethovenhalle.

Dass die Kosten für deren Sanierung auch 2019 kontinuierlich nach oben korrigiert werden mussten, war auch dem Verband in Berlin nicht entgangen. Hatte die Kalkulation ursprünglich bei 60 Millionen Euro, im Mai noch bei 117 Millionen Euro gelegen, verkündete die Stadt einen Monat später, im schlimmsten Fall könne die Sanierung auch 166 Millionen Euro kosten. „Der Zeitdruck, den die Stadt sich in den ersten zwei Jahren der Sanierung selbst gemacht hat, führte zu einer Kostenexplosion“, schreibt der Bund der Steuerzahler unter der Überschrift „Fass ohne Boden“ und adressiert deutliche Worte an die Verantwortlichen: „Bei Mehrkosten von 100 Millionen Euro sollte man endlich an personelle Konsequenzen denken.“

Erstmals am Verschwendungspranger steht hingegen die Viktoriabrücke, vom BdSt als „das zweite Millionengrab in Bonn“ bezeichnet. Denn auch hier kletterten die Kosten von den ursprünglich angesetzten 24,6 um weitere 20 Millionen Euro. Besondere Aufmerksamkeit hat beim Bund der Steuerzahler offenbar der so genannte Lichterhimmel, eine Art beleuchteter Baldachin, der allein eineinhalb Millionen Euro mehr koste als in der Ursprungsversion vorgesehen. Der Verwaltung wirft der Bund der Steuerzahler vor, die Kostensteigerung mit einem „Schulterzucken“ hinzunehmen: „Es ist unverständlich, dass man sich nicht auf den Erhalt der Brücke konzentriert, sondern zusätzlich teure Extravaganzen einbaut.“

Die Stadtverwaltung erklärte am Dienstag auf Nachfrage, sie bedauere diese Entwicklungen und werde die Abläufe „evaluieren, um für künftige Projekte daraus zu lernen.“ Hinsichtlich der Beethovenhalle stelle die „Worst-Case-Betrachtung“ eine  Obergrenze dar, innerhalb derer das Projekt fertiggestellt  werden soll. Bei der Viktoriabrücke verweist die Stadt auf geänderte, gestalterische Vorgaben und zusätzliche vorab nicht absehbare Leistungen. Die aktuelle Kostenschätzung von etwa 45 Millionen Euro für das Gesamtprojekt sei „mit weiteren Unwägbarkeiten verbunden“.

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