An der Vogtsgasse ein Fragment der mittelalterlichen Stadtmauer von Bonn errichtet werden.

Mittelalterliches Bonn : Stück der alten Stadtmauer wird am Rhein aufgestellt

Im Frühjahr soll an der Vogtsgasse ein Fragment der mittelalterlichen Stadtmauer von Bonn errichtet werden. Seit Jahren war der Fund auf einem Bauhof eingelagert. Es ist ein Projekt zum Anfassen.

2010 wurde bei den Bauarbeiten für die Rheinlogen am Brassertufer ein 2,5 Meter breites und 1,5 Meter hohes Stück der mittelalterlichen Stadtmauer gefunden. Die Stadt verpflichtete den Investor, das Fragment zu einem städtischen Grundstück zu transportieren. Seit Jahren ist der für die Bonner Stadtgeschichte bedeutende Fund nun auf dem Bauhof an der Brühler Straße eingelagert. Auf Beschluss der Bezirksvertretung Bonn vom 1. Oktober soll das historische Mauerstück nun auf einer Grünfläche im unteren Teil der Vogtsgasse unweit des Fundortes aufgestellt werden. Laut Verwaltung soll das Projekt „voraussichtlich im Frühjahr 2020“ umgesetzt werden. Die geschätzten Kosten betragen 50.000 Euro.

Zur Geschichte: 1244 wird die Stadtmauer nach Verleihung der Stadtrechte durch den Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden errichtet. Die Anzahl der Quellen zur mittelalterlichen Stadtbefestigung Bonns ist limitiert und so manche Angabe ungesichert. Doch Norbert Schloßmacher, Leiter des Stadtarchivs, kennt die wesentlichen Merkmale der mittelalterlichen Anlage: „Die Mauer war ein Meter dick und bis zu sieben Meter hoch. Die Rheinfront war etwa 800 Meter lang.“ Sie ruht auf in einen Wall hineinführende, vier Meter auseinanderstehenden Grundpfeilern. Die sich nach oben fortsetzenden Pfeiler bilden die Widerlager der zwischen ihnen gespannten Bögen mit dem breiten Wehrgang. Dieser führt in einem Zuge über die gesamte Mauer und durch die Türme.

Vermittelt eine Vorstellung von der Stärke der Bonner Stadtbefestigung

Die Mauer ist an der Sohle aus Basalt gefügt, die oberen Teile bestehen aus Tuffsteinen und Ziegeln. Die in die glatte Stadtmauer in eckiger oder halbrunder Form eingebauten Wehrtürme überragen die Mauer deutlich, bilden mit den Toren das Rückgrat der Verteidigung und vermitteln das Bild der bewährten mittelalterlichen Stadt. Von hier aus können die Angreifer flankierend beschossen und die unmittelbare Annäherung an die Stadtmauer verhindert werden.

Der wiederhergestellte Halbrundturm am Sterntor vermittelt eine gute Vorstellung von der Stärke der Bonner Stadtbefestigung im Mittelalter. „Die großen Tore waren das Stockentor nach Süden, das Sterntor nach Westen und das Kölntor nach Norden. Die anderen Tore waren kleiner und von geringerer Bedeutung“, sagt Schloßmacher. Das Giertor an der Giergasse und das Krahntor sind einfache viereckige Tortürme mit spitzbogiger Durchfahrt, die nur wenig über die Rheinmauer hinausragen.

Das Giertor hat seinen Namen von der Gertrudiskapelle, das Krahntor führt zum Zollkrahnen. Das erst im 14. Jahrhundert angelegte Rheintor heißt ursprünglich Neutor wie auch die Rheingasse bis in das 16. Jahrhundert als Neugasse bezeichnet wird. Die Tore sind mit mächtigen hölzernen Torflügeln geschlossen. Mit Eisenbändern verstärkt, drehen sie sich in Zapfen oder Ringen und werden durch starke Balken und riesige Schlösser verriegelt. Meist in das große Tor eingeschnitten ist das „Mannloch“, eine kleine Nottür für den Ein- und Auslass einzelner Personen in unruhigen Zeiten. Im Falle eines Angriffs auf die Stadt kann hinter dem Torflügel noch ein schweres, aus Holzpfählen und Eisenschuhen gefertigtes Fallgatter heruntergelassen werden.

Die Stadtbefestigung ist nicht nur eine reine Verteidigungsanlage. „Die trotzigen Torburgen und die hoch aufragenden Mauern und Türme waren für die Bürgerschaft die stolzen Zeichen ihrer Freiheit, ihres Reichtums und ihrer Tüchtigkeit. Mit besonderer Liebe wurden die Tore ausgeschmückt mit Zinnen und Erkern, Skulpturen und sonstigen Bildwerken“, schreibt Josef Niessen in seiner Geschichte der Stadt Bonn. Das Stadttor hat auch eine empfangende und repräsentierende Funktion.

So erinnert am Kölntor später das gotisch verzierte Wappen Konrads von Hochstaden an den Urheber der Stadtbefestigung. Die Entwicklung der Waffentechnik und die gesteigerte Artilleriewirkung erfordern in der Neuzeit den Bau von Bastionen wie der Alte Zoll, heute ein beliebtes Ausflugziel.

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